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Taschkent - Bishkek

Innerhalb einer Woche bewegen wir uns in drei Ländern. Wir verlassen Usbekistan, reisen in Kasachstan ein um innerhalb einiger Tage nach Kirgisistan zu gelangen. Nicht schlecht! Beim Grenzübertritt Usbekistan/Kasachstan erleben wir einmal mehr eine Vorzugsbehandlung. Wir sehen die lange Warteschlange, das Gedränge auf usbekischer Seite und fragen uns bereits, wie wir mit unseren Fahrrädern entlang der Abschrankung wohl durchkommen werden. Doch einer der Grenzwächter winkt uns zu und fordert uns auf, auf der andern Seite der Abschrankung durchzukommen. So laufen wir an der ganzen Kolonne vorbei, entgehen so mehrheitlich dem Gedränge, zeigen ein erstes Mal unsere Pässe und können weiter zur Passkontrolle. Auch hier werden wir aufgefordert, gleich zum Schalter zu kommen, vorbei an den Warteschlangen. Problemlos erhalten wir den Ausreisestempel. Kein Auspacken unserer Taschen, kein Scannen, kein Warten…so einfach kann es auch gehen!  Und schon ruft uns der Kasachische Grenzwächter ein herzliches Willkommen zu! Welcher Empfang!

Voller Energie treten wir in die Pedalen, dem Gegenwind, unserem treuen Begleiter zum Trotz! Anfänglich sind wir noch auf der Schnellstrasse unterwegs, wenn immer möglich suchen wir aber, die Parallelstrassen zu nutzen, sofern es welche gibt. Das Landschafstbild ist über unendliche Strecken gleich. Rechts von uns erhebt sich die Bergkette Kirgistans mit seinen über 3000m hohen Bergen, erste Schneespitzen können wir bereits sehen. Ebenfalls rechts von uns in der Ebene verlaufen die Gleise der Eisenbahn sowie die Stromleitung, parallel dazu verläuft unsere Strasse. Die Ebene ist steppenähnlich, ab und zu sehen wir eine Schaf- oder Kuhherde, begleitet von Pferden mit ihren Reitern. Diese Bilder erinnern mich an den Film von Dr. Schiwago! Gegen Abend finden wir ganz in der Nähe eines kleinen Dorfes ein geeignetes schönes Plätzchen zum Campen. Lange draussen sitzen und einen gemütlichen lauen Abend geniessen ist leider vorbei. Der Herbst hat von heute auf Morgen Einzug gehalten. Hatten wir in Kiwah tagsüber noch Temperaturen von über 30°C, ziehen wir uns nun am Morgen bereits warm an, am Abend geht ohne lange Hose und Jacke nichts mehr, die Temperaturen fallen nachts unter 10°C. Die Blätter der Bäume haben sich bereits verfärbt. Überall entlang der Strasse verkaufen die Bauern nun nebst den letzten Tomaten, Gurken und Melonen auch Trauben, Kürbisse sowie Kartoffeln und Zwiebeln abgepackt in grossen Säcken für den Wintervorrat.

 

Nach 2 Tagen erreichen wir Shymkent. Viel gibt es hier nicht zu sehen. Wir machen nur einen kurzen Spaziergang im grossen Abay Park und genehmigen uns auf dem Rückweg zu unserem kleinen Boutique Hotel einen Drink im Grand Palace.

 

Wir brauchen 2 weitere Tage, um nach Taraz zu gelangen. Unterwegs hat es zwar viele kleine Strassendörfer, die uns teilweise an Rumänien erinnern. Hotels oder auch nur Guesthouses gibt es nicht. Somit ist bereits wieder campen angesagt. Allmählich werden wir besser, gute und schöne Plätze zu finden. Wir schlagen unser Zelt am Ufer eines kleinen Baches auf, geniessen den Sonnenuntergang. Als wir bereits in unseren Schlafsäcken liegen, bekommen wir Besuch: einige Kühe weiden um unser Zelt. So schlafen wir mit dem Geräusch der schnaufenden und käuenden Kuh im Ohr ein.

 

Zwischenzeitlich sind wir schon richtig geübt im Zusammenpacken unseres Nachtlagers und dem Zubereiten des Frühstücks. Wir freuen uns immer auf den heissen Kaffe, das Honigbrot und unser Yoghurt sowie die schöne Morgenstimmung. Gestärkt radeln wir dann los. Als wir unterwegs in einem Laden Wasser kaufen, rennen 2 kleine Mädchen über die Strasse und schenken uns eine Birne von ihrem Früchtestand. Wie schön!

 

