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Welch schwieriger Start in die neue Woche

Es ist Montag der 30. April. Punkt 7.00 klingelt der Wecker. Ein erster Blick nach draussen ist nicht gerade verheissungsvoll: der Himmel ist grau und mit Wolken verhangen, es regnet. Am liebsten würden Markus und ich uns nochmals im Bett umdrehen und weiter schlafen. Aber so einfach machen wir es uns doch nicht. Auf geht’s! Wir ziehen unsere warmen Velokleider an, bevor wir ein stärkendes Frühstück zu uns nehmen. Danach holen wir das Gepäck aus unserem Zimmer und fahren mit dem Lift direkt in die Tiefgarage, wo unsere Fahrräder bepackt werden. Wir haben gehofft, dass der Regen zwischenzeitlich eine Pause eingelegt hat, leider ist die Rechnung nicht aufgegangen. Also ziehen wir noch unsere Regenkleider an: Schuhüberzüge, Regenhose, Regenjacke, Helmüberzug und Handschuhe. Wir sind gewappnet. Das Auschecken aus dem Hotel verläuft fast reibungslos, ausser dass Markus die 2.Keycard für das Hotelzimmer nicht mehr findet. Super! Wie erkläre ich das dem Hotelpersonal wieder? Ganz einfach, indem ich gleich nach dem Preis frage, den die Keycard kostet. Schon ist die Sache geritzt, bezahlen muss ich nichts.

Endlich können wir losfahren. Tianshui lassen wir nach kurzer Zeit hinter uns, bald sind wir auf der richtigen Strasse G316 Richtung Gangu. Was wir nicht wissen, worauf aber angeblich einige Strassenschilder hingewiesen haben und vor allem, was die Chinesen wissen, ist, dass sich ein langer Streckenabschnitt unserer heutigen Tagesetappe im Bau befindet. Nach dem Regen der letzten Nacht und dem immer noch anhaltenden Regen hat es zur Folge, dass sich die sonst staubige, teilweise lehmige Schicht der Strasse in Dreck und Sumpf verwandelt hat. Das kann ja heiter werden. Mit knapp 10km/h bewegen wir uns mit dem restlichen Verkehr vorwärts, weichen Löchern aus, fahren durch kleine und grosse Regenpfützen. Absteigen ist keine Option, denn dann stehen wir mitten im Dreck! Zudem versuchen wir, den Autos und Lastwagen auszuweichen so gut es geht, denn diese nehmen keine allzu grosse Rücksicht, wenn sie durch die Pfützen fahren und uns verspritzen. Plötzlich stehen wir vor einer riesigen Pfütze, die für uns Velofahrer nicht passierbar ist. Wir schieben unsere Räder auf den etwas erhöhten “Fussgängerpfad” und suchen uns die nächstebeste Seitenstrasse. Dort biegen wir ab, denn gemäss maps.me sollten wir dieses Hindernis so umgehen können. Leider funktioniert auch das nicht. Die eingezeichnete Strasse ist mit einem riesiegen Haufen Sand blockiert, ein Durchkommen ist auch hier nicht möglich. Als letzte Möglichkeit folgen wir einem schmalen glitschigen Fussweg, schieben unsere bepackten Räder so gut es geht vor uns hin. Das kommt nicht gut. Dreck und Strohresten, Gräser oder was auch immer verfangen sich zwischen Schutzblech und Rad. Bevor wir überhaupt ans Weiterfahren denken können, müssen wir diesen Dreck entfernen. Wir machen weiterhing gut Miene, schliesslich machen wir das alles freiwillig. Velo und Gepäck sehen schlimm aus. So gut es geht, reinigen wir alles. Zum Glück treffen wir einige hundert Meter weiter auf einen Bauern, der mit einem riesigen Schlauch Wasser auf seine Felder leitet. Diesen Schlauch nutzen wir, um alles abzuspritzen. Immerhin können wir jetzt an ein Weiterfahren denken. Nach diesem kleinen ungewollten Umweg landen wir wieder auf der G312. Eine alternative Route können wir nicht nehmen, ohne den ganzen Weg zurück zu fahren. Also kämpfen wir uns im gemächlichen Tempo die nächsten Stunden vorwärts. So richtig Spass macht das nicht! Zur Krönung dürfen wir auf dieser Dreckstrasse noch einen kleinen Hügel hochfahren bevor wir leicht erschöpft Gangu erreichen. 

 

Immerhin ist der Empfang im Hotel grossartig. Die Hotelbesitzer scheint es nicht zu stören, dass unser Gepäck so schmutzig ist, sie tragen es gleich selbst in unser Hotelzimmer. Bevor wir uns überhaupt umziehen können, werden die oblgaten Fotos gemacht.

 

Unser Tagwerk ist noch nicht ganz beendet. Das Duschen unserer Velotaschen nimmt noch einige Zeit in Anspruch. Erst dann gönnen wir uns ein leckeres Abendessen und den wohlverdienten Schlaf auf harten Matratzen.

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