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Sari - Quchan

Rechtzeitig zum Wochenende, zumindest eures, unseres im Iran ist bereits vorbei, finde ich wieder Zeit, euch über die letzte Woche auf dem Laufenden zu halten.

 

Wir haben wieder einiges erlebt, wie sollte es auch Anders sein. Die ersten 4 Tage nahmen wir es gemütlich; relativ kurze Distanzen, kaum Höhenmeter, für uns war es “Schoggi”, wie wir zu sagen pflegen. Die Landschaft ist weiterhin grün, es hat viele Fruchtplantagen, aber es gibt auch schon sehr trockene Abschnitte, ein Vorgeschmack auf die Wüstenlandschaft, so glauben wir zumindest. Die Temperaturen sind sehr warm, zudem ist es nach wie vor sehr feucht, teilweise aber auch bedeckt, was wir ausnahmsweise geniessen. Wann immer wir anhalten um etwas zu trinken oder eine Pause zu machen, sind wir unmittelbar “pflotschnass”. 

Ab Tag 5 (1. August) beginnen die Strapazen, jetzt geht es bergauf, die Tagesetappen werden länger. Die Strasse führt durch den Nationalpark Golestan. Herrlich ist es, über viele Kilometer hinweg durch diesen grünen, bewaldeten Park und dazu noch im Schatten zu fahren, auch wenn es moderat bergauf geht. Zweimal treffen wir sogar Wildschweine an. So wild sind sie aber nicht mehr, zu viele iranische Touristen kommen zum Picknicken hierher und füttern die Tiere, um gute Fotos schiessen zu können. Wenn die Tiere schon vor die Kamera laufen, lassen wir es uns aber nicht entgehen, auch das eine oder ander Foto zu machenJ.

 

Für die Mittagsrast halten wir im Schatten und machen ein Mittagsschläfchen. Gerade als wir uns wieder zum Weiterfahren bereit machen und unsere Siebensachen zusammen packen, hält ein Polizeifahrzeug bei uns an. Was wollen die wohl von uns? Nichts weiter als mit uns plaudern, sich erkundigen, wohin wir fahren wollen und wissen, ob wir Hilfe brauchen! Der Police Officer verabschiedet sich mit den im Iran üblichen freundschaftlichen 3 Küssen von Markus, er scheint ihn ins Herz geschlossen zu haben!

 

Erstaunlich gut schaffen wir die 1200 Höhenmeter und 92 Kilometer. Unsere Planung hatte zwar eine kürzere Etappe vorgesehen. Aber im Ort, in dem wir übernachten wollten, gab es keine Übernachtungsmöglichkeit. So fahren wir weiter, bis sich vor uns dunkle Wolken bilden und sich ein Gewitter ankündigt. Wir schafften es gerade noch rechtzeitig vor dem Wolkenbruch, bei einem Bauernhof  Unterschlupf zu finden. Wir entscheiden uns, wenn möglich auf diesem Gelände zu bleiben und unser Zelt aufzuschlagen. Markus erkundigt sich bei 2 Arbeitern, ob dies möglich ist. Die beiden diskutieren eine Weile, führen Markus dann zu einem sehr einfachen leerstehenden Haus und erklären ihm, dass wir darin übernachten sollen. Da draussen alles nass ist, lassen wir uns auf diesen Deal ein. Wir bereiten unser Nachtlager auf dem Steinboden aus: Mätteli aufpumpen, Schlafsack auspacken usw. So müssen wir am nächsten Morgen kein halbnasses und schmutziges Zelt einpacken. Etwas speziell und gewöhnungsbedürftig ist diese Art der Übernachtung schon! Nach langer Zeit kochen wir uns wieder auf unserem Benzinkocher unser Nachtessen. Nach all den Kebabs mit Reis und Tomate schmeckt die Suppe mit Teigwaren herrlich!