Unterwegs treffen wir nach Langem wieder einmal 2 Radfahrer, Marleen und Sera. Sie fahren in die umgekehrte Richtung. Natürlich halten wir an, unterhalten uns. Es gibt immer viel zu berichten und es ist auch interessant zu erfahren, welche Route andere Radfahrer gewählt haben. Wir tauschen Adressen und Homepages aus. Die Zeit vergeht im Fluge, wir müssen weiter, wenn wir noch Taraz erreichen wollen. 12 km vor Taraz gibt es noch ein Mausoleum zu besichtigen. Wir machen den kurzen Abstecher von 400m, wir sind aber zu verwöhnt von den Sehenswürdigkeiten Usbekistans. Der Abstecher hat sich kaum gelohnt. Kurz bevor es dämmrig wird, erreichen wir die Stadt. Wir haben bereits ein kleines Boutiquehotel gebucht, aber ganz so einfach ist es nicht, dieses zu finden. Gemäss Google /maps.me sind wir zwar am richtigen Ort, können das Hotel aber nirgends sehen. So rufen wir den Besitzer an, der uns abholt und zum Hotel führt. Es liegt etwas versteckt in einer kleinen Seitengasse. Einmal mehr hilft google translator um uns mit dem Besitzer zu unterhalten. In Kasachstan haben wir bis jetzt sehr wenige Leute getroffen, die Englisch sprechen. Russischkenntnisse wären definitiv hilfreich. Aber auch das kyrillische Alphabet beherrschen wir noch nicht. Umso besser, dass uns Mansour sogar eine kleine Lektion erteilt, um die App noch besser bedienen zu können. Zum Abendessen führt uns Mansour zum Restaurant seines Bruders, Rücktransport ist ebenfalls organisiert. Das läuft ja alles wie am Schnürchen.

 

Am Abend schauen wir uns noch den Wetterbericht an. In den kommenden Tagen ist Regen angesagt. Deshalb entschliessen wir, keine Zeit in Taraz zu verbringen und gleich weiter zu fahren.

 

Der nächste Tag ist ein Higlight für uns! Nach über einem Monat on the road, genauer gesagt, seit wir Mashhad verlassen haben, haben wir endlich wieder einmal Rückenwind! Welch herrliches Gefühl das ist, mit über 20km/h unterwegs zu sein. Wir haben das Gefühl zu fliegen und bewältigen die kleinen Steigungen problemlos. Nach etwas mehr als 100km starten wir die Suche nach einer Campingmöglichkeit. Zudem haben wir die glorreiche Idee, uns am Abend einen Drink zu gönnen. Wir halten beim ersten kleinen Laden an um einen Cognac zu kaufen. Aber hier gibt es keinen Alkohol. Auch im 2. Laden erhalten wir eine abschlägige Antwort. Das kann doch nicht sein, dass wir in einem Land, das für seinen Wodkakonsum und sein gutes Bier bekannt ist, keinen Alkohol kaufen können?  Sind wir etwa im falschen Film gelandet oder haben wir etwa falsche Vorstellungen von Kasachstan? Ich will das Unterfangen bereits aufgeben, doch Markus ist hartnäckig und wird tatsächlich beim dritten Anlauf fündig.

 

Das Finden eines geeigneten Campingplatzes ist dieses Mal nicht ganz einfach. Wie immer, passt mir der erste Vorschlag von Markus nicht. Markus ist nicht gerade erfreut darüber, aber wir pedalen weiter. Endlich, nach 125km Fahrt finden wir das ideale Plätzchen, das auch mir passt: Blick auf die Berge, weite Steppen, Schafherde, Sonnenuntergang – und ein guter Drink (Cognac gemischt mit Apfelsaft – das könnt ihr gerne mal selbst probieren, es lohnt sich) wir sind zufrieden mit dem Tag und lassen ihn so richtig schön ausklingen.

 

Die nächsten beiden Tage sind ereignislos, auch nicht besonders schön zum Fahren. Kasachen und Kirgisen fahren wie die Verbrecher und kümmern sich nicht um die Velofahrer, wie wir das bis jetzt in den andern Ländern positiv erlebt haben. Wir passieren die Grenze von Kasachstan nach Kirgistan problemlos. Das Landschaftsbild bleibt gleich, auch hier folgt ein Strassendorf dem andern. Der grosse Unterschied zu Kasachstan sind die schlechteren Strassen. Über weite Strecken ist es holprig. Auffallend sind die vielen Mercedes, neue und alte Modelle. Vor allem die alten Lastwagen nebeln uns mit ihren Abgasen ein. Ob das gesund ist nebst all dem Staub, den wir sonst einatmen?

 

Wo immer wir anhalten, sei es an einem Lichtsignal, wenn wir etwas einkaufen oder auch nur eine kurze Pause machen, kommen die Einheimischen auf uns zu und erkundigen sich, woher wir kommen und wohin wir gehen. Das ist für uns fast zu einem Ritual geworden. Zuwinken, antworten, lächeln… und hinstehen, damit ein Selfie gemacht werden kann.

 

Nach einer weiteren Übernachtung in Kara-Balta in einem Hotel aus der Sowjetzeit treffen wir in Bishkek ein. Schon kurz nachdem wir das Hotel erreicht haben, beginnt es zu regnen. Welches Glück wir doch hatten, dem Regen bis jetzt zu entkommen!

 

Heute hat es fast den ganzen Tag geregnet. Wir haben das Hotel nur kurz verlassen um einzukaufen. Den Rest der Zeit haben wir damit verbracht, die nächste Reiseetappe zu planen. Wir weichen von unserer ursprünglichen Route ab und fahren nicht direkt nach Almaty sondern werden den Weg entlang den Issy-Köy See wählen. Dies soll landschaftlich die schönere Strecke sein. Lassen wir uns überraschen.

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Kommentare: 1
  • #1

    Ruth Christen (Samstag, 30 September 2017 15:46)

    In den kommenden Wintermonaten, werde ich sicher alle Eure Eintrage nochmals lesen, ich bin immer gespannt auf Eure Reiseberichte. Uh.. wie gerne würde ich auch wieder einmal eine Wüstenlandschaft sehen! Weiterhin viel Glück, vor allem auch Wetterglück und weiterhin sympathische Begegnungen mit der Bevölkerung.