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Niksar - Erzurum

Etliche anstrengende Tage liegen hinter uns, ich hatte schlichtweg keine Zeit, einen Blog zu verfassen! Auch das kann es auf einer Reise geben.

 

Die Strecke von Niksar bis Erzurum ist landschaftlich sehr abwechslungsreich und atemberaubend schön. Hochplateaus wechslen sich ab mit Schluchten und Tälern, mit Bergen und Pässen, unterschiedeldichen Bergformationen und -farben. Auch die schneebedeckten Bergspitzen sind zu sehen. Dazu der blaue Himel, einige Wolken im Hintergrund, intensives Grün (Jahreszeit sei Dank), viele Frühlingsblumen. Gefühlt erlebenwir auf unserer Reise bereits mindestens den fünften Frühling, alles blüht und gedeiht. Besonders beeindruckend ist immer wieder aufs Neue diese unendliche Weite, einfach unbeschreiblich! Einzig die künstlichen Flussläufe und die Wasserkanäle sowie die neu gebaute Gaspipeline und die breiten Strassen (auch wenn für uns sehr komfortabel) stören diese wunderschönen Bilder. Wir sind den ganzen Tag im Kino und geniessen einen Film nach dem andern. Die Eindrücke sind so vielseitig, es ist schwierig, alles zu verarbeiten, alles ist neu und unbekannt. Gottlob helfen uns die Bilder, uns an dieses und jenes zu erinnern.

Resadiye ist bekannt für seine Thermen. Das haben wir erst nach der Ankunft erfahren. Selbstverständlich übernachten wir auch im Termal Hotel, nur dass die Pools noch leer waren, das Hotel noch nicht richtig für Gäste vorbereitet war. Immerhin hatten wir ein Bett und Frühstück.

 

Suseri war ein weiterer kleiner Ort, ohne Charme, einfach ein Dorf. Unser Hotel lag oben im Dorf, die Zufahrt war so steil, dass wir, nach einem anstrengenden Tag, das Fahrrad noch hochstossen mussten. Wir entschieden uns deshalb, gleich im Hotel das Nachtessen einzunehmen. Im Restaurant kamen wir uns etwas fehl am Platz vor. Wir wissen bis heute nicht, ob es nur das Essen für die Angestellten war oder nicht. Auf alle Fälle haben wir die Blicke auf uns gezogen. Es gab nur ein Menu, dazu noch ein vegetarisches! Gefüllte Auberginen und Zuchhetti, dazu Teigwaren mit Yoghurt. Markus hat das Gesicht verzogen. Es war definitv nicht nach seinem Gusto.

 

Beim Stopp in Refaiye haben wir Bekanntschaft mit Bumin Han gemacht. Er arbeitet als Englisch Übersetzer im Gaspipeline Projekt mit. Für uns war der Austausch mit ihm interessant und spannend. Vor allem konnten wir uns wieder einmal ohne Sprachschwierigkeiten unterhalten, was ein intensiveres Gespräch ermöglichte.  

 

Und dann kam er, der Aufstieg zum ersten richtigen Pass über 2000müM! Wir haben es geschafft. Welch gutes Gefühl! Beim Aufstieg waren wir zudem nicht einmal die einzigen Radreisenden. Ein junges spanisches Paar, Julia und Ben, haben sich ebenfalls abgestrampelt. Gegenseitig konnten wir das obligate Foto machen, diesmal ohne Selbstauslöser! Wir haben abgemacht, uns ind Erzurum wieder zu treffen.

Auf dem Berg war es zügig kalt. Für die Abfahrt haben wir uns warm angezogen. Welche Abfahrt das war. Bis nach Erzincan ging es 1000 Höhenmeter auf ca. 30km abwärts. Purer Genuss!

 

In Erzincan machen wir nach 7 Tagen velofahren wieder einmal Pause. Bei unserer Ankunft werden wir vor dem Hoteleingang, noch vor dem einchecken, auf schweizerdeutsch angesprochen. Diese Schweizer sind  halt überall anzutreffen. Hidir aus Thun verbringt seine Ferien in seinem Geburtsort. Er offeriert uns, am nächsten Tag die Umgebung von Erzincan zu zeigen, was wir natürlich sehr gerne annehmen. Er führt uns zuerst zu den Mineralquellen, dann zu den Wasserfällen und hoch in die Berge. Mit dem Auto fahren wir auf über 2500m hoch, alles auf Schotterstrassen. Mir war nicht immer ganz wohl dabei! Aber der Ausblick von hier oben hat uns voll entschädigt.

