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Tabriz - Ardabil - Bandar e Anzali

Wir verlängern unseren Aufenthalt in Tabriz um einen weiteren Tag. Ein Besuch der Felsenhäuser in Kandovan steht auf dem Programm. Shahdeh hat uns eingeladen, sie auf dieser Tour zu begleiten. Die Einladung haben wir sehr gern angenommen, haben wir doch die Felsenhäuser von Kapadokien in der Türkei nicht gesehen. Bevor wir losfahren, stärken wir uns zusammen mit Shahdeh, ihrer Mutter und Tante im Bazar von Tabriz: endlich kommen wir in den Genuss von Dizzy, einer iranischen Spezialität, welche am Tisch fertig zubereitet wird. Wir hatten schon etliche Male von dieser Spezialität gehört, aber noch kein Lokal gefunden, wo es serviert wurde. Es hat herrlich geschmeckt☺

 

Die Besichtigung des über 800 jährigen Felsendorfes, welches immer noch bewohnt ist, war beeindruckend. Der Gedanke aber, hier sein ganzes Leben zu verbringen, ist für uns unvorstellbar. Auf der Fahrt hat uns Shahdeh vieles über Land und Leute erzählt, sehr spannend und interessant. 

Wir haben kurzfristig entschieden, unsere Route nach Teheran anzupassen. Anstatt durch das karge, heisse Landesinnere bei 40°C und mehr zu fahren haben wir uns für die Küstenvariante entlang dem kaspischen Meer entschieden. Nur ein Bergzug trennt das Landesinnere vom Meer. Das sollte ja zu bewältigen sein. Als es aber in Tabriz 2 Tage hintereinander föhnmässig stark windet und der Wetterbericht für unsere Bergetappe starken Gegenwind voraussagt, entscheiden wir uns nach 6500km schweren Herzens zum ersten Mal auf unserer Reise, einen Teil der Strecke nicht selber zu fahren. Wir organisieren uns einen Taxifahrer (das ist für uns die bequemste Variante, ganz nach dem Motto, man gönnt sich ja sonst nichts!) Pünktlich erscheint der Taxifahrer Ali um 9.00 vor dem Hotel. Nun soll alles gut verstaut werden. Ein Velo wird auf dem Gepäckträger montiert, unsere Taschen im Kofferraum verstaut, das 2. Velo wird auf die Taschen gelegt und festgezurrt, der Kofferraumdeckel mit einem Gummizug geschlossen und der Rest hat auf dem Rücksitz des Autos Platz. Schon kann die Fahrt nach Ardabil (ca.200km) losgehen. Markus und ich können die schöne Fahrt durch die bergige Landachaft nur mässig geniessen: immer wieder stellen wir uns die Frage: hätten wir diese Strecke nicht doch mit dem Fahrrad fahren sollen? Haben wir uns durch die Wettervorhersage zu stark beeinflussen lassen? Was solls….

 

Nach ca. 3h Fahrt kommen wir in Ardabil an, alles wird wieder aus dem Taxi ausgeladen, die Vorderräder wieder montiert, Gepäck aufgeladen und weiter kanns gehen. Wir kaufen noch Früchte und Wasser. Da wir noch viel Zeit haben, fahren wir gleich nach Astara. Eine lange Abfahrt ans kaspische Meer steht bevor.

Was wir an diesem einen Tag alles erleben, unwahrscheinlich: die vielfältigen und unterschiedlichsten Landschaften: karge Berge und Hügelzüge, tockene, braungelbe Flächen, Felsen, Gipfel mit Schnee, Bergwälder, Seen, landwirtschaftlich  bebaute Felder mit Kartoffekn, Getreide und Gemüse, aber auch Reisfelder, Dünen des kaspische Meer (das Meer bekommen wir erst am nächsten Morgen zu sehen). Temperatur- und wettermässig war es ähnlich vielfältig: hochsommerliche Temperaturen, der den Schweiss aus den Poren  trieb, Nebelschwaden, kühle Temperaturen, (wir haben uns überlegt, bei der Abfahrt eine Jacke anzuziehen), tropische Wärme und ein Gewitter mit Regen…

 

Dazu kommt das bunte Treiben am iranischen Wochenende. Die Beschäftigung ist ein Pcknick im Freien. Es scheint, dass alle Iraner unterwegs sind, ihr Zelt aufschlagen oder zumindest ihre Teppiche ausbreiten. Dann wird grilliert, gegessen, geplaudert, jeder Platz ist belegt, ob am Strassenrand, in der Wiese unter einem Baum, einfach da, wo sich eine Möglichkeit ergibt. Entsprechend viel Verkehr hat es. Und mittendrin radeln wir, die Attraktion für viele. Die ganze Fahrt wird gehupt, Autos fahren neben uns her und wollen wissen, woher wir kommen, sie winken uns zu, heissen uns willkommen. Besonders viele Frauen winken mir speziell zu und halten den Daumen hoch. Etliche halten uns an, um ein Foto mit uns zu machen. Am Abend kommen wir völlig erschöpft im Hotel an. Der Verkehrslärm, die vielen hello’s, die Konzentration beim Herunterfahren auf der holprigen Strasse war genug für einen Tag!

Die nächsten beiden Tage sind gemütliche Fahrten, es geht dem Meer entlang, es ist flach und die Distanzen halten sich im Rahmen. Unterwegs treffen wir wieder die beiden Irländer, auch sie haben sich für die Meerroute entschieden.

 

Heute Sonntag haben wir einmal mehr ein Highlight erlebt. Wir sehen, dass vor uns ein Auto langsamer fährt und anhält. Markus sagt noch zu mir: “Der will sicherlich ein Selfie mit uns machen, sollen wir anhalten?“ Weit gefehlt! Als wir uns nähern, bittet der Fahrer uns anzuhalten und hält 2 kleine Plastiktaschen in die Höhe. Darin ist je ein eiskaltes Wasser, Salznüsse, Guetsli, ein kleiner Proviant auf den Weg. Welche Aufmerksamkeit. Das Selfie haben wir auch noch gemacht😀

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Kommentare: 2
  • #1

    Marlies (Dienstag, 11 Juli 2017 13:18)

    Bin immer wieder fasziniert und berührt von dem was ihr beide alles erlebt auf eurer, an und für sich, beschwerlichen Reise. Absolutely wonderful

  • #2

    Ole P. (Montag, 17 Juli 2017 08:46)

    Short message from a busy guy who is always working.. I LOVE YOUR STORIES - and I am amazed about your progress on this astonishing tour. Wishing both of you continued fantastic adventures and a lot of power + strong health.