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Bishkek -Bosteri - 10'000km

Bishkek ist eine weitere Grosstadt mit vielen Gebäuden aus der Sowjet Zeit. Wir sehen uns nur wenige Sights an, das graue und regnerische Wetter lädt nicht zu einem Stadtbummel ein. In einem der grossen Shoppincenter rüsten wir uns noch für die Weiterfahrt etwas auf: in einem Sportgeschäft kaufen wir uns ein weiteres Paar Windstopper Handschuhe. Zwei Abende verbringen wir in angenehmer Gesellschaft mit einem deutschen Ehepaar, Ursula und Fritjof, welche wir im Hotel kennen gelernt haben. Wir essen in einem feinen japanischen Restaurant. Herrlich, dieses Sushi! Und zu Preisen, da kann man sich den Bauch richtig vollschlagen!

Am Morgen unserer Abfahrt aus Bishkek scheint die Sonne wieder von einem stahlblauen Himmel, aber es ist kalt. Wir haben uns warm gekleidet, so wie bei unserer Abfahrt im März: Kappe, Buff, Jacke, lange Hose, Schisocken, Überziehschuhe, und natürlich unsere neuen Windstopper Handschuhe.

 

Gutgelaunt fahren wir los. Ein weiterer Tag mir Rückenwind steht uns bevor – auch wenn daraus schlussendlich nur ein halber Tag wurde. So macht Fahrradfahren Spass. Wir machen noch die letzten Fotos in Bishkek. Bei schönem Wetter sieht die Stadt gleich nicht mehr so trist aus! Das Bild, das uns ausserhalb der Stadt präsentiert wirt ist fantastisch: die Berge sind alle frisch verschneit, die Bäume leuchten in den Herbstfarben, die Steppen in ihrem Gelbton tragen ihres dazu bei. Und wenn dann noch gerade eine Pferdeherde im Vordergrund weidet, ist das Bild perfekt. Wir geniessen den Tag, trampen vor uns hin, hängen unseren Gedanken nach – nichts spektakuläres und trotzdem einfach herrlich. Wir geniessen den Moment. Rechtzeitig beginnen wir die Suche nach einem geeigneten Schlafplatz und finden ein ruhiges Plätzchen nahe bei einer Nebenstrasse. So haben wir kaum Verkehrslärm. Weil die Abende nun kalt sind, haben wir uns noch einen grossen Plastik gekauft, den wir über die Fahrräder spannen können. Wir setzen uns darunter, so haben wir beim Nachtessen einen Windschutz und das bisschen Wärme bleibt uns etwas länger erhalten.

 

Der 2. Oktober geht für uns beide in die Geschichte ein. Nach einer zwar etwas anstregneden Fahrt durch ein beeindruckendes Tal mit einigen Höhenmetern und wie meistens  Gegenwind ist es soweit. Unser Tacho zeigt 10’000km an! Wir halten an, machen eine Fotosession mit dem Selbstauslöser und gönnen uns ein Stück Kuchen und einen kleinen Schluck Cognac – mehr liegt nicht drin, denn wir müssen ja noch weiter fahren! Markus und ich stellen etwas nüchtern fest, dass diese 10’000km keine grossen Gefühlsausbrüche auslösen – aber was wir auf dem Weg bis hierhin erlebt haben, das macht es definitiv aus! Wir möchten es auf keinen Fall missen.

 

Am späteren Nachmittag erreichen wir dann endlich den Issyk Köl See, den weltweit zweitgrösste alpinen See nach dem Titicaca See. Wir sind nun auf ca 1700müM und werden es die nächsten Tage auch bleiben. Das Landschaftsbild ist einmalig. Links und rechts ziehen sich Bergketten dem See entlang, davor sind die Steppen. Schade nur, dass es doch etliche Bauruinen gibt, die das Landschaftsbild etwas trüben.

 

Das Gebiet am und um den See ist sehr touristisch, zumindest im Juli und August. Viele Einheimische verbringen das Wochenende in den Bergen und am See, Hiker kommen zum Trekking hierher, Pferdetouren werden angeboten, im See wird gebadet, Jet ski gefahren, alles wird geboten, was so dazu gehört. Aber – wir sind im Oktober hier. Fast alles ist geschlossen. Alle die Stände, an welchen einheimische Produkte, Souvenirs, Getränke und Essen angeboten werden, sind bereits winterdicht gemacht worden. Das gilt auch für die undendlich vielen Hotels, Geusthouses usw. Alle die wir finden sind geschlossen. Schlussendlich landen wir in einem dieser Hotels, das wir lieber gleich wieder aus dem Gedächtnis streichen wollen. Es ist eine Mischung aus Reha und Hotel, aber nicht ganz nach Schweizer Standard. Es ist ein riesiges, graues und heruntergekommenes Gebäude, jedoch mit einem wunderschönen Garten.  Die Zimmer sind zwar sauber aber hässlich. Bei der Réception hängen jene Awards, Auszeichnungen usw. Wir fragen uns, woher die wohl kommen. Während Markus das Administrative regelt, warte ich vor dem Hotel bei den Fahrrädern. Ich werde von den Gästen angeschaut, als ob ich vom Mond käme, aber keiner sagt ein Wort. Aus den Gesprächsfetzen kann ich entnehmen, dass über mich/uns gesprochen wird. Wir beziehen schlussendlich unser Zimmer. Wie immer in solchen Fällen sind wir froh um unseren eigenen Schlafsack. Das gibt uns zumindest ein bisschen das Gefühl zu Hause zu sein. Die Essenszeiten sind genau geregelt: Frühstück von 9.00 – 10.00, Abendessen von 19.00 – 20.00. Alternativen hat es in der näheren Umgebung leider keine. Aber auch diese beiden Tage werden wir überstehen.

 

Zu allem Übel ist heute und Morgen Regen angesagt, so dass wir hier bleiben, denn danach ist wieder camping angesagt. Das wollen wir lieber in Angriff nehmen, wenn das gute Wetter wieder zurück ist!

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Kommentare: 4
  • #1

    Ruth (Mittwoch, 04 Oktober 2017 21:04)

    Herzliche Gratulation Euch Beiden - 10 000km - welche Superleistung.! Das Bild mit den Zypressen (oder ähnlich) und den Schneebergen - wunderbar eindrücklich. Weiterhin gute Fahrt und hoffentlich nicht zu eisige Temperaturen.

  • #2

    Loher Christine und Urs (Samstag, 07 Oktober 2017 10:17)

    Herzlichen Glückwunsch zu den 10'000 km. Was für eine Leistung. Ich freue mich auf die baldigen Ferien, wo ich Euren Blog nachlesen werde. Verrückt, was Ihr alles erlebt habt.
    Wie weit Ihr wohl beim nahenden Winter noch kommen werdet?
    Wir wünschen Euch weiterhin gute Fahrt und viele tolle Erlebnisse.
    Liebe Grüsse aus dem verschneiten Davos.
    Christine und Urs

  • #3

    Beatrix (Samstag, 07 Oktober 2017 19:44)

    10000 km mit dem Velo - was für eine eindrückliche Leistung! Ich gratuliere euch herzlich! Beatrix

  • #4

    Corinne&Christian Stiefel (Dienstag, 17 Oktober 2017 14:56)

    Gratulation ihr zwei, wir ziehen den Hut vor eurer Leistung. Unsere beiden Treffen waren toll und wir freuen uns auf ein Wiedersehen nächsten Frühling. Liebe Grüsse,mittlerweile aus dem heißen Rajasthan (Indien) , Corinne und Christian