 

Hier oben sommern die Kurden mit ihren Schafherden, leben in Zelten, machen Käse, wie bei uns auf der Alp. Die Schafe werden mehrheitlich soweit es die Schotterstrassen erlauben, mit Lastwagen hochgefahren. Pilze gibt es auch zu finden, wenn man die Plätze kennt. Hidir hat sich auf Pilzsuche aufgemacht und wurde fündig. Er hat einige schöne grosse Pilze gefunden. Auf der Runterfahrt vom Berg haben wir noch einen Zwischenstopp in seinem Geburtshaus gemacht. Sein Bruder war dort und hat uns einen guten Cay offeriert. Das Nachtessen geniessen wir im Hotel, hier gibt es zur Abwechslung wieder einmal einen Schluck Wein. Markus und Hidir haben sich noch zwei Rake genehmigt! Das war dann doch ein bisschen viel auf einmal… Markus lag danach mehr Im Koma als dass er geschlafen hätte!

Merci Hidir für diesen herrlichen Tag!

Die nächsten beiden Tage bis Erzurum waren happig. 100km am ersten Tag mit Übernachtung in Tecan. Das Hotel war nicht gerade berauschend, es war zwar günstig (15 CHF das DZ) und soweit sauber, aber wir hatten diese grosse Schabe im Bad…. Daran werde ich mich wohl wieder gewöhnen müssen. Zum Frühstück gab es Suppe und Brot, nicht gerade mein Favorit, aber es gab genau ein Lokantesi, welches wegen des Ramadan offen hatte. Auswahl hatten wir somit keine.

 

Nach dem Frühstück fuhren wir los Richtung Erzurum, 93 km und 1200 Höhenmeter lagen vor uns. Das wäre ja noch o.k. gewesen, aber wir hatten während der ganzen Strecke Gegenwind, kaum Abfahrten, es ging nur hoch. Die letzten Kilometer vor Erzurum habe ich wirklich gezählt. Wir waren beide ziemlich erschöpft.  

Pfingsten haben wir somit mit Passfahren verbracht, aber nicht wie üblich mit dem Motorrad sondern mit dem Velo.

 

Erzurum ist bekannt als Schiort, schliesslich sind wir auf fast 1900müM, mitten in den Bergen. Hier hat es einige Schilifte und Bahnen. Regelmäsig finden auch Hockeyspiele und Curlingmeisterschaften statt.  

 

Am nächsten Morgen haben wir wie vereinbart, Ben und Julia zum Frühstück getroffen. Wir hatten ein ausgedehntes und gemütliches Frühstück, hatten uns viel zu erzählen. Sie werden bereits in den nächsten Tagen in den Iran einreisen. Markus und ich sind unserem Zeitplan etwas voraus. Deshalb haben wir noch die eine oder andere Zusatzschlaufe geplant. In dieser Region gibt es einiges an geschichtlichen Sehenswürdigkeiten zu sehen. Wir lassen uns überraschen.

 

Da wir ja genug Zeit haben, nutzen wir den Aufenthalt in Erzurum für erste Vorbereitungen für den Iran. Bargeld muss beschaftt werden (Euros und Dollars), da wir im Iran keine Kreditkarten oder Mastercards verwenden können. Das ist kein so leichtes unterfangen. Hier im Erzurum wimmelt es zwar von Banken, aber am Schalter konnten wir kein Geld wechseln. Wir wurden immer an den Automaten verwiesen. Dort sollten wir direkt Euros beziehen (mit einer zusätzlichen hohen Gebühr verbunden), oder dann Türkische Liras beziehen und diese in der Wechselstube wechseln. Auch das geht nicht so einfach, denn die Beträge, die am ATM bzogen werden können, sind limitiert. So einfach ist das Leben….

 

Für den Iran muss ich meine Garderobe anpassen. Ich habe mir bereits 2 langärmlige, fast knielange “Blusen” gekauft, die eine, welche ich über meine Velokleider anziehen werde, die 2. für den allgemeinen Gebrauch. Auch 2 Kopftücher sind zwischenzeitlich in meinem Besitz. Ich bin ready!

 

Auch furs Zelten haben wir uns gerüstet. Die geplanten Zusatzschleifen führen uns in weniger besiedelte Gebiete, zelten ist angesagt. Wir sind gespannt auf unsere erste Zeltnacht!

 

Und das habe ich beinahe vergessen! Wir haben bereits den 5000-sten Kilometer hinter uns! Juppiii!

 

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