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Burgas-Türkei

Mein Zahnarztbesuch war kurz und schmerzlos, und vor allem kann ich wieder richtig gut zubeissen. Den zusätzlichen Freitag nutztn wir zum Ausruhen, denn die Strecke bis zur türkischen Grenze versprach anspruchsvoll zu werden. Gerne wären wir der Küste des schwarzen Meeres bis in die Türkei gefolgt. Da gibt es aber keinen Grenzübergang, die Strasse auf der bulgarischen Seite hört kurz vor der Grenze auf. Schade. Wir haben nur die eine Möglichkeit, den Weg über Malko Tarnovo. Dieser führt über diverse Hügel, durch viele Wälder, einen Nationalpark, wir sind immer im Grünen. Ortschaften gibt es kaum mehr. Dafür absolvieren wir unser erstes Höhenmeter Training: 954 hm und 83 km. Das mag jetzt nicht gerade nach viel tönen. Für eine normale Tagestour ohne Gepäck ist das gut zu bewältigen. Uns fehlte bis jetzt die Erfahrung, eine solche Route mit beladenem Velo zu fahren. Und siehe da, das Training der letzten Wochen hat sich ausgezahlt, wir haben auch das geschafft. Diese Erkenntnis war für uns wichtig, stehen ab jetzt viele Bergetappen vor uns. Am späteren Nachmittag treffen wir im Motel, 6km von der türkischen Grenze entfernt, ein. Wir sind überrascht über die Gösse des Motels mit riesigem Swimmingpool. Wer übernachtet denn hier in der Pampa? Wir erfahren dann, dass der Besitzer der erst vor kurzem gewählte Vizepräsident ist. Er hat vor einigen Jahren das Motel gekauft und renoviert. Es sind vor allem Armeeangehörige, die hier übernachten… Entsprechend steht der Vizepräsident nun wegen Interessenkonflikten in der Kritik. Ist das nicht gerade auch anderswo ein Thema?

 

Der nächst Morgen beginnt mit einem Anstieg bis zur türkischen Grenze. Der Grenzübertritt verläuft reibungslos. Wow! Wir sind in der Türkei! Welch spezielles Gefühl, wir können es selbst noch nicht richtig realisieren, was wir bis jetzt geschafft haben.

 

Was uns dann erwartet, hätten wir uns nicht ausmalen können: eine vierspurige neue Strasse ohne Verkehr! Wir geniessen diese stressfreie Fahrt in vollen Zügen. Im ersten Ort halten wir an und trinken unseren ersten çay und und ayran. Schmeckt wunderbar! Diese beiden Getränke werden wir die nächsten Wochen noch häufig trinken. Wir treffen schon am früheren Nachmittag in Kirklareli ein. Die Gegensätze zu Bulgarien könnten nicht grösser sein: die Stadt lebt, pulsiert, viele Leute sind unterwegs. Ein Laden reiht sich an den andern an, sei es ein Gemüseladen, Kleiderladen, Schuhladen, Haushaltswaren….  es hat Teehäuser (nur für Männer), Kaffees, Restaurants in Hülle und Fülle. Da kann man so richtig durch die Strassen flanieren und die Eindrücke wirken lassen. Das Nachtessen geniessen wir in einem einheimischen Lokal: es schmeckt lecker. Mit den vielen Gemüsegerichten, den diversen Meze werde auch ich auf meine Rechnung kommen, Fleischgerichte für Markus gibt es eh in Hülle und Fülle. Und der Wirt spendiert uns nach dem Essen noch einen çay! Eine nette Geste.

 

Die nächste Etappe führt über Saray (eine Übernachtung) nach Silivri am Marmarameer. Unterwegs treffen wir den Amerikaner mit seinem “Hochvelo”. Wie unter Fahrradfahrern mit Gepäck üblich, halten wir an, plauder, geben gegenseitig Tips und berichten über alles mögliche. Dabei erfahren von den beiden Franzosen, die nur wenige km vor uns unterwegs sind, und welche wir am nächsten Tag dann auch tatsächlich treffen.

Schlau wie wir sind, haben wir die Route so gewählt, dass wir möglichst auf  Nebenstrassen fahren, denn der Verkehr auf den Hauptverkehrsachsen hat merklich zugenommen. Was auf der Karte aber nicht ersichtlich ist (auch auf google maps nicht), ist das Kieswerk, das sich auf unserer Strecke befindet. Und so donnern die 40Tönner an uns vorbei… Ausnahmsweise sind wir froh, wenn es bergauf geht, denn dann verlangsamen die Lastwagen zwangsweise ihr Tempo! Auch wir kriechen im Schneckentempo die Hügel rauf, sind etliche Teilstrecken doch extrem steil. Aber trampen ist immer noch besser als unser Gefährt hochzustossen. Und so gelangen wir ans Marmarameer, geniessen das Abendessen mit Blick aufs Meer.

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