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Unsere erste Velowoche

Xi'An liegt bereits 6 Velotage hinter uns. Die ersten 3 Tage waren wettermässig nicht besonders toll. Nach dem herrlichen Wetter von Xi'An war es nun regnerisch, grau in grau und vor allem kalt. Das war nicht der Einstieg auf unsere Tour, den wir uns vorgestellt hatten. Wir mussten uns regelrecht einen Schubs geben, uns doch auf die Räder zu schwingen und loszufahren. Wir verlassen die Millionenstadt schon ganz routiniert, als wäre es die natürlichste Sache der Welt. 

Schon bald sind wir im Grünen, uns kommt es wie ein grosser Garten vor. Baumplantagen wechseln sich ab mit Weizenfeldern, jeder noch sein kleine Erdfleck wir genutzt, um Gemüse anzubauen. Wenn immer möglich versuchen wir Nebenstrassen zu fahren, welche uns durch kleine Dörfer führen. Wir Langnasen werden bestaunt, aber auch wir schauen die Leute an, werfen Blicke in die Innenhöfe der Häuser. Die Farbe rot ist ein ständiger Begleiter. Rot symbolisiert das Leben und Glück. Zudem steht sie für Wärme, Ruhm und Kraft. Deshalb erstaunt es auch nicht, dass über fast jedem Hauseingang rote Lampions hängen und die Eingangstore Dunkelrot sind. Oft hängt ein rotes Tuch vor der Eingangstür. Die Hauptstrasse wird von unzähligen kleinen Läden gesäumt, mal werden Haushaltartikel verkauft, Schuhe oder Kleider, aber am meisten sehen wir kleine Lebensmittelläden. Die Auswahl ist nicht besonders gross, aber das Nötigste findet man alleweil. Für uns wichtig sind vor allem Guetsli und Früchte für zwischendurch und Fertiggerichte z.B. Nudeln für den Fall, dass wir campen müssen.

 

Die erste Nacht verbringen wir in Zhouzhi. Es regnet in Strömen, als wir in die Stadt einfahren. Das Hotel ist nur in chinesisch angeschrieben, somit nicht ganz einfach zu finden. Wir haben gottseidank einen in chinesisch geschriebenen Voucher dabei, da sollte ja nichts schief gehen. Also nichts wie los, ich zeige diesen einem Mann, der in der Nähe des Hotels einen kleinen Laden hat und frage nach der Richtung. Hilfsbereit wie er ist, zeigt er auf die gegenüberliegende Strassenseite. Damit nicht genug, fordert er mich auf, ihm zu folgen. Markus bleibt bei den Fahrrädern. Wir fahren in den 7. Stock und siehe da, da ist doch tatsächlich die Reception. Ich schaue mir das Zimmer an und bestätige, dass es o.k. ist. Also gehts wieder hinunter, Fahrräder holen, diese in den Lift verfrachten und zurück in den 7. Stock. Erst beim einchecken wird uns mitgeteilt, dass wir im falschen Hotel sind! Kurzentschlossen entscheiden wir uns trotzdem zu bleiben. Bei diesem Wetter haben wir keine Lust auf weiteres Auskundschaften der Stadt. Das Lehrgeld von CHF 20.0 treibt uns nicht in den Ruin. Einziger Makel des Hotels, im 11. Stock wird bis spät in die Nacht Karaoke gesungen.

 

Ein kleines Highlight erleben wir am Abend in Mei, unserem nächsten Etappenziel. Wir spazieren entlang der Strasse auf der Suche nach einem Restaurant. Wir werden schnell fündig, reiht sich doch ein kleines Lokal ans andere an. Wie gut es überall riecht. Da wo bereits am meisten Leute am Essen sind halten wir inne und schauen uns das Angebot an. Im Schaukasten hat es eine grosse Auswahl an Gemüse, lecker! Bevor wir es uns anders überlegen können, steht bereits die " Wirtin" neben uns, fragt was wir gerne wollen. Die Auswahl ist schnell getroffen: Gemüse, einen grossen Teller Noodel und für Markus gibt es zusätzlich diverse Spiessli, welche wie bei einem Apéro riche laufend frisch serviert werden. Wir setzen uns an einen Tisch mit Einheimischen, welche schon fleissig am Trinken ihres Schnapses sind. Zuerst werden wir von allen Gästen mal bestaunt. Es dauert aber nicht lange, bis Markus der erste Becher Schnaps angeboten wird. Mit unserem google translator beginnen wir uns mit unseren Tischnachbarn zu unterhalten. Die Wirtin gesellt sich ebenfalls zu uns, wir  plaudern über unsere Reise, sie zeigt mir Bilder ihrer Familie, erzählt wo sie wohnt.  Es ist richtig gemütlich inmitten der lokalen Bevölkerung. Und das Essen ist köstlich. Rechtzeitig verlassen wir das Lokal, da wir am nächsten Tag ja wieder fit sein möchten für unsere nächste Tagesetappe.