Am nächsten Tag starten wir früh am Morgen, Abfahrt ist kurz nach 6 Uhr. Zum ersten Mal werden wir im Iran bei einer Kontrollstelle angehalten und müssen unsere Pässe zeigen. Während sie diese prüfen, wird uns Tee und Gebäck offeriert, was wir gerne annehmen. Wir werden ins Chefbüro geführt und gleichzeitig auch “vorgeführt”. Mehrere der Angestellten kommen vorbei, grüssen uns, stellen die eine oder andere Frage. Und dieses Mal wollen wir ein Foto von ihnen und der Polzeistation machen, Markus nutzt dazu sein Smartphone. Bereits am Mittag kommen wir in Ashkhaneh an. Wir halten vor dem einzigen Hotel der Stadt. Als wir uns das Gebäude noch von aussen anschauen ( es sieht nicht gerade nach Sternehotel aus), spricht uns wieder einmal ein Iraner auf Englisch an und lädt uns spontan ein, bei seiner Familie zu übernachten. Wir lehnen dankend ab. Er insistiert jedoch und findet, dass wir mindestens zum Lunch vorbeikommen sollen. Nach einigem hin und her einigen wir uns darauf, dass wir das Hotel beziehen, uns duschen und dann gerne zum Lunch kommen. Hätten wir das abgelehnt, hätten wir definitv etwas verpasst. 1h später holt uns Lahid beim Hotel ab und bringt uns zu seiner Familie. In einer sehr schönen Wohnung warten bereits auf uns: die Schwiegereltern, die 4 Töchter der Familie, 2 weitere Ehemänner der Töchter und 5 Kinder. Das Essen ist bereits auf dem Teppich aufgetischt. Eine Vielfalt an iranischen Spezialitäten, wie man sie im Restaurant kaum je serviert bekommt. So gut haben wir schon lange nicht mehr gegessen! Wir werden von allen herzlich aufgenommen, auch wenn nur 2 Personen englisch sprechen, verständigen wir uns bestens. Wir verbringen den ganzen Nachmittag dort, besichtigen mit einem der Schwiegersöhne das Kieswerk, das ihnen gehört, sehen uns noch ein kleines Dorf an. 2 der Kinder hängen die ganze Zeit an mir, wir tauschen Englisch und Farsi Wörter aus und amüsieren uns bestens. Im Nachhinein haben wir es fast bereut, dass wir nicht zugesagt haben, bei ihnen zu übernachten. Denn unser Hotelzimmer war nicht gerade der HitL

 

Am nächsten Morgen ist wieder um 5 Uhr Tagwacht. Wir haben einen weiteren 1000 hm Anstieg vor uns, welchen wir nicht unbedingt bei brütender Hitze in Angriff nehmen wollen. Ziel ist die Stadt Bodschnur. Der Anstieg ist happig, die Abfahrt dafür umso schöner. In Bodschnur angekommen, treffen wir eine falsche Entscheidung. Wir fahren bei einem der Hotels vorbei, das gar nicht schlecht aussieht. Aber in Google Maps haben wir gesehen, dass etwa 8km Kilometer ausserhalb der Stadt ein Luxushotel ist. Nach den beiden letzten schlechten Unterkünften wollten wir uns das nicht entgehen lassen. Wir radeln weiter, doch wir werden enttäuscht, das Luxushotel ist nicht mehr in Betrieb. Was nun? Wir beide haben schlichtweg keine Lust, die 8km zurück zu fahren (leicht bergauf und Gegenwind). Deshalb entscheiden wir uns für die 2. Option: nach einem Mittagsschläfchen im Schatten fahren wir weitere 50km bis nach Shirvan, dafür mit RückenwindJ  Den anschliessenden Ruhetag nach 7 Tagen on the road haben wir uns verdient.

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Kommentare: 2
  • #1

    Ruth Christen (Sonntag, 06 August 2017 16:29)

    Eure Bilder vom Iran sind so traumhaft, bunt, vielfältig und mit den vielen Menüs auf den Photos - es gluschtet einem zu Euch zu reisen. Herzlichen Dank für Euren Blog, ich schaue fast jeden Tag rein, um ja nichts zu verpassen. Ich bewundere euren Durchhaltewillen, manchmal ist es sicher nicht leicht so viele Kilometer pro Tag zu bewältigen und vor allem die interessanten Begegnungen mit der Bevölkerung - dies ist nur so zu haben - wenn man mit dem Velo oder öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist. Geniesst es weiterhin. Grüsse aus dem auch heissen Südfrankreich. Ruth

  • #2

    Hossi (Montag, 07 August 2017 21:19)

    Grüezi
    Ich wohne in der Nähe von euch, in Bonstetten. Ich komme aus dem Iran und bin seit 2011 in der Schweiz. Ich warte immer auf neue Bericht von Sie. Es ist ganz toll. Ab wann seid ihr im Iran bin ich noch mehr gespannt auf nächste Bericht. Es ist genau so die die persische Leute möchten immer die Besucher noch mehr bleiben ��.
    Viel Glück