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Usbekistan - eine Reise in 1001 Nacht

Der Grenzübertritt verläuft zwar reibungslos, aber es dauert. Die turkmenischen Zöllner haben noch Mittagspause. Wir schieben schon mal unsere Fahrräder ins Gebäude und setzen uns ebenfalls hin, hängen ein bisschen herum. Endlich kommte Bewegung auf. Wir zeigen unsere Pässe sowie die Rechnung der Hotelübernachtung in Mary. Schliesslich hatten wir ja bei der Einreise angegeben, dass wir einmal im Hotel übernachten werden, da dürfen wir einfach nicht davon abweichen. Wir erhalten den Ausreisestempel und dürfen nun unser Gepäck scannen lassen. Damit nicht genung, Einmal mehr dürfen wir den Inhalt der Velotaschen auspacken, die Medikamente werden nochmals geprüft, alles wieder einpacken, Velo beladen – wohl wissend, dass wir dasselbe nochmals beim Usbekischen Zollamt machen dürfen. Endlich dürfen wir ausreisen und das Abenteuer Usbekistan starten.

 

Die Einreise nach Usbekistan klappt bestens, Prozedere ist dasselbe wie in Turkmenistan. Pass und Visa zeigen, Formulare ausfüllen, Gepäck öffnen, Medikamente zeigen – und schon haben wir den Einreisestempel im Pass. Von nun an gilt es, uns spätestens alle 3 Tage registrieren zu lassen, denn einfach so im Land herumreisen können/dürfen wir nicht. Gottlob übernehmen die meisten Hotels die Registrierung, so dass wir uns nicht laufend bei einem Polizeiposten melden müssen.

 

Bevor wir den letzten Kontrollposten passieren, rufen uns türkische Lastwagenfahrer, die in der Warteschlange stehen zu und offerieren uns einen Cay, den wir sehr gerne annehmen. Für uns fühlt sich das fast so an, wie wenn wir nach Hause kommen. Wir sitzen mmit ihnen zusammen am Boden im Schatten des Lastwagens, trinken Tee und Markus gönnt sich eine Zigarette! Die hat er sich nach all den Strapazen verdient.

Als nächstes gilt es eine Übernachtungsmöglichkeit zu finden. In der Nähe der Grenze hat es keine Ortschaft, auch kein Hotel, aber immerhin einen kleinen Laden, wo wir viel Wasser kaufen können. Somit sind wir gerüstet, sollten wir campieren müssen. Ein Mann spritzt vor dem Laden den staubigen Boden – Markus und ich nutzen die Gelegenheit und waschen uns Kopf,Arme und Beine mit dem frischen Wasser ab. Welche Wohltat! Es fühlt sich herrliche an!

 

Auf der gegenüberliegenden Seite des Schops hat es einen “Camping”, der mehrheitlich von den Lastwagenfahrern genutzt wird. Hier hat es Dusche, WC, einzelne kleine Zimmer und ein Restaurant. Kurzentschlossen entscheiden wir uns, diese Möglichkeit der Übernachtung zu nutzen, denn wir sind beide zu müde, noch etliche Kilometer zu fahren, um eine geeignete Zeltmöglichkeit zu finden. Nach einem einfachen, aber guten Nachtessen verziehen wir uns schnell in unser Zimmer(chen) und versuchen zu schlafen.

 

Den nächsten Morgen geniessen wir richtiggehend und lassen uns Zeit fürs Frühstück. Wir nehmen nehmen sogar noch eine Einladung von Mustafa, einem weiteren türkischen Lastwagenfahrer, zum Kaffee an bevor wir wieder in die Pedale treten. Wir wollen die Distanz bis nach Buchara in 2 Tagen schaffen. Gemäss maps.me sollte es unterwegs sogar ein Hotel geben.

