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Kars - Erics - Patnos

Wir haben Kars verlassen, mit Blick auf die frisch verschneiten Bergspitzen. In der Nacht hat es in Kars geregnet. Wenn wir hören, wie heiss es in der Schweiz ist, können wir uns das kaum vorstellen.

 

Eine unserer Zusatzschlaufen soll uns zum den Vansee führen. Der Vansee ist 7mal grosser als der Bodensee, ist zudem ein abflussloser See. Das Schmelzwasser das hineinfliesst, verdunstet während den heissen Sommermonaten.

 

Auf dem Weg dorthin passieren wir Sarikamis, eines der “Schiresorts” der Türkei mit drei Sesselliften, flachen Pisten, aber auch einigen guten Hotels. Andere Gäste empfehlen uns, im Winter hierher zu kommen, das Schigebiet sei super. Das können wir uns ja noch überlegen….Hier übernachten wir auch. Für einmal  können wir hier wieder einen Gin Tonic und Wein trinken. Welcher Genuss! Da geht das Trampen am nächsten Tag gleich viel besser!  

Wir passieren die Städte Horasan, Agri und Patnos, bis wir schliesslich in Ercis am Vansee ankommen. Unterwegs passiert nichts Spektakuläres. Wir radeln vor uns hin, geniessen die vielen farbigen Blumenfelder, passieren kleine Bauerndörfer, winken den Auto- und Lastwagenfahrern zu, die uns zuhupen. Einzig die Baustellen machen uns ab und zu Sorgen. Die Strasse ist dann teilweise so eng, dass es fast nicht möglich ist, dass uns ein Lastwagen überholen kann. Wenn immer möglich weichen wir dann auf die Strasse aus, die repariert wird. Mit dem Fahrrad ist es oft einfacher, dort zu fahren., auch wenn es holpriger ist. Dafür haben wir keinen Stress mit den andern Verkehrsteilnehmern. Zumindest haben wir das geglaubt: vor uns ist die leere Strasse, die repariert wird, wir haben sie ganz für uns allein. Welche Wohltat. Doch dann werden wir eines Besseren belehrt! Plötzlich flitzt ein Lastwagen mit Bauschutt mit einer Geschwindigkeit an uns vorbei, da sind die “normalen” Lastwagenfahrer direkt langsam! Wir erschrecken ziemlich, hatten wir doch nicht damit gerechnet. Ab sofort fahren wir ganz brav am Rand der Baustellenstrecke weiter. Schliesslich möchten wir ja nicht überfahren werden.

 

Am 5. Tag erreichen wir Ercis. Das Hotel liegt etwas ausserhalb, so dass wir beschliessen, zuerst durch die Stadt zu fahren und ein bisschen Sightseeing zu machen anstatt die Umfahrungsstrasse zu nehmen. Im Zentrum ist viel Betrieb, viele Bewohner sind unterwegs, es ist Markttag. Überall hören wir “Turistler”, wir scheinen wieder einmal die Attraktion zu sein. Wenn wir anhalten, bilden sich Trauben von Menschen um uns und wenn einer etwas englisch spricht, werden wir gleich gefrat: “where are you from?” “What is your name”? Doch dann hört die Konversation schon bald auf. Einer hat sogar einen Freund angerufen, der Englisch spricht. Und schon hat Markus das Handy am Ohr! Er wird gefrag, ob wir Hilfe brauchen, was ja nicht der Fall ist.

