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Amasya - Niksar

Bereits sind wir wieder 3 Tagesetappen von Amasya entfernt. Es ist unglaublich, wie schnell die Zeit vergeht.

 

Die Weiterfahrt nach der Pause starten wir mit Muskelkater und einmal mehr kaltem und regnerischem Wetter. Wer hätte gedacht, dass uns das Sightseeing von Amasya so zusetzt. Zugegeben, wir sind viele Treppen hoch und runter, um die Felsengräber und die Zitadelle anzuschauen. Es sieht aber auch so aus, dass wir etwas einseitig trainieren….

 

Am Samstag, unterwegs nach Turhal entschieden wir, einen kleinen Umweg zu fahren, um endlich die erste Karawanserei auf unserer Strecke anzuschauen. Wir folgten brav den Schildern, fanden sie auch um dann festzustellen, dass sie geschlossen ist. Wirklich schade, denn die Bilder, die wir gesehen hatten, waren schön😞

Turhal selbst bot nichts Besonderes, zudem war es kalt und regnerisch. Wir haben den Rest des Tages mehrheitlich mit Lesen im Hotel verbracht. Es muss ja nicht immer Action angesagt sein. Das müssen wir beide aber noch lernen: bis jetzt war immer etwas los, die Landschaft war sehr abwechslungsreich - dass es mal eine Strecke geben könnte, die nicht so viel ”bietet”, das haben wir einfach ausgeblendet. Wir haben uns schon die Frage gestellt: War’das jetzt?

 

Natürlich werden wir eines besseren belehrt. Die Stadt Tokat liegt wie Amasya am Fluss umgeben von Bergen, mit Zitadelle, Karawanserei, schönen Hamams, kleinen Gassen und Konas. Seit anfang des 20.Jh der Karawanenhandel niederging, hat die Stadt aber stark an Bedeutung verloren. Touristen sieht man nur wenige. Die kurze Stadtbesichtigung hat sich gelohnt. Am Abend gab es noch ein riesiges Hupkonzert sowie einen Umzug von Beşiktas -Fussballfans. Sie haben einmal mehr gewonnen.

Heute Montag, 29.5. hatten wir keine anspruchsvolle Strecke zu fahren. Die 400 Höhenmeter habe wir locker geschafft. Kurzentschlossen haben wir uns einen schönen Platz in einer kleinen Waldlichtung ausgesucht und haben eine kleine Siesta genossen, bevor die Talfahrt nach Niksar begann. Die Fahrt in dieses breite unendlich weite Tal war traumhaft. Kurz vor der Ankunft in der Stadt hören wir ein Hallo, sehen Hände die uns zuwinken. 5 spanische Radreisende (2 in Richtung Europa, 3 nach China unterwegs wie wir) sitzen unter Bäumen im Gras beim Picknick und laden uns ein, sich zu ihnen zu gesellen. Dieses Angebot schlagen wir natürlich nicht aus. Es gibt viel zu beichten, Tipps, Infos und Adressen werden ausgetauscht, Fotos gemacht, es war richtig gemütlich. Und so ging jedes Grüppchen seinen Weg weiter.

 

Letzten Samstag begann der Ramadan. Seither sind die Einladungen zum Çay etwas weniger geworden. Schade, wir haben uns bereits an die kleinen Pausen mit Einheimischen bei einem Glas Tee gewöhnt. Auch die beiden letzten Abende war beim Nachtessen nicht viel los. Umso überraschter waren wir heute. Wir sind kurz nach Sonnenuntergang auf die Suche nach einem Restaurant gegangen.Wie immer googeln wir vorher und schauen, wo wir etwas essen könnten. Als wir im Restaurant ankommen trauen wir unseren Augen nicht: das Restaurant ist voll besetzt, sie finden gerade noch einen Platz für uns. Der Service ist ausgezeichnet, das Essen wird serviert, und innerhalb einer Viertelstunde ist das Restaurant wieder leer… nichts von gemütlich sitzen bleiben bei einem Glas Wein. Mal abgesehen vom Glas Wein, hier scheint es nicht üblich zu sein, lange sitzen zu bleiben, ausser es gibt Unterhaltung wie z.B. Livemusik. Daran haben wir uns noch nicht gewöhnt.