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Shirvan - Mashhad

Der Ruhetag war im wahrsten Sinn des Wortes ruhig. Wir haben uns wenig bewegt, haben uns im nahegelegenen Park auf unserer Decke ausgestreckt, gelesen, geschlafen – es war ein richtiger Faulenzertag. An solchen Tagen “plagt” mich fast das schlechte Gewissen. Einfach so herumhängen geht doch nicht! Immerhin sind wir noch einkaufen gegangen: frisches Brot, Gurken, Früchte, Cream Cheese, was man halt so braucht für ein vernünftiges Frühstück. Für das Hotelfrühstück reicht es leider nicht, da wir bereits um 6 in der Früh losfahren wollen.

 

Die Melodie des Weckers ertönt um 5.00. Wie schön wäre es, doch noch etwas liegen zu bleiben. Aber wir wollen ja nicht in der brütenden Hitze fahren, also los, aufstehen, da müssen wir durch. Schon bald sind wir reisefertig, die Velos bepackt. Einmal mehr stellen wir fest, wie herrlich es ist, in der Morgenfrische zu radeln und das Erwachen des Tages mitzuerleben. Die Landschaft erscheint in den Morgenfarben noch intensiver, alles riecht frisch, wenn man von den Abgasen der alten Lastwagen absieht, die ihre grauschwarzen Wolken ausstossen und uns teilweise einnebeln. Die Fahrt führt durch eine breite, trockene Hochebene, links und rechts gesäumt von einem Gebirgszug. Quchan erreichen wir bereits vor dem Mittag. Wir staunen nicht schlecht über unsere Unterkunft – wir haben nicht nur ein Zimmer, nein ein ganzes Appartment steht uns zur Verfügung. Am Abend suchen wir ein Restaurant, was sich als schwierig erweist. Es gibt vor allem Fast Food und viele Poulets vom Grill. Wir entschliessen uns, ein Poulet zu kaufen und dieses in unserem Appartment zu essen. Wofür haben wir denn sonst eine so grosse Unterkunft? Wir bereichern das Essen mit frischem Brot, Gurken und Tomaten. Es schmeckt herrlich!

Die letzte Etappe bis Mashhad beträgt 140km. Ob wir das wohl in einem Tag schaffen? Der Wind bläst zumindest aus der richtigen Richtung – Rückenwind ist angesagt. Wir fahren los und kommen sehr gut voran. Das macht richtig Spass! Am Anfang fahren wir noch auf der Schnellstrasse, beim genaueren hinsehen auf der Karte stellen wir fest, dass es noch eine Parallelstrasse gibt. Also nichts wie los, da hat es sicherlich weniger Verkehr. Und genau so ist es! Wie schön es doch ist, ohne den Verkehrslärm dahinzuradeln und die Landschaft und kleinen Ortschaften zu geniessen. Nach etwas mehr als 6h sind die 140km geschafft, wir treffen in Mashhad mit seinen 2.7 Mio. Einwohnern ein. Den chaotischen Verkehr im Iran sind wir bereits gewohnt und wir bewegen uns in den vielen Spuren und Kreiseln wie Einheimische!

 

Mashhad ist die zweitgrösste Stadt des Iran bekannt als Pilgerort. Pro Jahr besuchen bis zu 27 Mio. Gläubige den berühmten heiligen Shrine des achten schiitischen Imams Reza. Die ganze Stadt lebt mehrheitlich von diesen Pilgern. Es gibt unzählige Hotels und Läden, Taxifahrer, Fotografen, Souvenirshops… Die Region ist zudem bekannt für ihren Safran. Wir haben das Gefühl, dass jeder 2. Laden Safran und sonstige Gewürze verkauft. Diese ausgestellten Gewürze und getrocknenten Früchte sind eine Augenweide! Und dieser Duft dazu, einfach herrlich.    

Wir haben den Shrine natürlich auch besucht, und das gleich mehrere Male. Schon nur die Dimension des ganzen Kompexes ( 1km Durchmesser) ist unbeschreiblich, mit seinen diversen Höfen, seinen Iwan (Türmen) inkl. Uhrturm, den Grabstätten, seinen Spiegelmosaiken, der goldenen Kuppel. Die Eindrücke sind überwältigend. Was uns mindestens so beeindruckt hat ist das emsige Treiben ausserhalb und innerhalb des Heiligtums. Die Zugangskontrolle erfolgt für Mann und Frau getrennt, Frauen müssen zwingend einen Tschador tragen. Entsprechend gross ist das Gedränge beim Eingang der Frauen, denn jede Frau muss ihren Tschador öffnen und wird abgetastet. Handdtaschen (nur diese sind erlaubt) werden durchsucht. Ein “gesittetes” Anstehen wie bei uns gibt es nicht. Da wird gedrängt und geschubst und wehe, man macht es nicht auch so, dann steht man ewig an! Fotoapparate sind verboten, ebenso wäre das Fotografieren nicht erlaubt, Handy’s dürfen aber mitgenommen werden. Drei mal dürft ihr raten, wie viele sich an das Verbot halten… Ob draussen oder drinnen, überall sitzen die Gläubigen auf den Gebetsteppichen, lesen im Koran, unterhalten sich, telefonieren, ruhen sich aus,  während Kinder spielen und umherrennen.  Wir erleben alle möglichen Emotionen: tief ins Gebet versunkene Personen, Pilger, die nach mehreren hunderten von Kilometern Fussmarsch ihr Ziel erreicht haben und sich weinend in den Armen halten, glänzene und vor Freude strahlende Augen, lachen, andächtiges in sich Kehren… Am Abend haben wir nach Sonnenutergang einem Gebet beigewohnt. Rechtzeitig wird mit dem Ausrollen der Teppiche begonnen. Immer mehr Menschen versammeln sich zum Gebet, die Frauen sind fast ausnahmslos in Schwarz gekleidet, ein ganz spezieller Anblick für Makrus und mich.

 

Auch ausserhalb des Shrines herrscht die Farbe schwaz vor, häufig ist auf den Strassen ein riesiges Gedränge, speziell vor und nach den Gebetszeiten. Ich habe Markus explizit aufgefordert sich zu merken, welchen Tschador ich trage (nur für den Besuch des Shrine), damit er mich in der Menge wieder erkenntJ 

 

Ansonsten bietet die Stadt nicht sehr viel mehr. Konzerte und Veranstaltungen sind verboten, Museen hat es nicht viele, alles dreht sich um den Shrine. Deshalb haben wir noch einen kurzen Ausflug nach Neyshapur gemacht und dort eine hölzerne Moschee sowie 2 Grabstätten von bekannten iranischen Dichtern besucht. So sind wir auch dem ganzen Rummel der Stadt etwas entkommen.

 

Bevor wir unsere Reise nun nach Turkmenistan fortsetzten, machen wir eine 10-tätige Pause. Wir melden uns wieder mit dem nächsten Blog anfangs September, wenn wir bereits Tukmenistan durchquert haben und in Usbekistan sind. Also bis dann.

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Kommentare: 1
  • #1

    Loher Urs + Christine (Sonntag, 20 August 2017 09:43)

    Hallo Ihr Beiden
    Spannend, was Ihr alles erlebt habt. Vielen Dank auch für all die tollen und eindrücklichen Bilder. Der Iran scheint wirklich ein faszinierendes Land zu sein. Ungewohnt hingegen Mari-Clair mit Kopftuch zu sehen. Wir wünschen Euch weiterhin gute Fahrt, viel Glück und Freue.
    Liebe Grüsse Christine und Urs