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Ostern - Start in Bulgarien

Wir starten den Ostersonntag mit einem herrlichen Frühstück. Die Besitzerin der Vila Kristina hat die Tische schön dekoriert und sogar gefärbte Ostereier aufgetischt. Also nichts wie los mit “Eier tütschen”. Markus gewinnt wie immer! Frisch gestärkt für den Tag fahren wir los. Wie sind noch keine 500m gefahren, da sehen wir am Strassenrand eine alte Frau stehen, das Fahrrad hat sie auf den Sattel gestellt, ihre prallen Einkaufstaschen sind auf der Strasse und ihre Hände sind voller “Chareschmieri”. Die Kette ist aus dem Zahnrad gesprungen. Markus macht kurzen Prozess – er kehrt um, zieht sich Plastikhandschuhe über und hängt die Kette wieder ein! Die alte Frau war bass erstaunt über die Hilfsbereitschaft und hat sich herzlichst bedankt - zumindest nehme ich das an, denn verstanden haben wir ja nicht gerade viel von dem, was sie gesagt hat. Und dann haben wir noch etwas eingekauft mit den letzten Dinars, wie sich das gehört. Dieses Mal war es kein Schleckzeug sondern Voltaren Gel, damit wir unsere Wehwechen behandeln können!

Und nun fahren wir tatsächlich los. Der Weg führt übers Hinterland in kleine verlassene Dörfer, Fasane sind unsere ständigen Wegbegleiter. Aber was wir in diesen kleinen Dörfern an Prachtbauten antreffen, lässt sich kaum vorstellen. Riesige neue Häuser findet man hier relativ viele, die meisten stehen leer. Hier hat man noch nicht über die 2. Wohnungsinitiative abgestimmt…

 

Am Ende/Anfang eines jeden Dorfes sind die Friedhöfe. Riesige Grabsteine beherrschen das Bild. Was uns aber speziell überrascht hat sind diejenigen Grabsteine, welche wohl ein Geburtsdatum, aber noch kein Todesdatum darauf haben. Es sieht so aus, als ob hier die Plätze bereits im Voraus hergerichtet warden.

 

Und dann sind wir bereits an der Grenze zu Bulgarien angekommen. Die ehemaligen Grenzgebäude stehen immer noch, zum Beispiel auch die Desinfektionsstation. Der erste Eindruck von Bregovo ist ernüchternd und beklemmend zugleich. Alles sieht trostlos aus.

 

Von Bregovo aus müssen wir uns zwischen 2 Routen entscheiden. Die schnellere Route führt entlang der Hauptstrasse nach Vidin, die 2. Route geht den kleinen Dörfern und teilweise der Donau entlang. Wir entscheiden uns für Variante 2, denn schliesslich sind wir ja auch hier, um etwas zu sehen, nicht nur Autos, die an uns vorbeiflitzen. Und Zeit haben wir ja genug für die rund 85km-Strecke. Obwohl, die Karte zeigt auch einen längeren Abschnitt an, welcher als nicht asphaltierte Strasse in schlechtem Zustand taxiert ist. Das soll uns nicht davon abhalten! Und genau dieser Abschnitt ist es dann, der uns doch etliche Mühe bereitet: ein “romantischer Strandspaziergang” auf Kies und Sand, mit unseren Fahrrädern nicht zu befahren, und das hin und zurück, da der Weg ins Nirvana führt; mein erster Sturz im weichen Untergrund, das Hinterrad schert aus und ich kippe auf die Seite; Waldweg mit viel dornigem Gestrüpp, welches Markus immer wieder mit dem Sackmesser abschneiden muss (Pfadigefühl pur), Fahrrad einen Hang hinaufschieben und zu guter Letzt müssen wir das Fahrrad durch einen Graben auf die andere Seite bringen. Markus lost das mit viel Schwung und Eleganz! Das war echt mühsam, aber wir müssen uns auch eingestehen, dass wir dies ja alles freiwillig machen!! Da ist jammern fehl am Platz! Auf dem letzten Streckenabschnitt treffen wir einen einheimischen Biker, der leider auf seiner Tour etwas Pech hatte, sein Wechsel ist gebrochen, so dass er die letzten km noch zu Fuss machen musste. Wir unterhalten uns mit ihm. Die letzten km bis nach Vidin mit starkem Seiten-/Gegenwind runden den Tag ab. Wie üblich beginnt dann die Suche nach dem Restaurant, einem Bankomaten usw. Und was gibt es wohl zum Znacht? Auf alle Fälle hat der Merlot gut geschmeckt.

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Kommentare: 2
  • #1

    Christine Hampl (Montag, 17 April 2017 19:40)

    Hallo ihr zwei

    sogar noch unterwegs bereit für eine gute Tat, das lass ich mir gefallen so kenne ich meinen Nachbarn. Toll was ihr schon geleistet und erlebt habt und bisher alles gut geklappt. Liebe Grüsse aus der Heimat alles i.O., Chrisitne und Siggi

  • #2

    Beatrix (Dienstag, 18 April 2017 08:26)

    Hoi zäme
    Ich bewundre euer Durchhaltevermögen! Vom Sofa aus verfolge auch ich euren Reisebericht sehr interessiert. Es tönt sehr abwechslungsreich und spannend. Wenn ich unterwegs bin, schmerzt mich schon nach 25 km der Hintern. Wie macht ihr das mit euren Sitzknochen? Gibt es ein Wundermittel?
    Weiterhin eine erlebnisreiche, unfallfreie Fahrt wünscht euch Beatrix