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Yongdeng - Jiayuguang

Zwischenzeitlich sind wir bereits 700km und 3100 Höhenmeter weiter westlich. Das sind wir gerade mal in 8 Tage geradelt. Wenn wir nicht am Radfahren sind, ist Sigthseeing angesagt, mit viel Kultur und Geschichte. Eigentliche Ruhetage haben wir bis jetzt kaum gehabt, denn auch das Sightseeing ist anspruchsvoll und teilweise anstregned. Treppensteigen gehört bei jedem Ausflug dazu, sei es dass wir uns einen Tempel anschauen, Grotten, wunderbare Landschaften, was auch immer.

 

Aber zuerst alles schön der Reihe nach. Von unserem herrlichen Zeltplatz aus führt uns eine erste Tagesettappe nach Dachaigou, ein kleines, verlassen wirkendes Dorf in den Pampas draussen. Wir können uns glücklich schätzen, dass wir hier überhaupt eine Unterkunft finden, es ist das einzige Motel weit und breit. Eine hilfsbereite Frau zeigt uns den Weg zum Motel, das wir sonst definitive nicht gefunden hätten und unterstüzt mich bei den Formalitäten. Ganz so reibungslos geht es nicht vonstatten. Da der Besitzer keinen Fotokopierapparat hat, muss ich zuerste ins nächste Kopiergeschäft gehen und unsere Pässe kopieren inkl. Visa. In China ist es nach wie vor Pflicht, dass die Hotels uns Ausländer registrieren. Auch zum Kopiergeschäft begleitet mich die Frau und übernimmt sogar die 2 Yuan Kopierkosten. Markus fährt in der Zwischenzeit unsere beladenen Velos durch einen schmalen Gang direkt in unser Schlafzimmer. Viel Platz bleibt nicht übrig, es reicht gerade, um uns umzudrehen, ins Bett zu steigen oder ins Bad zu gehen! Immerhin warm duschen können wir hier, wunderbar. In der gegenüberliegenden Dorfbeiz beschliessen wir den Abend mit einem herrlichen Nudelgericht und warmem Tee.

Am nächsten Tag, verlassen wir die neue G312 und fahren der alten G312 entlang. Endlich haben wir das Gefühl, im landschafltich schönen Teil von China angekommen zu sein. Die Strasse ist zwar holprig, die Landschaft umso atemberaubender und vor allem hat es keinen Verkehrslärm. Die Gegend ist hier sehr verlassen, nur ab und zu sehen wir in weiter Ferne einen Bauernhof, oder den Schafhirten mit seiner Schafherde, vereinzelt auch einige Kühe die weiden. Dass es bergauf geht stört uns nicht, wir werden ja voll entschädigt. Den ersten 3000-er Pass verpassen wir nur um wenige Meter. Wären wir die neue G312 gefahren, hätten wir den ersten 3000-er Pass geschafft. Was soll’s, es warten eh noch etliche hohe Berge auf uns.

Leider endet dieser Teil der alten Strasse und wird wieder mit der neuen G312 Zzsammengeführt, für uns viel zu früh, wir wären gern noch so weitergefahren.

 

Im Verlaufe des Nachmittags suchen wir uns ein schattiges Plätzchen unter einem grossen Baum aus, um eine kleine Pause zu machen. Kaum haben wir es uns bequem gemacht, hält auf der gegenüberliegenden Strassenseite ein Polizeiauto mit drei uniformierten Polizisten an. “Wird das unsere erste Polizeikontrolle werden?” fragen wir uns gegenseitig. Der erste Polizist steigt aus, der zweite folgt ihm sogleich, und beide überqueren die Strasse. Mitten in der Strasse bleiben sie stehen – und halten das nächste Auto an. Wie sich herausstellt, handelt es sich um eine einfache Verkehrskontrolle. Die Polizisten haben es uns gleich gemacht und dafür einen schattigen Platz ausgesucht. So einfach ist das.

 

Bevor wir Wuwei erreichen, fahren wir am wunderschönen Batai-Tempel mit seinen dutzenden von weissen Pagoden vorbei. Wie herrlich sich diese weissen Pagoden im grünen Park gen Himmel erheben, im Hintergrund die Bergkette.

 

In Wuwei steigen wir in einem Hotel ab, das ebenfalls von andern Langnasen ausgesucht worden ist, einer amerikanischen Basketball Mannschaft. Die Chinesen geben uns ein Zimmer auf dem gleichen Stockwerk, was für uns zum Nachteil ist. Die jungen Basketball Spieler verbringen ihre Freizeit auf dem Gang, hören laut Musik, rufen sich zu. Wir hätten so gerne etwas Ruhe gehabt! Immerhin, vom Nachhausekommen vom Ausgang hören wir nichts. Entweder sind wir so erschöpft oder die Spieler sind tatsächlich sehr leise.

 

Die Grossstadt Zhangye war einst ein wichtiger Ort entlang der Seidenstrasse, Marco Polo soll einst einige Jahre hier gelebt haben. Sogar der Name der Stadt deutet auf die Bedeutung dieses Ortes hin, es heisst übersetzt “den Arm der Nation ausstrecken in deren westlichen Bereich”. Auch wir machen hier Halt, aber nur für einen zusätzlichen Tag.

 

Die Stadt liegt mitten im sogenannten Hexi Korridor. Der Hexi Korridor gilt als der bedeutendste Durchgang nach Westen, also nach Zentralasien. Es ist eine langgestreckte Passage von über 1000km Länge und bis zu 100km Breite. Gesäumt wird er auf beiden Seiten von Bergketten. Infolge des Schmelzwassers gibt es verschiedene Oasen, wo auch Ackerbau und Viehzucht möglich ist. Die Oasen sind von Wüste und Halbwüste umgeben.

