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Turkmenistan - ein Wettlauf mit der Zeit!

Gleich vorneweg: Für Turkmenistan haben wir nur ein Tranistvisa von 5 Tagen bekommen. Das ist aber mehr, als etliche andere Touristen erhalten haben. Einigen wurde das Visa verweigert, andere erhielten nur ein Transitvisa von 3 Tage. Also haben wir nichts zu beklagen. Nichts desto trotz, wir müssen die fast 500km Wüste in dieser Zeit schaffen!

Der Wetterbericht verspricht nicht viel Gutes: zwar ist wolkenloseses Wetter angesagt, aber auch Temperaturen von fast 40° und vor allem eines: starker Gegenwind! Das wird eine Herausforderung!

 

Wir treffen bereits um 8.00 Uhr an der iranischen Grenze ein, aber die Behörden starten ihren Dienst erst um 9.00. Das Warten beginnt. Markus und ich sind etwas nervös, denn eigentlich möchten wir am liebsten losfahren. Aber da ist nichts zu machen.

 

Endlich ist es soweit, wir können unseren Pass einreichen und erhalten unseren Ausreisestempel. Über eine holprige Dreckstrasse fahren wir zum Zoll von Turkmenistan. Als erstes gibt es den “Gesundheitscheck” beim Arzt, bevor die ganzen Formalitäten beginnen. Visa wird geprüft, Angaben werden im Computer erfasst, Foto wird gemacht und Fingerabdrücke genommen, dann müssen wir bei der Immigration (am nächsten Schalter) die Eintrittsgebühr bezahlen, mit dem Beleg wieder zum ersten Schalter zurück, um den Einreisestempel zu erhalten. Mehrere Male werden wir explizit darauf hingewiesen, dass wir die 5 Tage auf keinen Fall überschreiten dürfen. Zudem müssen wir angeben, welche Strecke wir fahren und wo wir übernachten werden. Damit aber noch nicht genug: der Security Check steht noch bevor. Vor uns ist eine Frau, welche 7 grosse Schachteln Schuhe einführt. Jedes Paar Schuh wird ausgepackt und geprüft. Das dauert! Endlich sind wir an der Reihe! Wir entladen unser Velo, jede Velotasche wird zuerst durch den Scanner gelassen und anschliessend müssen wir die Taschen leeren. Alles wird gerüft. Vor allem aber wollen die Zollbehörden unsere Medikamente sehen. Jede Schachtel wird angeschaut, ich werde gefragt, wofür die Medikamente sind. Wollen die mich testen? Dank unserem Hausarzt haben wir keine Medikamente dabei, die als “Drogen” eingestuft sind. Endlich kommt das erlösende Nicken des Zollbeamten, wir dürfen alles wieder einpacken und in Turkmenistan einreisen. Der ganze Prozess hat etwas länger geauert als geplant – das geht bereits an unserer verfügbaren Radlerzeit ab!

Als Erstes fahren wir in den Ort Sarahs, wir brauche schliesslich noch turkmenische Rial. Verzweifelt suchen wir die Bank. Nirgends ist diese zu finden. Zum ersten Mal kommt unser “Ohne Wörterbuch” zum Einsatz. Nach einigen Versuchen landen wir vor der Bank (wenn auch nicht angeschrieben). Die Leute davor sind am Warten und teilen uns mit, dass die Bank erst wieder um 14.00 öffnet. Kurzentschlossen stecken sie ihre Köpfe zusammen und entscheiden, dass sie uns das Geld (zu einem sehr guten Kurs wie wir nachträglich feststellen) wechseln. Wir sind froh, nicht noch länger warten zu müssen. Mit den Rials im Sack fahren wir gleich zum nächsten Shop, kaufen uns kaltes Wasser und genehmigen uns ein Glace bevor wir dann endlich unsere Route in Angriff nehmen.

 

Bereits nach 20km Fahrt erreichen wir den ersten Kontrollposten: wir werden aufgefordert, unsere Pässe zu zeigen. Ein Telefonanruf genügt um zu bestätigen, dass wir legal auf der angegebenen Route unterwegs sind. Wir dürfen weiter fahren.

