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Kerpe - Gerede

Von Kerpe sind wir weiter der Schwarzmeerküste entlang nach Akçakoca gefahren. Fast ganz alleine ohne Verkehr sind wir durch unbeschreiblich schöne Landschaft gefahren. Die Dünenlanschaft wechselte ab mit kleinen Bauerndörfern, grünen Feldern, Teichen mit quakenden Fröschen, kleinen Flussmündungen. Wir konnten die Fahrt einfach geniessen. Unterwegs machten wir einen Fotostop um zwei Männern beim Schafscheren zuzuschauen. Kühen treffen wir an ganz unerwarteten Orten: nahe am Meer im Sand, auf dem Trennstreifen zweier Autospuren, grundsätzlich dem Strassenrand entlang… und die Schildkröten überqueren in aller Gemütsruhe die Strasse und lassen sich weder durch Autos noch uns aus der Ruhe bringen. In Akçakoca ist es wieder einmal soweit, wir haben den nächsten Tausender auf dem Kilometerzähler. Inzwischen sind es bereist 4000km! Markus und ich finden es auch zum 4. Mal wert, anzuhalten und dieses Ereignis fotografisch festzuhalten. Zum Schlafen kommen wir heute etwas später. Wir haben zwischenzeitlich festgestellt, dass in den Hotels kleinere Gruppen ihre privaten Parties mit Musik, Tanz und Essen abhalten. Basstöne lassen grüssen!

Die nächsten beiden Tage, Fahrt nach Düzce und Bolu sind nicht berauschend. Wir fahren entlang einer stark befahrenen Strasse, das Wetter ist wieder schlechter und vor allem kälter. Die beiden Städte bieten nichts besonderes. 1999 war vor allem Düzce stark von einem Erdbeben betroffen. Ein Grossteil der Stadt wurde damals zerstört. Zwischenzeitlich ist die Stadt wieder aufgebaut, gleichzeitig wurde sie auch ausgebaut. Nach wie vor sind unzählige Neubauten am entstehen. Wir sind überrascht, wie grosszügig und breit die Strassen und Plätze sind. Mit Bolu verhält es sich ähnlich. Immerhin hat es hier etwas mehr Leben, einige schöne Kaffees und eine Einkaufsstrasse. Bolu ist hauptsächlich Ausganspunkt für die umliegenden Naturparks mit Bergseen. Im Herbst, mit den Herbstfarben sieht es hier gemäss Bildern traumhaft aus! Aber wir sind ja nicht zum Wandern hier, und wenn es in den Bergen grau und regnerisch ist, ist es überall gleich trostlos.

 

In Bolu verbringen wir unseren velofreien Tag. Zum ersten Mal auf unserer Reise sind wir beide nicht motiviert, haben den ersten Durchhänger. Das eher mässige Abendessen konnten wir uns nicht mal mit einem Glas Rotwein aufpeppen. Wir mussten uns mit Wasser begnügen!

Wir nutzen den freien Tag für einen Coiffeurbesuch, den Einkauf eines Sweatshirts für Markus und vor allem für die weitere Routenplanung. Wir sind zwischenzeiltich auf ca. 1000 müM in einer weniger frequntierten Region. Zum Zelten haben wir bei diesen Temperaturen definitv noch keine Lust. Also gilt es, Tagesetappen zu planen, so dass wir es bis zum nächsten Ort mit Hotel schaffen. Das ist gar nicht so trivial wie es scheint.

 

Heute, Donnerstag 18.5. sind wir wieder frohgemut losgeradelt. Wir wähnten uns teilweise in der Schweiz: Autobahn Richtung Gotthard aber ohne Verkehr, Urnerboden, irgendwelche Alp, wolkenverhangene Berge, die Fahrt war schön. In Gerede angekommen, fahren wir durch die Kleinstadt, Richtung Hotel, als ein Auto neben uns anhält und der Fahrer uns auf englisch anspricht, ob er uns behilflich sein kann. Wir lehnen dankend ab, da wir dank Google Maps wissen, wie wir zum Hotel gelangen. Ayden bietet uns aber an, später zusammen einen Tee zu trinken. Zudem möchte er uns die Schule zeigen, in welcher er unterrichtet. Dieses Angebot nehmen wir gerne an, ist dies eine der Möglichkeiten, etwas mehr über Land und Leute zu erfahren.

 

Ayden holt uns am späteren Nachmittag im Hotel ab und bringt uns zum Schulgelände. Als erstes werden wir dem Direktor der Schule vorgestellt, trinken in seinem Büro einen türkischen Kaffe und unterhalten uns über die Schule und allgemeine Themen. Danach besichtigen wir das Schulgelände.

Anschliessend führt uns Ayden mit seinem Auto durch die Stadt. Wir erfahren und sehen, dass Gerede Zentrum für die Lederaufbereitung ist, aus welchem dann die Lederkleider und  Accessoires genäht werden. En weiterer Abstecher führt uns auf den nahe gelegenen Berg, welcher im Winter zum Schifahren (1 Schilift) und Langlaufen genutzt wird und im Sommer Naherholungsgebiet mit vielen schönen Picknickstellen ist. Ohne unseren “privaten Guide” hätten wir dies definitv nicht gesehen. Ein herzliches Dankeschön an Ayden!