 

In Zhangye schauen wir uns den grossen Buddha Tempel  aus dem Jahre 1098 an. Speziell daran ist, dass dieser aus Holz erbaute Tempel noch in seiner Ursprungsform erhalten ist. Im Innern des Tempels befindet sich ein 35m langer schlafender Buddha  aus Holz, welcher der grösste dieser Art in China ist. Wir stehen davor , staunen und sind sehr beeindruckt und fasziniert.

Als weiteres Highlight dieser Etappe steht der Besuch von Mati Si auf dem Programm. Wir lassen das Velo im Hotel in Zhangye stehen und gönnen uns zur Abwechslung für die 65 km entfernte Sehenswürdigkeit ein Taxi. Das ist ja echt komfortabel. Der Taxifahrer holt uns pünktlich um 9.00 ab. Wir sind schon eine Weile unterwegs als ich bemerke, dass wir in die falsche Richtung fahren. Auf den braunen Wegweisern (braun = Sehenswürdigkeit) ist nicht Mati Si angegeben, sondern die Danxia-Landscape, welche wir für den nächsten Tag, wohlverstanden dann mit dem Velo, auf dem Programm haben. Wir fordern den Taxifahrer auf, anzuhalten. Dieser ist etwas verwirrt, handelt er doch gemäss Anweisung des Hotels. Ein Telefonat mit der Hotelangestellten, die das Taxi beauftragt hat, klärt die Situation. Uns gegenüber erwähnt sie, dass Mati Si ja doch recht weit entfernt sei, darum habe sie dem Taxifahrer gesagt, zur anderen Sehenswürdigkeit zu fahren, welche näher liegt. Ergebnis: der Taxifahrer kehrt um und fährt uns nach Mati Si wie vereinbart. Es klappt perfekt.

 

Mati Si ist bekannt  für seine buddhistischen Klöster und den Pferdehuftempel. Der Name basiert auf einer Legende, nach der ein himmlisches Pferd einen Hufabdruck in der Grotte hinterlassen hat. Dort wurde auch ein Tempel errichte. Die Grotten sind ähnlich wie die Maijishan- Grotten, welche wir vor Tianshui besichtigt haben. Auch wenn es ähnlich war, es ist immer wieder unvorstellbar und beeindruckend, wie diese Werke in den Hängen der Berge entstanden sind. Über steile Treppen, Vorsprünge und enge Passagen, sowohl aus Holz konstruiert wie auch in den Felsen gehauen, besichtigen wir die verschiedenen Mediationsräume. Für Leute mit Höhenangst ist das definitive nichts. Speziell gefallen hat uns der goldene Buddha, welcher in einer grossen Grotte zu finden ist.

 

Auf der Rückfahrt von Mati Si stelle ich plötzlich fest, dass ich einen Hautausschlag habe. Arme und Bauch sind davon betroffen. Warum ich diesen Ausschlag habe, weiss ich nicht, ich gehe davon aus, dass irgendetwas im Essen nicht verträglich war. Inzwischen ist alles wieder im grünen Bereich.

 

Den Abend verbringen wir in einem Restaurant, das bekannt ist für seine wunderbaren Hot Pots (nicht das Bad ist gemeint, sonder das Fondue Chinoise). Zuerst wählt man den Hot Pot aus (scharf, weniger scharf etc. es gibt mindestens 8 verschiedene Varianten)  und dann das Fleisch und die Beilagen. Es hat herrlich geschmeckt.

 

Am nächsten Tag fahren wir mit unseren Velos weiter, machen aber einen kleinen Umweg. Die Danxia-Landschaft wollen wir uns unter keinen Umständen entgehen lassen. Diese Berglandschaft ist geprägt von den Farben orange, gelb, weiss und braun, welche durch Ablagerungen von Sandstein und Mineralien über Jahrtausende entstanden ist. Die Formen und Muster, die dabei entstanden sind, sind unbeschreiblich schön. Noch schöner wäre es, diese bei Sonnenauf- bzw. untergang anzuschauen. Aber auch tagsüber ist es sehenswert. Da wir mit den Velos unterwegs sind und es keine Campingmöglichkeit in unmittelbarer Nähe gibt, ist es keine Option für uns, am frühen Morgen oder späten Abend vor Ort zu sein.  Genossen haben wir den Tag trotzdem in vollen Zügen.

 

Auf der Weiterfahrt wundern wir uns, dass etliche Dreiräder oder kleine Lastwagen mit Schafen auf der Ladefläche an uns vorbeifahren. Des Rätsles Lösung finden wir nach etlichen gefahrenen Kilometern: ein Schafsmarkt  findet statt. Wir machen kurz halt und schauen uns an, was da vor sich geht. Für uns ist der Schafsmarkt die Attraktion, für die Bauern hingegen sind wir die Attraktion. Schnell bildet sich ein Trupp von Männern um uns herum, es wird gelacht, fotografiert… wie immer ist es schade, dass wir uns nicht richtig unterhalten können.

 

Die Weiterfahrt ist recht eintönig, nicht wirklich schön. Steppenlandschaften, unzählige Elektrizitätsmasten, ab und zu eine kleine Ortschaft, etwas Industrie und Solaranlagen prägen das Bild. Entsprechend einfach ist die Unerkunft in Qingshui. Wir sind aber froh, nach 117km ein Dach über dem Kopf zu haben. Wählerisch können wir nicht sein. Campingmöglichkeiten gibt es kaum in dieser kargen Landschaft.

 

Endlich erreichen wir Jiayuguan. Hier befindet sich das Ender der chinesichen Mauer. Dazu mehr im nächsten Blog.

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