 

Die Fahrt auf der Nebenstrasse (kürzeste Route) ist beschwerlich! Nichts von schöner Teerstrasse! Es ist holprig, wir weichen den riesigen Schlaglöchern aus, teilweise hat es keinen Teer mehr, dafür Schotter mit entsprechenden Rillen. Und als ob dies nicht genug wäre, der Gegenwind bläst uns heftig ins Gesicht. Wir fahren mit 10 bis 13 km/h, mehr liegt einfach nicht drin! Nach gut 5h Fahrt und 70km suchen wir uns unseren Zeltplatz für die Nacht. Mit Ausnahme der Sandflöhe finden wir einen perfekten Ort neben der Strasse (Verkehr haben wir ja keinen zu befürchten). Das Zelt ist schnell aufgestellt, das Nachtessen gekocht und wir können den schönen Abend unter dem Sternenhimmel geniessen. Allzulange Zeit lassen wir uns dafür nicht, wir gehen früh schlafen um für den nächsten fit Tag zu sein. 

Die Melodie des Weckers ertönt um 4.30. Wir wollen nach Sonnenaufgang losradeln. So können wir die Morgenfrische noch etwas geniessen und vor allem die ersten Stunden mit etwas weniger Gegenwind nutzen. Draussen ist es wirklich noch frisch, wir ziehen unseren Pulli und die langen Hosen an, wohl wissend, dass dies nicht lange so bleiben wird. Mit der Stirnlampe ausgerüstet, brechen wir das Zelt ab, packen unsere seiben Sachen zusammen und kochen unseren Frühstückskaffee. Herrlich dieser Duft. Dazu gibt es Streichkäse, Honig, Gurken und Brot. Kurz nach Sonnenaufgang sind wir tatsächlich unterwegs. Wir sind etwas überrascht, hier nicht das Bild der Wüste, wie man sich das so vorstellt, vorzufinden. Links und rechst der Strasse hat es teilweise sogar Baumwollfelder! Nach ca. 40km mündet die Seitenstrasse in die Hauptstrasse ein, wo wir auch ein “Kaffee” finden. Das “Kaffee” besteht aus einem grossen kahlen Raum, einem Tisch in der Mitte, einem Kühlschrank und einem Fernseher. Das wars dann. Wir kaufen viel Wasser, füllen unsere Wassertanks und Bidons und genehmigen uns eine Flasche kaltes Wasser. Uns wird einmal mehr bewusst, wie wertvoll Wasser ist auch wenn wir unterwegs teilweise Mühe haben, das 40° warme Wasser zu trinken. Am besten denkt man da nicht an das kühle Bier oder das eiskalte prickelnde Mineralwasser!

Wir fahren Richtung Mary vor uns hin und kämpfen gegen den immer starker werdenden Gegenwind. Allmählich haben wir das Geräusch des Windes satt, können es aber leider nicht leiser stellen. Auch wenn wir auf der Hauptstrasse fahren, hat sich der Strassenzustand nicht stark verbessert. Die einizige grosse Veränderung ist der Verkehr! Lastwagen und Autos brummen an uns vorbei und weichen wie wir den vielen Schalglöchern aus. Da wars auf der Nebenstrasse tatsächlich angenehmer.

Am späten Nachmittag treffen wir in Mary ein. Wir sind überwältigt von den Dimensionen der Strassen, den Prunkbauten, den riesigen Sport- und Pferderennbahnen. Das haben wir so nicht erwartet! Schade, dass wir keine Zeit haben, die Stadt zu erkunden. Wir schaffen es gerade noch rechtzeitig, im Bazar das Essen für die nächsten 3 Tage zu kaufen, bevor dieser um 19.00 schliesst. Wir geniessen nochmals die Annehmlichkeinten eines 4 Sterne Hotels und eines guten Bettes, denn die nächsten Tage werden wir draussen übernachten.    

