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Bulgarien - Rumänien- Bulgarien

In Vidin verbringen wir unseren Ruhetag. Viel zu tun gibt es nicht, die Wäsche können wir zum Waschen geben. Welche Wohltat nach so vielen Malen wie wir die Wäsche schon von Hand gewaschen haben. Die Stadtbesichtigung nimmt nicht viel Zeit in Anspruch. Zudem ist es kalt und regnerisch. Wir genehmigen uns einen guten Cappuccino im Cafe Corner, lesen, schreiben, planen - das übliche halt.

Und seither sind wir schon wieder 4 Tage unterwegs gewesen, entsprechend viel haben wir wieder erlebt.Das Wetter ist nicht berauschend, es sieht so aus als ob die Kaltfront, die euch in der Schweiz Schnee gebracht hat, nun auch Osteuropa erreicht hat. Wir ziehen wieder alle unser warmen Kleider an und fahren los. Vor uns liegt eine Tagesetappe von gut 100 km und 440 Höhenmetern um Kozloduy zu erreichen. Der Strassenbelag der einen Steigung nach Lom besteht aus Pflastersteinen, es kommt uns so vor, als ob wir die Tremola fahren! Ein älterer Mann überholt uns mit seinem Velo, als wir einen kurzen “Bananenstopp” machen. Er hält an und beginnt mit uns zu plaudern. Auch wenn wir beide nicht die gleiche Sprache sprechen, wir konnten uns das eine odere ander mitteilen. Nach vielen Äckern, Rapsfeldern und kleinen Dörfern erreichen wir Kozloduy. Den Abend beenden wir mit einem Glas Cyclo-Rotwein, passend zu uns!

Geistig waren wir für den Mittwoch gewappnet: Regen, starker Gegenwind und 88 km inkl. Donauüberquerung mit der Fähre, Grenzübergang nach Rumänien, holprige und löchrige Strassen, genau die Bedingungen, von denen wir lieber nur träumen. Für uns war es Realität! Ist das einer der ersten Härtetests? Dann haben wir ihn bestanden☺☺

 

Die Fährleute hatten Erbarmen mit uns und haben uns in ihr beheiztes Kabäuschen gelassen. Ein wenig aufwärmen tut gut. Der Gegenwind blieb den ganzen Tag konstant, wir haben die Kilometer bis zum Hotel gezählt! Wir freuten uns schon aufs Zimmer doch dann kam die Ernüchterung. Es scheint, dass wir die ersten Gäste dieser Saison waren. Im Bad roch es aus dem Siphon, das ginge ja noch, die Türe kann man schliessen. Das Wasser zum Duschen war lauwarm, aber am schlimmsten war das eiskalte Zimmer und das eiskalte Restaurant. Zum ersten Mal haben wir unsere neuen Daunenschlafsäcke ausgepackt und ausprobiert. Wir sind mit unserem Kauf happy, gefroren haben wir in der Nacht zumindest nicht!

Die Temperaturen am Donnerstag waren weiterhin kalt, aber immerhin war Rückenwind angesagt. Und dann kam der Aufsteller des Tages: beim hinausfahren aus Corabia hielt ich nochmals kurz an, um meine Goretex Jacke anzuziehen, da mir kalt war. Und während ich mich bereit mache, kommt ein Mann auf mich zu, der gerade einen Fliederstrauss geschnitten hatte und schenkt mir diesen einfach so. Eine wunderbare herzliche Geste! Ich klemme ihn auf den Gepäckträger und kann so den ganzen Tag wieder den guten Fliederduft einatmen.

 

Nach etlichen Kilometern Fahrt kommen uns ebenfalls “ältere Radler” entgegen. Wir halten an und unterhalten uns eine Weile am Strassenrand, denn weit und breit ist kein Kaffee in Sicht. Schade. Denn an Erzählstoff mangelte es nicht. Wenn wir durch die Dörfer fahren, halten uns die Kinder zum Gruss ihre Hand hin, für ein “give me five”. Sie renne dafür über die Strasse oder lassen ihre Fahrräder fallen. Auch die Erwachsenen rufen uns immer wieder einen Gruss zu, speziell auch die Frauen, die vor ihrem Haus auf der Bank sitzen und sich mit den Nachbarn unterhalten.

 

Der   Donnerstag schien ein Tag der Begegnungen zu sein. Beim Einfahren in Zimnicea, unserem Etappenziel treffen wir auf Karl den Radler, der schon etliche Monate unterwegs ist und beim Nachtessen gesellt sich ein weiterer Radfahrer zu uns. Und das Hotelzimmer ist WARM….

Der heutige Tag war geprägt von Eindrücken des Alltags in Rumänien: vorbeifahrende Eselkarren, Metzgete einer Sau, die Weite des Landes mit Felder, Alleen, klappernde Störche... Nach einer weitern Donauüberquerung mit dem Velo sind wir wieder in Bulgarien, der Stadt Ruse.

 

Und das Sauwetter hat es in sich: ich habe mir eine schöne Erkältung eingefangen mit Halsschmerzen, Schnupfen und Husten. 

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Kommentare: 3
  • #1

    Christine Diemand (Sonntag, 23 April 2017 17:17)

    Liebes Schwesterherz
    Welch wunderschöner Fliederstrauss! Du siehst trotz Regenwetter blendend aus.
    Der Schnupfen wird Dich sicher nicht unterkriegen! Pass dennoch gut auf Dich auf und geniesse Eure weiteren Abenteuer.
    Ganz liebe Grüsse aus der sonnigen und etwas kühlen Schweiz von
    Christine

  • #2

    Markus (Sonntag, 23 April 2017 17:25)

    Hoi zäme
    Ich lese Eure spannenden Berichte mit grossem Interesse und verfolge im Atlas täglich Euer Vorwärtskommen. Ich bewundere Euren Pfupf und Durchhaltewillen. Ich bin einen grossen Teil Eurer bisherigen Strecke schon per Bus gefahren, und selbst das ist anstrengend. Das eher mühsame Wetter (und einige wohl eher mühsame Teilstrecken ohne viel Abwechslung) habt Ihr ja jetzt dann vorerst hinter Euch! Viel Glück und ich freue mich auf den Nachtrag der Statistik! Velogrüsse von Markus aus Mettmenstetten

  • #3

    Rita (Mittwoch, 26 April 2017 10:40)

    Liebe Marie-Claire, lieber Markus.
    Ich wünsche dir gute Besserung. Vielleicht ist nun ein doppelter freier Tag angesagt.
    Wenn ich hinausschaue, sehe ich halbe Leintücher vom Himmel fallen und hoffe sehr, bei euch übertreibt der April nicht dermassen mit seiner Eigenwilligkeit.
    Unglaubliche 3000 km seid ihr jetzt schon gefahren. Was für eine grossartige Leistung.
    Ich wünsche euch eine angenehm warme Weiterfahrt.
    Herzliche Grüsse
    Rita