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Fahrt nach Istanbul

Diese Fahrt ist ein Blogeintrag für sich Wert. Uns steht eine Fahrt von gut 80km in die ca 15Mio Einwohner zählende Stadt bevor. Ein etwas mulmiges Gefühl haben wir schon, als wir uns am Sonntagmorgen auf die Fahrt begeben. Wir schauen uns die Strassenkarte nochmals an um alternative Routen zu den 4- bzw. 6-spurigen Strassen zu finden. Und die gibt es, zumindest teilweise, schon. Wir fahren lieber etwas weiter, dafür etwas stressfreier. Und so kommt es, dass wir in einem schönen Park entlang dem Marmarameer fahren, als wir an einem Restaurant vorbeifahren. Da sitzt eine einheimische Velogruppe von Avcilar beim Sonntagsfrühstück. Sie winken uns und laden uns ein, sich zu ihnen zu gesellen. Wir nutzen die Gelegenheit gerne, uns mit Einheimischen zu unterhalten, Fotos zu machen und einen çay zu trinken. Der Kontakt zu Einheimischen soll ja ein wichtiger Teil unserer Reise sein. A propos Einheimische, alle leben in der Türkei, aber die Truppe bestand auch aus Bulgaren, Albanern, Kasachen… Im Verlauf des Tages treffen wir den einen Velofahrer wieder in Istanbul, ein anderer hupt und winkt aus dem Auto, als er an uns vorbeifährt….einfach schön, diese Begegnungen😊

Nach dieser Pause fahren wir gestärkt los, um gleich die nächste Überraschung zu erleben: vor uns sehen wir eine steile Strasse, die es zu überwinden gilt. Die kommt locker an die Steile Strasse von San Francisco heran, einfach ohne Kurven. Und da sollen wir hochkommen? Nach etwa ¾ der Strecke gebe ich auf, meine Beine zittern, Markus mag ein Stück weiter trampen, steigt dann aber ebenfalls ab. Kaum haben wir angehalten, erkundigt sich bereits ein junger Mann, ob wir etwas benötigen. Er bot uns an, Wasser zu holen oder kurz bei ihm einen Halt zu machen. Wir haben dankend abgelehnt, denn vor uns lag ja noch ein weiter Weg. Den letzten Teil schieben wir das Fahrrad. 

Auch wenn wir möglichst Umgehungsstrassen fahren, um die breiten mehrspurigen Strassen kommen wir nicht herum. Solange keine Zufahrt oder Abfahrt kommt, lässt es sich soweit gut fahren, das schnelle Vorbeifahren der Autos und der ständige Lärmpegel ist aber gewöhnungsbedürftig. Bei Kreuzungen und Abzweigungen ist volle Konzentration gefragt, aus welcher Richtung kommt welches Fahrzeug? Schneiden sie uns den Weg ab oder machen sie einen grossen Bogen um uns? Und wer von euch ist schon mit dem Fahrrad zwischen Autobussen, Lastwagen und Autos im Stau gestanden? Mit unseren Fahrzeugen konnten wir uns zumindest teilweise durchschlängeln, aber mit de Satteltaschen auf der Seite war das nicht immer möglich. Wohlverstanden: wir sprechen von 6-10 spurigen Strassen….

Und dann fahren wir in Istanbul ein. (Leider haben wir keine Ortstafel gesehen). Wir sehen erste grosse Einkaufszentren, riesige Eventhallen, unmengen von Menschen. Wunderschöne Parks entlang dem Meer mit einem Rasen, von dem wir zu Hause nur zu träumen wage. Und da es Sonntag war, waren viele Familien in den Parks. Sie haben ihre Teppiche und Tücher am Boden ausgebreitet, ihren Grill aufgestellt (auch auf den Velowegen…), ihre verschiedenen Gerichte aufgetischt. Manche liessen ihre Musik in voller Lautstärke laufen. Ein herrliches Bild. Als letztes sind wir beim Fussballstadion vorbeigefahren. So etwas habe ich noch nie erlebt: am Abend fand das Spiel Beşiktaş-Fenerbahçe statt, die abertausenden von Fans waren unterwegs zum Stadion, alle im richtigen Dress gekleidet. Es wurde gesungen, getrommelt, Petarden knallten, die Strasse war für den Verkehr nur noch schwierig passierbar…(auch für uns).

Nach einem ereignisreichen und sehr eindrücklichen Tag kommen wir in unserem Hotel mit Blick auf den Bosporus und die Brücke, die Europa mit Asien verbindet, an. Markus und ich können es immer noch nicht richtig fassen, dass wir die Strecke bis hierher mit dem Fahrrad gefahren sind. Nun geniessen wir zuerst einige Tage in Istanbul, bevor die Reise weitergeht.

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Arndt Wagner (Dienstag, 09 Mai 2017 11:01)

    Hallo Ihr Zwei
    Nun habt Ihr Europa bereits hinter euch gelassen und seid einen grossen Schritt weiter in euer Abenteuer hinein geradelt. Zum Glück unfallfrei. Ich wünsche euch weiterhin eine gute Fahrt und viele tolle Begegnungen.
    Liebe Grüsse
    Arndt

  • #2

    Heinz & Ruth (Donnerstag, 11 Mai 2017 11:43)

    Hallo ihr Lieben
    Ich hänge immer wieder auf eurem Blog und beneide euch!! Merci für die Berichterstattung und die tollen Bilder so können auch wir in Frankreich virtuell mitfahren. Weiterhin gute und unfallfreie Fahrt Richtung Osten.
    Äs liebs Grüessli uns Travanet
    RuHe

  • #3

    Elisabeth Elster (Dienstag, 30 Mai 2017 08:41)

    Lieber Globetrotter! Wie ihr euch vielleicht noch erinnern könnt, haben wir in Grein an der Donau ein gemütliches Frühstück zusammen verbracht und dabei sehr interessant geplaudert. Ich verfolge von Zeit zu Zeit eure Route und eure Erlebnisse und wünsche euch weiterhin eine spannende, unfallfreie Fahrt und viele schöne Erlebnisse. Alles Gute und lG aus Wien Elisabeth und Paul