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Iran - Dogubayazit - Tabris

Am 1. Juli starten wir nach unserer Pause in Dogubayazit Richtung Iran. Wir wollen möglichst früh am Grenzübertritt sein, denn mit der Zeitverschiebung von 1 1/2h wollen wir sicher sein, dass wir nicht plötzlich zu spät  unterwegs sind, auch wenn nach der Grenze nur noch 20km zu bewältigen sind. Ein bisschen nervös sind wir schon: wir stellen uns die Frage, ob auch  alles problemlos über die Bühne gehen wird? Die erste Hürde müssen wir bei der türkischen Passkontrolle nehmen. Wir fahren mit dem Velo vor und reihen uns bei den Autos ein. Da werden wir gleich eines Bessern belehrt – wir müssen wie alle anderen Reisenden in der Schlange anstehen und durch eine vergitterte Schleuse/Absperrung  (5m lang, 2,5m hoch und 80cm breit), hindurch, um unsere Austreise abstempeln zu lassen. Nur: die Fahrräder können wir unmöglich durch diese Schleuse bringen. Also stellen wir die Fahräder mitsamt dem Gepäck vor der Schleuse ab und stellen uns brav in die Reihe. Doch was geschieht denn vorne? Da wird geschrien, gedrängelt, nicht einmal der Polizist kann sich durchsetzen und eine gewisse Ordnung hineinbringen. Nur langsam bewegt sich die Schlange, immer wieder drängeln vorne Leute dazwischen! Unglablich! Als wir nach über 2h endlich bei der Schleuse ankommen, haben wieder etliche Männer das Gefühl, an uns vorbeidrängen zu können. Wir wehren uns erfolgreich, auch wenn wir dafür giftige Bemerkungen und Blicke erhalten! Endlich sind wir an der Reihe und lassen uns die Ausreise abstempeln. Nun heisst es aber für uns, den ganzen Weg durch die Schleuse und das Gedränge zurück zu unseren Fahrrädern! Als wir auch das geschafft haben, geht es weiter zur Immigration des Iran, was wesentlich ruhiger und viel schneller abläuft. Wir müssen schon mal nicht in der normalen Schange anstehen, sondern werden direkt zu einer  Beamtin begleitet, welche uns sehr freundlich empfängt. Sie füllt einen Fragebogen aus, gibt uns einiges Infomaterial für die Region und stellt sicher, dass wir die 30 Tage Aufenthalt korrekt im Pass abgestempelt erhalten. In kurzer Zeit betreten wir iranischen Boden. Wir haben einen weiteren Meilenstein unserer Reise erreicht, herrlich!

Was sind unsere ersten Eindrücke des Landes? Wenn wir in vorherigen Blogs von Gastfreundschaft und Hilfsbereitsschaft erzählt haben, ist das nicht zu vergleichen mit dem was wir bis jetzt im Iran erlebet haben. Wo immer wir halten und sei es nur, um auf unserer Karte nachzuschauen, ob wir immer noch richtig fahren, immer steht jemand da und bietet seine Hilfe an. Das geht so weit, dass sie uns z.B. in Qarhaziyaeddin und auch in Tabriz mit dem Auto vorfahren und uns zum Hotel führen. Oder da ist dieser scheue Junge, der mit der Schale voller Aprikosen, Kirschen und Gurken aus einem Blumengeschäft kommt und uns diese anbietet. Nach einem anstrengenden Tag nehmen wir gerne eine Frucht, doch schon kurz darauf kommt er mit 2 Stück Kuchen daher.

Alles wird noch getoppt mit 2 Büchsen kalter Getränke von einem jungen Mann…

Immer wieder hören wir “Welcome to Iran”. Viele Leute sprechen uns spontan an, stellen auch Fragen zur Schweiz, zu unserer Haltung zum Iran und vieles mehr. Sie sind sehr interessiert, bedauern aber auch, dass es ihnen nicht möglich ist, so zu reisen wie wir.

Die Dörfer und Städte unterscheiden sich in der Architektur stark von der Türkei. Vorherrschend sind die Farben braun, ocker, ziegelsteinfarbig. Die Bauten fügen sich ideal in die Landschaft ein. Die Moscheen fallen auf durch ihre schönen, meist in blautönen gehlatenen Mosaike und Malereien am Hauptportal und den goldenen Türmen.

Das Wetter ist schön, die Temperaturen heiss. Wenn möglich fahren wir am frühen Morgen los, um noch etwas von der “Morgenfrische” mitnehmen zu können. Seit neuem machen wir währen der heissesten Zeit eine Siesta, sofern wir einen Baum finden, unter den wir uns legen können.

