· 

Belgrad

Wir haben die 96km am Samstag tatsächlich geschafft, inklusive kleinerer Anstiege und anschliessenden Abfahrten, zusätzlich noch mit Rückenwind, längeren Fahrten auf stark befahrenen Strassen, Regenschauer beim Mittagessen undviel Sonnenschein. Der Weg führte mehrheitlich über Land, die Donau haben wir kaum gemsehen. Um ins Zentrum von Belgrad zu gelangen, mussten wir für einmal nicht die Donau überqueren, sondern die Sava, welche in Belgrad in die Donau fliesst. Eigentlich wollten wir den Radwegweisern folgen. Doch als wir uns der Brücke näherten, stellten wir fest, dass ein grösserer Demonstrationszug auf der Brücke ist. Da wollten wir uns mit unseren beladenen Velos nicht darunter mischen, auch wenn die Demo friedlich verlief. Aktuell protestieren Tausende junger Leute vor allem in den grösseren Städten gegen Regierungschef Vucic.

Wir haben eine Alternativroute gewählt, um zu unserer Unterkunft zu gelangen. Nach einigem Suchen haben wir sie gefunden (google maps sei Dank). Es ist nicht immer einfach, sich zu orientieren, da Strassennamen in kyrillisch und nur teiweise auch in lateinischer Schrift angeschrieben sind.

Kurzfristig haben wir uns entschieden, nach 4 Wochen einen zusätzlichen Ruhetag einzuschalten. Den haben wir uns nach 1991km doch tatsächlich verdient. Das grosse Appartment, das wir in Belgrad gebucht haben, bot sogar Platz für unsere Fahrräder!

Belgrad haben wir zu Fuss erkundet. Hop on Hop off Busse fahren erst ab Mai. Die Stadt ist sehr lebendig, sie gilt nicht umsonst als eine der grössten Partystädte Europas. Cafés und Bars hat es in rauhen Mengen, soweit das Auge reicht, im Zentrum, an der Donau, in allen Quartieren. Und es ist etwa nicht so, dass diese Lokale mehrheitlich leer wären. In vielen der traditionellen Restaurants wird man beim Essen mit der traditionellen Volksmusik verwöhnt, natürlich life. Und die Einheimischen singen mit. Gastfreundschaft, Essen, lokaler Wein, alles hat gepasst. Was uns speziell aufgefallen ist, sind die vielen grossen Leute. Ja, Markus und ich gehören sicher nicht dazu, aber genau deshalb ist es uns aufgefallen! 

Die beiden Tage waren im Nu vorbei. Es war herrlich, einfach ein bisschen herumzuhängen, zu lesen, die neue Woche zu planen. Es ist das erste Mal, dass wir bereits die Übernachtungen der ganzen Woche gebucht haben. Aber da Ostern ansteht und wir in einer Region sind, wo es nicht allzu viele Übernachtungsmöglichkeiten gibt, wollen wir auf sicher gehen! Zelten können wir später immer noch, wenn erforderlich. Wir sind nicht darauf erpicht.

Als wir heute früh wieder losgefahren sind Richtung Kovin mussten wir uns eingestehen, dass wir das Velofahren bereits ein bisschen vermisst haben. Sind wir etwa schon süchtig danach?

Die heutige Strecke hat uns zuerst aus Belgrad herausgefürt. Kaum hatten wir die Donau überquert, waren wir wieder in einer anderen Welt: Natur pur und Einsamkeit. Einfach herrlich, weg vom Verkehrslärm, den Autos und Lastwagen. Die Landschaftsbilder waren fantastisch. Wir werden diese Bilder in Erinnerung behalten, fotografisch sind wir nicht so versiert, diese Eindrücke ins rechte Licht zu rücken. Da haben wir noch Verbesserungspotential. Dafür fuhren wir einmal mehr über 30km auf holprigen Trails, das haben wir aber gerne in Kauf genommen. Auf den letzten km sahen wir, wie dunkelgraue Wolken sich immer mehr näherten. Wir haben es gerade noch rechtzeitig nach Kovin und ins Hotel geschafft! Und da es jetzt draussen feucht ist und regnet, habe ich Zeit, den Blog zu schreiben.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0