 

Bereits nach wenigen Kilometern Fahrt sind wir überrascht, wie grün alles ist und wie bevölkert die Region ist. Es ist das komplette Gegenteil der letzten Tage in Turkmenistan. Das hatten wir nicht erwartet. Baumwollfelder wechseln sich ab mit Maisfeldern, Apfelhainen, Sonnenblumenfeldern. Es gibt ganze Alleen von Bäumen, was gut für uns ist, so können wir an schattigen Plätzen Rast machen. Es ist, als ob wir einen Schalter gedreht hätten. Im Verlaufe des Nachmittags fahren wir beim Hotel vor. Es ist brandneu (2017). Wir freuen uns schon auf das klimatisierte Zimmer, Markus auf das kühle Bier. Doch wir haben die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Der Rezeptionist teilt uns, nach einem vofgängigen Telefon mit irgendwem mit, dass das Hotel ausgebucht ist. Wir können es nicht fassen und glauben auch nicht, dass das riesige Hotel voll belegt ist. Aber wir können nichts machen. Zwischenzeitlich haben wir herausgefunden, dass nur Hotels, welche die Registrierung von Touristen vornehmen können, uns beherbergen dürfen. 

Leicht unmotiviert machen wir uns wieder auf den Weg auf der Suche nach einem geeigneten Zeltplatz, den wir noch vor Einbruch der Dunkelheit finden wollen. Der erste Vorschalg von Markus ist mir nicht genehm, mir ist der vorgeschlagene Platz unter Bäumen zu nah an der Strasse und vor allem habe ich das Gefühl, dass man uns zu einfach von der Strasse aus sieht. Also fahren wir weiter. Markus ist nicht gerade amused. Etliche Kilometer weiter verkauft ein Bauer seine Äpfel am Strassenrand. Da kaufen wir doch gleich mal einige frische, knackige Äpfel. Markus hat die glorreiche Idee, den Bauern auch gleich zu fragen, ob wir unser Zelt in seinem Apfelbaumhain aufstellen können. Dieser willigt ein. Dann also nichts wie los! Wir überqueren die Strasse und stossen unsere Fahrräder zwischen den Apfelbäumen durch, bis wir das ideale Plätzchen gefunden haben. Wir verbringen einen gemütlichen Spätnachmittag/Abend in freier Natur, geniessen unser einfaches Nachtessen, bestaunen den Sternenhimmel, bevor wir todmüde ins Zelt kriechen.

 

Wir stehen erst auf, als die Sonne schon aufgegangen ist. So haben wir die Möglichkeit, unsere Schlafsäcke noch etwas auszulüften und das Zelt, welches vom Morgentau feucht ist, zu trocknen.

 

Im Verlaufe des Nachmittags treffen wir in Buchara ein. Wir verlassen die Hauptstrasse und fahren mit unseren Rädern in die verwinkelten Gassen der verkehrsfreien Altstadt. Fahrräder sind übrigens erlaubt! Schliesslich machen wir keinen LärmJ Auch die Einheimischen kurven mit ihren Velos durch die Gassen. Wir finden ein herrliches kleines Boutique Hotel mit wunderschönem Innenhof im Zentrum der Altstadt. Diese Ruhe ist herrlich, Buchara ist so richtig ein Ort zum Entschleunigen. Am Abend machen wir einen ersten Spaziergang. Wir fühlen uns tatsächlich wie in 1001 Nacht. Dies Türme, die blauen Kuppeln, die Medresen, alles gut restauriert, lädt zum Verweilen ein. Wir essen in einem Restaurant mit Dachterrasse und geniessen den lauen Sommerabend mit einem Glas Wein.

 

Die nächsten beiden Tage in Buchara verbringen wir mit Sightseeing, informieren uns über die Geschichte und den dazugehörenden Bauten und geniessen einfach den Moment, das feine Essen und das Nichtstun. Wir lassen die herrlichen Bauten auf uns einwirken, sitzen da und staunen immer wieder aufs Neue über die Schönheit dieser Stadt. Im Bazar deckt sich Markus bereits für den Winter ein und kauft sich eine warme SchaffellmützeJ Vielleicht kann er diese ja bereits in Kasachstan zum ersten Mal aufsetzen?

