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Xi’An Airport – Xi’An City

Was nach einer kurzen Fahrt ins Stadtzentrum aussieht, gemäss Karte sind es rund 37km, entpuppt sich als eine kleine Knacknuss. Nach einer kurzen Nacht starten wir frohgemut unsere erste Veloettappe bei wunderbar wamem Wetter. 

 

Als erstes statten wir dem Bankomaten der Bank of China einen Besuch ab, denn auch in China geht es nicht ganz ohne Bargeld, insbesondere da wir kein Konto in China haben und zudem Ausländer sind. Die ausländischen Kreditkarten werden nur teilweise akzeptiert. Die lokale Bevölkerung hat es diesbezüglich viel einfacher. Sie benötigt nur das Handy mit der entsprechenden App um alle Zahlungen machen zu können, sei dies im Restaurant, im Shop, für Einkäufe jeglicher Art. Da sind uns die Chinesen in der Entwicklung voraus. Schnell haben wir das Geld bezogen.

Bekanntlich sind die internationalen Flughäfen nicht dafür ausgerichtet, Zufahrtstrassen für die wenigen Velofahrer zu bauen. Vielmehr führen Schnellstrassen oder Autobahnen zum oder vom Flughafengelände weg. Wie sollen wir aus diesem Wirrwarr an Strassen nur herausfinden? Markus schaltet sein maps.me ein und gibt unser Endziel ein. Wir radeln los und folgen brav der Navigation. Es dauert jedoch nicht lange bevor wir bereits in der ersten Sackgasse landen. Ein Zaun hindert uns an der Weiterfahrt. Also kehren wir um und versuchen die nächste mögliche Strasse. Aber auch hier sind wir nicht erfolgreich. Wir fahren auf den Expressway zu, mit einem Verbotsschild für Velofahrer. Ich überlege bereits, in ein Taxi zu steigen und uns in die Stadt fahren zu lassen. Markus hat aber gar kein Gehör dafür.  Es gibt schliesslich noch weitere Strassen und somit Versuchsmöglichkeiten. Ab und zu stellen wir fest, dass wir wieder am gleichen Ort vorbei fahren wie 1/4h zuvor, was solls. Wir geben nicht auf. Als wir auf einen Parkplatz zufahren, hält uns eine Beamtin an, erklärt, dass wir diesen Platz nicht befahren dürfen, kann uns dafür aber den richtigen Tipp geben, wie wir an einem der 3 Terminals vorbei fahren und auf eine Seitenstrasse gelangen können, auf der auch Fahrräder erlaubt sind. Ganze 10km haben wir gebraucht..

 

Einmal auf dem richtigen Weg, wird die Weiterfahrt ins Zentrum der Stadt einfach und stressfrei. Herrlich sind die vielen und vor allem breiten Radwege, davon können wir zu Hause nur träumen. Auch wenn diese Wege/Strassenabschnitte ab und zu mit parkenden Autos belegt sind, kümmert uns das kaum. Vielmehr sind wir immer wieder erstaunt, wie ruhig der Verkehr von statten geht und das in einer Stadt mit über 8 Mio. Einwohnern! Niemand scheint sich aufzuregen, gehupt wird zwar, aber nur um auf sich aufmerksam zu machen, weniger um jemanden wegzudrängen. Die Anzahl der Verkehrsteilnehmer hält sich aus unserer Sicht sehr im Rahmen, wenn man die grösse der Stadt im Auge hat. Autos hat es zwar. Auffallend ist, dass es kaum Kleinwagen gibt, wenn schon, dann sind es Mittelklasse- oder Luxusautos. Die Scooter sind in Xi’An alle elektrisch betrieben, somit hält sich auch der Strassenlärm in Grenzen.  