Wir haben die erste Kamelherde gesehen und natürlich fotografiert…

Es gibt immer weniger grüne Abschnitte, alles ist trocken, sandig, staubig..

Unseren Velodress haben wir angepasst: ich trage neu einen Schal unter dem Helm, lange Hosen und eine Bluse, die bis zur Mitte der Oberschenkel reicht. Markus fährt seit gestern ebenfalls mit langen Hosen und Hemd, so hat er etwas Schutz gegen die brennende Sonne. Ich selber muss mich noch etwas an die neue Kleiderordnung gewöhnen, denn den Schal muss ich immer tragen, wenn ich das Hotelzimmer verlasse.

Wir haben erste Erfahrungen mit einem Guesthouses gemacht: Das Zimmer war soweit o.k., aber wir hatten Etagendusche und Etagen WC. Für mich ist das nicht ideal, da ich ja nicht ohne Schal das Zimmer verlassen darf. Zudem war das Restaurant eher auf der schmuddeligen Seite einzuordnen. Aber der Besitzer hat sich alle Mühe gegeben, es uns recht zu machen. Er hat uns sogar bereits um 7.00 das selbst zubereitete Frühstück serviert.

 

Gottlob haben wir bereits einige Erfahrung damit, uns in verschiedenen Verkehrssituationen zurechtzufinden und haben bereits einige Grossstädte durchquert. Das macht es einfacher, uns in diesem “Chaos” in Iran zu bewegen. Nichts desto trotz, das Fahren ist anspruchsvoll: nicht nur gilt es zu schauen, welche Gefährte sich von hinten und in welchem Abstand zu uns sich nähern, je nachdem wird auf unserer Fahrspur rückwärts gefahren, da kommt also plötzlich ein Auto auf uns zu und wir müssen ausweichen. Hinzu kommt der ununterbrochene Lärm (vor allem in Stadtnähe).

Fazit: bis jetzt gefällt uns das Land sehr gut! Wir sid gespannt, was wir alles noch erleben werden!

 

Was haben wir sonst noch erlebt?

Auch ein Motorradfahrer sieht uns, als wir mit den Fahrrädern anhalten, um Wasser zu trinken. Er fragt als erstes: warum habt ihr euch nicht über “Warmshower” bei mir gemeldet? Ihr hättet in Marand bei mir übernachten können. Dann erzählt er uns von 2 Schweizer Radfahrern, die er in der letzten Nacht beherbergt hat. Sie sind ca. 1 h hinter uns unterwegs. Diese Gelegenheit, uns mit Gleichgesinnten auszutauschen, wollen wir uns nicht entgehen lassen. Amin, der Motorradfahrer gibt uns die Tel Nr. der beiden Schweizer, welche wir gleich kontaktieren und ein Treffen vereinbaren. Wir verbringen einen gemütlichen Abend mit ihnen, 2 Irländern und einem Holländer in Tabriz.

Heute war Sightseeing und Shopping in Tabriz angesagt. Wir haben die blaue Moschee, das armenische Museum und den Bazar besucht. So erhielten wir einen ersten Einblick in die Geschichte des Landes aber auch in die Gegenwart, wenn wir so durch den Bazar strollten und die Leute beobachteten. Ich habe mir zudem ein schickes “Abendoutfit” gekauft (Bluse und Schal), damit ich nicht auf den ersten Blick wie ein “Bunter Hund” als Tourist auffalle (sondern erst beim 2. BlickJ). Markus hat sich eine neue Velohose gekauft. Das wars dann mit Shopping für die nächste Zeit!

 

Jetzt hoffen wir, dass wir heute Abend ein gutes Lokal fürs Nachtessen finden. Alle loben die sehr gute iranische Küche, bis jetzt sind wir aber noch nicht richtig  fündig geworden. Die letzten Abende bekamen wir immer Kebab, Reis, Tomate und Brot serviert, allenfalls noch eine gute Suppe im voraus.

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Kommentare: 1
  • #1

    Ruth (Freitag, 07 Juli 2017 17:42)

    Hallo Ihr Beiden, oh... Ihr habt schon Vertrauen zu Eurer Umwelt. Beim Lesen: Fahrräder stehen lassen - ist mir fast das Herz still gestanden. Das hätte ich nie und nimmer gemacht, weil ich gedacht hätte, die wären dann gestohlen. Aber Ihr Beide habt Glück gehabt. So ohne Gepäck -wie hätte die Reise weiter gehen können? Ende gut alles gut. Ich wünsche Euch weiterhin viele tolle Erlebnisse und ich bin froh, kann ich immer Eure Neuigkeiten lesen - herzlichen Dank für die Journalistin. En liebe Gruess Ruth