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Gerede - Amasya

Die Fahrt führt über Çerkes, Ilgaz, Tosya, Omançik nach Amasya. Wir bewegen uns zwischen 400 und 1300 müM. Entsprechend abwechslungsreich ist die Lanschaft: immense Hochebenen mit Frühlingsblumen, Obstbäume (Kirschen, Aprikosen, Pfirsiche), Getreide- und Reisfelder geben ein immer wieder anderes Bild. Dazu kommen die Hügelzüge mit unterschiedlichen Felsformationen. Wir erfreuen uns an dieser Vielfalt. Uns fällt sogar das Hochfahren leicht, werden wir doch immer wieder durch Naturschönheiten abgelenkt. Das Fotografieren nimmt auch immer wieder Zeit in Anspruch. Kaum sind wir nach einem kurzen Halt losgefahren, müssen wir schon wieder anhalten, weil wir ein weiteres Foto Sujet gefunden haben. Etliche Bewohner trifft man aktuell auf den Feldern. Die Vorbereitung und Aussaat in den Reisfeldern ist dieses Jahr verspätet. Normalerweise starten sie damit bereits im März, doch auch hier war der Winter länger als üblich. Interessanterweise aber sind die Kirschen bereits reif, wir haben sie gekostet. Sie schmecken herrlich.     

Die Ankunft in Çerkes ist ernüchternd! Es regnet, die holprigen Strassen strotzen vor Sand und Erde und das einzige Hotel sieht von Aussen nicht gerade erbaulich aus. Immerhin, das Zimmer ist o.k. und ist vor allem sauber. Wir haben gerade genug Platz für unser Gepäck, gross bewegen können wir uns nicht. Zudem sind wir auf der Seite des Hotels einquartiert, auf welcher die Heizung nicht funktioniert. Gottlob haben wir warme Kleider dabei. Mit unseren Daunenjacken liegen wir auf dem Bett und lesen. Wir unternehmen trotzdem einen kleinen Rundgang durch das Dorf und wärmen uns in einem Lokanta bei einem Çay auf. Genau solche Eindrücke sind das Spannende am Reisen.

 

In Osmançik übernachten wir in einem Tankstellen-Hotel an der Hauptverkehrsachse. Viele Alternativen gibt es nicht.Als wir mit unseren Fahrrädern vorfahren, werden wir herzlich begrüsst. Die lokalen Journalisten hatten zusammen mit vertretern und -vertreterinnen der Stadtverwaltung sowie einigen Polizisten einen kleinen Anlass und hatten im Restaurant gegessen. Sie waren neugierig zu erfahren, was wir machen. Dank den guten Deutschkenntnissen des Hotelbesitzers konnten wir uns doch etwas austauschen. Und kurz darauf werden wir noch von einer Reisegruppe in Beschlag genommen, die auf  einer Rundreise war. Darunter ist auch ein Schweizer, der vor einigen Jahren in die Türkei ausgewandert ist. Welcher Zufall.  Fotoshooting gehört wie immer dazu, für uns sind es schöne Erinnerungen😊

 

Aus 2 mach 1, das war unser Motto vom Dienstag, 23.5.2017. Geplant war eine Etappe bis Merzifon. Wir kamen aber gut voran und waren bereits kurz vor 13.00 da. Was sollten wir mit dem angebrochenen Tag noch machen? Kurzentschlossen entschieden wir, die 50 km bis nach Amasya auch gleich noch zu fahren. Das Höhenprofil verhiess mehrheitlich eine Abfahrt mit nur einem kleinen Anstieg. Womit wir nicht gerechnet hatten war der plötzlich auftretende Fallwind (ähnlich wie de Föhn), der böenartig von der Seite wehte. Wir beiden hatten Mühe, das Fahrrad in der Spur zu halten, und anstatt das Rad einfach rollen zu lassen, war einmal mehr trampen angesagt.

 

Amasya ist eine wunderschöne Stadt, umgeben von Bergen, an einem Fluss gelegen. Bezeichnend sind die alten Häuser mit ihren Erkern, Konas genannt. In einem solchen übernachten wir auch, mit Blick auf den Fluss. Geschichtlich ist die Stadt am Flusslauf des Yeşilimak bereits seit dem 3. Jh vCh bekannt. Ob der Grundstein für die hoch über der Stadt gelegenen Zitadelle bereits früher gelegt wurde, ist nicht bekannt. Amasia stieg im 13. Jh zu einer blühenden Stadt auf, die sogar mit Bagdad verglichen wurde. Daneben gibt es auch Felsengräber aus dem 3./2. Jh vCh zu besichtigen. Am Abend wird die ganze Altstadt sowie die Gräber und Zitadelle in allen Farben beleuchtet. Richtig kitschig schön.

 

Hier verbringen wir 3 Tage. Grund dafür ist, dass unsere Pässe mit den genehmigten Visa hierher geschickt werden. Wider erwarten kamen diese schon nach 1 ½ Tagen an; Super! Nun steht  unserer Weiterreise in die nächsten Länder nichts mehr im Weg.

 

Bei uns kommt hier in Amasya fast so etwas wie Feriengefühl auf! Endlich ist es mal wieder warm, wir haben kein Programm, hängen ein bisschen herum, machen Sightseeing, lesen, Markus lernt fleissig türkisch. Zur Abwechslung ist er im türkischen besser als ich!