Beim Losfahren am nächsten Morgen stellt Markus fest, dass er seine Sonnenbrille nicht mehr hat! Das ist definitiv nicht gut! Wir fahren trotzdem schon mal los, denn trotz des Zeitdrucks wollen wir uns den Abstecher von ca. 20km nach Merv nicht entgehen lassen. Merv ist eine Ruinenestadt aus dem Altertum und gehört zum UNESCO Weltkuturerbe. Beeindruckend und einen Besuch wert. An den Besuch der Ruinenstadt hängen wir noch eine weitere Zusatzschlaufe  von ca. 5km ins Zentrum von Bayramaly, damit sich Markus eine neue Sonnenbrille kaufen kann. In der Zwischenzeit weht der Wind wieder heftig, wir fahren teilweise mit 10 bis 12km/h . Das ist nicht gerade viel, wohl wissend, dass wir 100km schaffen sollen. Immer wieder machen wir eine Pause, legen uns auch mal kurz hin. Im Viertelstundentakt lösen wir uns beim Fahren ab, so dass wir abwechslungsweise in den Genuss kommen im Windschatten zu fahren.

 

Kurz vor dem Eindämmern finden wir eine Düne, hinter welcher wir campieren wollen. Also schnell, wenn gerade kein Verkehr ist, das Velo hinter den Hügel schieben, was im Sand gar nicht so einfach ist! Und schon haben wir unser neues Zuhause. Wir hängen unseren Wassersack ans Fahrrad und Waschen den Sand und Dreck des Tages mit lauwarmem Wasser ab. Welche Wohltat!

 

Wir haben noch 2 Tage Zeit für die restlichen 180km, für uns die härtesten Tage. Der Wind nimmt zu, vom morgendlichen Lüftchen ist nicht mehr viel übrig geblieben, denn wir hören schon Windgeräusche als wir noch im Zelt liegen. Das lässt nichts Gutes erahnen. Wir treten in die Pedale, kommen nur schleichend voran. Am Nachmittag hat Markus keine Lust mehr, er überlegt sich bereits, einen Lastwagen anzuhalten, der uns an die Grenze mitnimmt. Immer wieder die Frage: warum tun wir uns das an? Wir müssen ja niemandem etwas beweisen. Ich bin etwas anderer Meinung: wir geben doch nicht 1 ½ Tage vor Visumablauf auf! Da kommt mein Ehrgeiz wieder einmal zum Vorschein! Also trampen wir im Schneckentempo weiter, bei fast 40°, gratis peeling inklusive! Endlich kommt wieder einmal ein Shop! Wir halten an. Markus genehmigt sich 1l Cola, den er in Kürze getrunken hat. Das habe ich noch nie erlebt, Markus, der sonst kaum ein Coci trinkt! Und einmal mehr schaffen wir die geplanten Kilometer, fühlen uns aber todmüde.

 

Am letzten Tag fahren wir bereits in der Dämmerung los, unsere roten Rücklichter blinken. Wir wollen den Grenzposten am Nachmittag wenn immer möglich vor 17.00 erreichen. Wir radeln ohne grössere Pause, nur unsere Trinkpausen halten wir ein. Markus stellt fest, dass er nicht mehr in den 3. Kranz schlaten kann. Was ist denn das Neues? Und als wäre dies noch nicht genug, weht der Sand über die Strasse und peitscht uns regelrecht ins Gesicht, der Kilometerzähler zeigt teilweise nur noch 7 oder 8 km/h an. Wenige Kilometer vor der Grenze denke ich nun ans aufgeben, ich mag einfach nicht mehr! Aber wir sind ja ein gutes Team und können uns gegenseitig motivieren! Also nicht aufgeben! Weit vorne sehen wir die Lastwagekolonne vor der Grenze, ein gutes Zeichen, dass auch wire s bald geschafft haben. Kurz vor 14.00 erreichen wir den Grenzposten. Ein Stein fällt uns vom Herzen! Wir haben es geschafft!

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Kommentare: 2
  • #1

    Marlies (Donnerstag, 07 September 2017 13:56)

    Ihr Tapferen.....
    So intensiv lebt man geradezu mit, dass einem nach dem lesen des aktuellen Reiseberichts einem selbst, ein riesengrosser Stein vom Herzen fällt - uff

  • #2

    Dino Rey (Sonntag, 10 September 2017 12:20)

    Hallo zusammen
    Immer mal wieder schauen wir uns Eure Fotos an und lesen im Blog. Faszinierend Eure Reise! Im Moment scheints etwas beschwerlich zu sein. Wir wünschen Euch weiterhin eine gute Reise und für die nächsten Etappen feinen Asphalt und moderate Temperaturen.
    Wir nehmen den Hut vor Eurer Leistung.

    Dino Rey und Andrea Wyrsch