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Erzurum - Yusufeli

Für diese Etappe benötigen wir 2 Tage. Distanzmässig ist es nicht sooo weit (ca140km), auch die Höhenmeter sind gut zu schaffen. Trotzdem benötigen wir für diese Strecke mehr Zeit als üblich. Wir sind schlichtweg überwältigt von der Schönheit und Vielfat der Natur, sodass wir laufend anhalten, staunen, fotografieren, wieder staunen, wieder fotografieren… es hört nicht auf. Wenn wir in diesen Canyons fahren, kommen wir uns wie Ameisen vor. Links und rechts von uns die steilen Bergwände, nur die Strasse und der Fluss schlängeln sich durchs Tal. Einmal mehr stellen wir fest, welches Glück wir haben, auf dieser Reise zu sein.

 

Speziell ist auch, dass wir zum ersten Mal auf unserer Reise zelten. Unterwegs kaufen wir Tomaten, Gurken, Joghurt, frische Früchte  und Brot sowie 5 Liter Wassser ein. Den Rest hatten wir uns bereits in Erzurum besorgt. Noch rechtzeitig vor dem Eindunkeln und einem sehr steilen Anstieg (die zusätzlichen 5 Liter Wasser machen sich bemerkbar) finden wir nach ca. 100km einen schönen Platz am Tortum See. Eigentlich ist dieser Platz auch als Camping Platz bezeichnet, aber es ist noch alles geschlossen. Wir halten trotzdem hier an. Wir suchen uns ein ideales Plätzchen mit Blick auf den See aus und stellen unser Zelt auf. Das Aufstellen nimmt seine Zeit in Anspruch, wir sind definitv noch nicht routiniert. Zu Hause haben wir das Zelt genau einmal im Garten aufgestellt um es auzuprobieren. Die Gebrauchsanweisung haben wir natürlich auch nicht mehr dabei. Wir erinnern uns aber noch, was wir zu Hause falsch gemacht hatten. So schaffen wir es in nützlicher Frist, dass unser “Hotel” für die Nacht steht und Luftmatten und Schlafsack im Zelt verstaut sind. Während Markus den Benzinkocher ausprobiert und auch zum Laufen bringt, bereite ich das Nachtessen vor. Der Menuplan ist einfach: Tomaten und Gurken, Tomatensuppe mit Nüdeli, Brot und zum Dessert einige Guetsli. Damit es noch etwas heimeliger wird, macht Markus ein Feuer. Es hat wunderbar geschmeckt, das Ambiente liess nichts zu wünschen übrig. Am Abend schien zudem noch der Mond, so richtig kitschig. Einziger Makel: es hatte zum ersten Mal viele Mücken.

In der Nacht wacht Markus auf – seine Luftmatte verliert Luft. Ziemlich verägert hat er um 02.00 Uhr ein Mail an Transa geschrieben und sich beschwert! (zwischenzeitlich haben wir Antwort erhalten – aber die Matte jetzt zurück zu bringen ist nicht gerade der Lösungsvorschlag, den wir umsetzen können!!)

 

Am nächsten Morgen brauchen wir etwas länger, bis wir bereit sind loszufahren. Die Handgriffe, bis alles wieder richtig zusammengepackt und verstaut ist, sind noch nicht intus.

 

Am frühen Nachmittag treffen wir in Yusufeli ein. Yusufeli selbst ist ein Ort mit ca. 8000 Einwohnern, nichts besonderes. Die Region ist aber vor allem auch wegen seinen Bergen, den Treckingtouren und den vielen georgischen Kirchen und Kirchenruinen bekannt. Leider wird es diesen Ort nicht mehr lange geben. Hier ist  einer der grössten Staudämme der Welt im Bau (1/5 des Stroms der Türkei soll künftig hier produziert werden). Yusufeli wird diesem Projekt zum Opfer fallen und überflutet werden. Die Einwohner werden umplaziert. Für Markus und mich ist es ein beklemmendes Gefühl, durch den Ort zu gehen, die Einwohner zu sehen, die hier wohnen, kaum Alternativen haben, nicht einfach ihr kleines Geschäft aufgeben und wegziehen können sondern warten müssen, was ihnen künftig vom Staat als Ersatz geboten wird.

 

Gestern Samstag haben wir einen Tagesausflug mit dem Velo und ohne Gepäck gemacht. Welch schönes Gefühl, mit einem leichten Fahrrad unterwegs zu sein! Wir sind von Yusufeli aus das Tal hinauf nach Altiparmak gefahren. Unterwegs hatte es relative viel Verkehr, grosse Lastwagen transportieren alles Mögliche wegen dem Staudammprojekt. Es ist eine recht staubige Angelegenheit.

 

In Altiparmak hat es ein kunsthistorisches Higlight (gemäss Reiseführer): eine dreischiffige Basilika aus dem 10. Jh, die Johannes dem Täufer geweiht war, welche später mit der Islamisierung auch als Moschee genutzt wurde. Nur leider konnten wir diese Basilika nicht besichtigen! Wie viele andere historische Bauten, welche wir auf unserer Reise besichtigt haben, wird diese Basilika aktuell restauriert, Zutritt verwehrt! Echt schade!

 

Die Rückfahrt nach Yusufeli ist einfach, es geht mehrheitlich bergab. Das wird Markus zum Verhängnis; auf einem schottigen Abschnitt verbremst er sich, das Hinterrad rutsch weg und Markus liegt am Boden! Ich erschrecke fast mehr als Markus. Der Sturz ist glimpflich abgelaufen: den Unterarm hat er sich zwar gehörig aufgeschürft, gebrochen oder verstaucht hat er gottlob nichts. Es hätte schlimmer ausgehen können.

 

Heute Sonntag wollten wir ursprünglich früh aufbrechen. Doch als der Wecker um 6.30 los ging hatten wir schlichtweg keine Lust aufzustehen und haben kurzentschlossen entschieden, einen Freitag einzuschalten. Da wir ja zeitlich sehr gut unterwegs sind, sind wir auch nicht in Eile.

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Kommentare: 1
  • #1

    Ruth (Montag, 12 Juni 2017 17:30)

    Uh.. da habt Ihr Beide nochmals Glück gehabt. Ich wünsche Markus gute Besserung, Schürfungen können ganz schön weh tun und sicher sind auch einige Blutergüsse vorhanden. Die Reise muss traumhaft sein, ich gönne es Euch Beiden von Herzen so viele schöne Erlebnisse zu haben. Nach einigen Wochen werdet Ihr dann auch noch richtige "Zeltler". Es ist doch herrlich in der Natur am Boden zu schlafen (allerdings braucht es schon eine gute Unterlage, hoffe dass du die im nächsten Ort ersetzen kannst oder wenigstens etwas ähnliches, doch nur schon all die Geräusche zu hören und am Morgen direkt vom Zelt in die Sonne zu schauen. Herrlich, würde am liebsten bei Euch sein. Es Grüessli Ruth