 

Die ersten Eindrücke prasseln auf dieser kurzen Fahrt auf uns ein. Neue Stadtteile sind am Entstehen, Hochhäuser wachsen in den Himmel, Armierungseisen stehen in Reih und Glied, Parkanlagen sind teilweise bereits gestaltet, es feheln nur noch die Wohnhäuser, riesige Bauflächen werden neu erschlossen, indem alte Wohnsiedlungen dem Erdboden gleichgemacht werden…Davon haben wir in unseren Zeitungen bereits viel gelesen. Der Neujahrsschmuck vom Chinesischen Neujahr ziert noch häufig die Strassen und beleuchten diese am Abend. Viele Personen sind bereits damit beschäftigt, den Schmuck für die 1. Mai Feier bereit zu stellen. Riesige Tribünen werden aufgebaut, Blumenschmuck arrangiert, Fahnen aufgehängt. Was sonst noch alles dazu kommt, werden wir demnächst erleben. 

 

Die Fahrt ins Zentrum ist kurzweilig, trotzdem sind wir froh, nach 50km am Ziel zu sein. Wir übernachten in einem schönen Hotel innerhalb der Stadtmauer. Wir wissen ja nicht, wie oft wir noch in den Genuss von etwas Luxus kommen. Wir unternehmen an diesem Abend nicht mehr viel, sind wir nach den Reisestrapazen doch etwas müde. Wir essen nur noch im Restaurant Cycliste etwas, bevor wir nach 2 kurzen Nächten in tiefen Schlaf fallen und erst geschlagene 11h später wieder aufstehen. Es scheint, dass wir das bitter nötig hatten.

 

Die nächsten 3 Tage ist Sigth seeing angesagt. Selbstverständlich steht die Terracotta Armee zuoberst auf unserer Liste. Imposant und eindrücklich sind diese Generäle, Offiziere und Infanteristen in Ton allemal, wie sie da in Reih und Glied stehen, vor allem wenn man bedenkt, dass sie der Herrscher der Qin Dynastie vor über 2000 Jahren errichten liess. 2000 Stück wurden seit der zufälligen Entdeckung durch Bauern, die im Jahre 1974 nach Wasser gegraben haben, wiederhergestellt. Die restlichen 6000 Stück gräbt man vorerst noch nicht aus. Bis jetzt wurde noch keine Methode gefunden, die Farbe, welche zum Einfärben der Soldaten genutzt wurde, zu erhalten. Jährlich besuchen über 6 Mio Leute diese Sehenswürdigkeit.

 

Wir flanieren in dem aus unserer Sicht sehr touristischen Muslimviertel. Hier wird viel Essen angeboten, Souvenirshops reihen sich aneinander, der Bazar darf nicht fehlen wie auch die Moschee nicht.

 

Eine 13km lange Radtour auf der Stadtmauer von Xi’An lassen wir uns nicht entgehen. Unsere eigenen Räder dürfen wir leider nicht mitnehmen, wir begnügen uns mit den Mietvelos. Für diese kurze Strecke ist es o.k. Auch die Wildganspagoda ist auf dem Programm inklusive Besteigung der 11 Sockwerke.

 

Last but not least nutzen wir die Zeit in Xi’An, uns mit Essen einzudecken und vor allem eine lokale SIM-Karte zu kaufen. Schliesslich möchten wir während unseres China-Aufenthaltes mit dem Rest der Welt in Verbindung bleiben. Der erste Versuch, in einem Handyshop eine SIM Karte zu kaufen scheitert. Aber wir geben nicht so schnell auf. Dank maps.me finden wir die nächstgelege China Unicom Niederlassung relative schnell. Der Verkäufer nimmt sich wirklich Zeit für uns und unser Anliegen, erledigt alle Formalitäten, macht Kopien des Passes, schliesst den 4monatigen Vertrag mit uns ab. Die Schlange hinter uns wird immer etwas länger, der Verkäufer lässt sich aber nicht stressen, obwohl der eine oder andere Kunde den Laden entnervt verlässt. Als alles erledigt ist und wir die SIM Karte in unser 3. Handy einführen, kommt die Ernüchterung. Mit dem Handy können wir nur telefonieren, jedoch keine Daten herunterladen. Uns bleibt nichts anderes übrig, als ein chinesisches Handy zu kaufen. China lässt grüssen. Immerhin, jetzt sind wir gerüstet, alles funktioniert. 

 

Am Montag beginnt für uns wieder die Veloroutine oder wie Markus und ich zu sagen pflegen: der “Arbeitsalltag” hat uns wieder im Griff. So interessant Xi’An auch war, wir sind froh, die Stadt verlassen zu können.

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