 

Bereits erreichen wir am nächsten Nachmittag die nächste Millionenstadt mit 3,7 Mio. Einwohnern. Die Tagesetappe ist relative kuzr,  der Tacho zeigt nur 50km zeigt an. Entsprechend haben wir Zeit, Downtown Baoji anzuschauen. Wir fokussieren uns auf eine Sehenswürdigkeit, ein Denkmal, das auf einem Hügel über der Stadt liegt. Von hier aus hat man einen herrlichen Überblick über die ganze Stadt, den Fluss und die Berge. Einziger Vermuthstropfen: 1000 Treppen sind zu steigen. Wir nehmens sportlich! Schliesslich wollen wir unsere Muskeln nicht zu einseitig trainieren. Der Muskelkater meldet sich wie erwartet am nächsten Morgen. 

 

 Wir verlassen bereits das Flachland und kommen den Hügeln und Bergen näher. Die Qinling Bergkette, welche Nord- und Südchina trennt, wird uns in nächster Zeit einige Höhenmeter bescheren. Die ersten haben wir bereits hinter uns. Als Entschädigung fahren wir in einem grossen Tal mehrheitlich dem Fluss entlang, links und rechts erheben sich Bergkuppen. Welch schöne Abwechslung zu den Grossstädten! Die Strasse verläuft aber nicht, wie man annehmen könnte, schön dem Fluss entlang. Die Fahrt ist eher vergleichbar, wie wenn man der Côte D’Azur entlang fährt, hoch und runter, hoch und runter. Wir nehmen’s gelassen, machen unsere Pausen. Unterwegs treffen wir einen jungen chinesischen Radfahrer, welcher in die gleiche Richtung fährt. Er erzählt uns, dass er täglich über 140km fährt. Wow, da können wir nicht mithalten, so denken wir zumindest. Wir stellen dann aber bald fest, dass er nicht schneller ist als wir. Auch wir schaffen an diesem Tag 107km. Ein bisschen stolz sind wir schon. 

 

Zum Abschluss der ersten Velowoche steht ein Ausflug von 60km zu den Maijishan Grotten auf dem Programm. Hier findet man einige der berühmtesten buddhistischen Steinmetzarbeiten an der Seidenstrasse. 221 Grotten sind in die Felsenwände gehauen, die über 7800 Skultpturen enthalten. Diese Werke wurden zwischen 386 und 581 n.Chr. erstellt. Die meisten dieser Grotten sind durch Stege verbunden. Eindrücklich ist auch die 15.7m hohe Dreiergruppe aus Buddha und Bodhisattvas am Berg, welche aus Lehm besteht. Wie diese Steinmetzarbeiten an diesem hohen Berg überhaupt gemacht werden konnten, ist heute noch nicht geklärt. Dei Besichtigung über diese Stege ist schon etwas schwindelerregend, der Besuch hat sich aber auf alle Fälle gelohnt!  

 

Wir freuen uns auf die Rückfahrt nach Maiji, soll es doch merheitlich abwärts gehen und der Wind bläst auch von der richtigen Richtung. So einfach kommen wir dann doch nicht zurück ins Hotel. Zuerst werden wir von einem heftigen Gewitter überrascht, und danach fahren wir auf einer sich im Bau befindenden Strasse. Zusammen mit dem Regen ist alles matschig, dreckig, rutschig. Aus dem Sausen lassen wird leider nichts! Und wie unsere Velos erst aussehen…

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