Endlich sind wir im grossen Hotel mit Blick auf See angekommen. Hier wollen wir es uns 2 Tage gut gehen und die Seele baumeln lassen. Nach einer kleinen Siesta ist es schon halb acht, Zeit für das Nachtessen. Nichtsahnend nehmen wir den Lift in den 8. Stock zum Restaurant und staunen nicht schlecht – ein riesiger, unmöblierter Saal erwartet uns. O.K. sagen wir uns, dann fragen wir mal an der Réception, wo das Restaurant ist. Die Antwort fällt ernüchternd aus: das Restaurant sei geschlossen, schliesslich sei Ramadan und da gebe es kein Essen, das sei üblich. Wir erhalten noch den Ratschlag, gleich nebenan sei der Supermakrt, da können wir uns ja etwas kaufen. Einen Tipp, wo es in der Nähe allenfalls ein Restaurant habe, erhalten wir nicht. Somit bleibt uns nichts anderes übrig, als dem Rat zu folgen, im Laden Käse und Brot, etwas Trockenfleisch und etwas Süsses zu kaufen und das Nachtessen auf dem Zimmer einzunehmen. Immerhin, am nächsten Morgen gab es Frühstück, auch wenn wir nach allem fragen mussten: Gurken und Tomaten, sonst immer dabei, fehlten, es hatte zu wenig Brot, Servietten waren nicht da….und und und. Wären wir mit dem Auto unterwegs gewesen, wären wir gleich nach Van weiter gefahren, aber mit dem Velo fährt man nicht so locker über 100km hin und zurück!

 

Zudem haben wir kurz vor Ercis  von einem anderen Touristen, der mit dem Camper unterwegs ist, erfahren, dass die direkte Strasse nach Dogubayazit kurzfristig geschlossen wurde. Für uns heisst das, 2 Tagesetappen zurück nach Agri und dann  weiter nach Dogubayazit. Gottlob haben wir genug Zeit!

 

Wir verbringen die 2 Tage am See, machen das Beste daraus, auch wenn wir uns immer wieder über den Service im Hotel ärgern!

 

Heute haben wir uns wieder auf den Weg zurück nach Patnos gemacht. Es war eine gemütliche Fahrt, das Wetter war schön und warm. Unterwegs mussten wir noch einen Kontrollposten passieren. Zum ersten Mal mussten wir bei einer solchen Kontrolle die Ausweise zeigen. Brav hielten wir unsere ID sowie ein Papier, welches wir bei der Einreise erhalten hatten, hin. Dem einen genügte dies nicht. Er wollte unseren Pass und unser Visa sehen. Wie erklärt man jetzt auf türkisch, dass wir für die Reise durch die Türkei kein Visa benötigen und dass die ID auch o.k. ist? Wir mussten unsere Fahrräder parkieren, es wurde fleissig telefoniert. Und wir warteten geduldig. Dann wurden wir aufgefordert, mitzugehen. Es ging aber nur um die Ecke, da waren Stühle und ein kleiner Laden. Wir wurden gebeten, uns zu setzten. Eistee wurde serviert, es gab Schokolade und Cay, und die Abklärungen liefen weiter. Zwischenzeitlich waren alle “Kontrolleure” dazugestossen und nutzten die Gelegenheit für eine Pause. Mit einigen Brocken türkisch und dem Google Übersetzter konnten wir uns unterhalten. Die Kontrolleure waren neugierig, hatten viele Fragen, es wurde gelacht. Endlich kam auch die von uns ersehnte Antwort, dass alles o.k. sei. Wir erhielten per WhatsApp sogar das Papier zugeschickt, in welchem auf türkisch beschrieben ist, dass wir mit ID und ohne Visa reisen können, für alle Fälle. Das ist Service! Unsere ID und das abgestempelte Papier für die Ausreise erhielten wir ebenfalls zurück, und wie immer in solchen Fällen gabs noch das Gruppenfoto, bevor wir den Kontollposten wieder verlassen konnten.

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Rainer (Sonntag, 25 Juni 2017 22:12)

    Herzliche Gratulation euch beiden zum 100-Tage Jubiläum. Ich habe grossen Respekt für das was ihr da täglich leistet. Es freut mich auch sehr in eurem ausserordentlich interessanten Blog zu lesen, dass es euch gut geht und so ihr viel tolles erlebt. Das Betrachten der Fotos weckt definitiv das Reisefieber in mir. Aber ihr wisst ja, ich meine nicht unbedingt das mit dem Velo (-;
    Ich habe gerade einen regenfreien 5 Tage Ausflug in die Dolomiten hinter mir.
    Ich wünsche euch gutes Vorankommen, eine unfallfreie Fahrt und vor allem weiterhin ganz viel Spass dabei (auch gegen den Wind). Liebe Grüsse, Rainer