 

Am Morgen des 7.September bepacken wir unsere Fahrräder und wollen losfahren. Aber was stimmt hier nicht? Markus hat tatsächlich einen Platten! Das Problem ist relative schnell behoben, schliesslich ist Markus ein “Profi” im Flicken und Reparieren. Mit wenig Verzögerung treten wir wieder in die Pedalen.

 

Wir brauchen 3 Tage, bis wir Samarkand erreichen. Einmal übernachten wir im Hotel, einmal ist Zelten angesagt. Diesmal schlagen wir unser Zelt neben einem Baumwollfeld unter Bäumen auf. Ein kleiner Fussweg führt dem Feld entlang. Eigentlich ein schönes Plätzchen. Markus ist überzeugt, dass hier kaum jemand vorbei kommen wird, ich bin da wie immer etwas skeptischer. Aber viele Alternativen haben wir in diesem dichtbesiedelten Gebiet eh nicht. Schon beim Aufstellen des Zeltes sehen wir die ersten Leute. Markus nutzt die Gelegenheit und erkundigt sich beim Bauern, ob wir das Zelt aufstellen dürfen. Als wir am Kochen sind, spazieren oder radeln die nächsten Personen an uns vorbei. Was solls, wir glauben an das Gute im Menschen und gehen davon aus, dass sie uns in Ruhe lassen werden. Das Essen schmeckt heute ausnahmsweise nicht sonderlich gut. Beim Einkaufen einer Suppe, zumindest gingen wir davon aus, dass es eine ist, haben wir stattdessen Bouillonpulver gekauft. Das kommt heraus, wenn man die Sprache nicht spricht! Ich habe den ganzen Beutel Bouillon in 1 l Wasser gegossen, die Fertignudeln dazu gegeben – versalzen ist nur der Vorname dessen, was dabei herausgekommen ist!!

 

Kaum sind wir am nächsten Morgen aufgestanden, kommen die ersten Leute wieder vorbei, 2 Frauen mit Kinder und Kinderwagen, danach spazieren 2 junge Männer beim Zelt vorbei um nach 20 m wieder umzukehren. Neugierig sind die Usbeken alleweil. Wie oft wurden wir schon nach unserem Namen und nach unserer Herkunft gefragt, ob wir verheiratet sind, wie alt wir sind. Sobald sie die Antworten erhalten haben, sind sie auch schon wieder weg!

 

Unterwegs besichtigen wir eine Caravanserei bzw die Überreste davon, eine Zisterne und die eine oder andere Kleinstadt. Dabei erleben wir das Alltagsleben der Usbeken: wir fahren an den Märkten vorbei, sehen die farbenfroh gekleideten Frauen mit ihren Goldzähnen, die Arbeiter auf dem Feld, wir überholen etliche Eselkarren, sehen die in Uniformen gekleideten Schüler am Strassenrand, die auf den Bus warten, ihre Schirme aufgespannt zum Schutz vor der Sonne; die kleinen Mädchen fallen auf mit ihren weissen Schlaufen im Haar, die neugierigen Jungs bestaunen unserer Fahrräder, während wir Mittagsrast machen und probieren unsere Velohelme an… so viele schöne Eindrücke prasseln auf uns ein.

 

Seit dem 9. September sind wir nun in Samarkand. Den ersten Tag brauchten wir, um uns auszuruhen. Es wäre schade, die Stadt zu erkunden, wenn wir gar nicht bereit sind, die vielen Schönheiten der Stadt aufzunehmen.

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Kommentare: 1
  • #1

    Kurt (Mittwoch, 13 September 2017 21:44)

    Tönt ja doch viel besser als der windige Stress in Turkmenistan. Geniesst es!