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Barkol - Turpan

Wir verlassen Barkol nach einem guten chinesischen Frühstück mit viel Gemüse! 

Nach etwa 15km erreichen wir den Barkolsee, gelegen in einer grossen Ebene, umgeben von riesigen Weideflächen und Bergen. Wir sezten uns an den See, geniessen die Ruhe und die Aussicht. Den Spaziergang auf den Holzstegen entlang dem Ufer lassen wir weg, denn an Bewegung mangelt es uns ja nicht. Im Sommer herrscht hier am See Hochbetrieb, wenn die Einwohner von Kumul der Hitze entfliehen und in den Bergen etwas Abkühlung suchen. Die vielen Verkaufsstände stehen aber zur Zeit noch einsam und verlassen an ihrem Platz. Wir vermissen diesen Trubel nicht!

Wir fahren weiter. Für heute haben wir uns eine etwas abgelegenere Route ausgesucht, denn wir dürfen wieder einmal campieren. Wir finden die richtige Abzweigung, die zu einem 3km entfernten Dorf führt. Das Finden solcher Strassen ist nicht immer so einfach. Auf der einen Karte mag sie eingezeichnet sein, auf der andern nicht, das Navi von google maps und maps.me geben teilweise unterschiedliche Routen an. Das heisst für uns dann ganz einfach: gehen wir das Risiko ein, allenfalls in einer Sackgasse zu enden oder wählen wir die Strecke entlang der Hauptverkehrsachse?

 

Das Dorf ist überraschenderweise recht gross. Wir fahren durchs Zentrum...werden von den Dorfbewohnern sehr kritisch beäugt...was hat die beiden wohl hierher verschlagen?

Wir fahren weiter und suchen die nächste Abzweigung. Aber da wo sie auf unserer Karte markiert ist, gibt es keine Strasse weit und breit, nur Steppe und Kamele, und diejenige Strasse, die wir gerade befahren ist eine Sackgasse. Super! 15km zurück zum Start!

Wir haben keine Wahl und fahren die Strasse, die wir anfänglich geplant haben. Die nächsten 30km gehts einmal mehr bergauf. Doch wir werden für die Strapazen entlohnt: unterwegs sehen wir eine Unmenge von Kamelen. So viele Kamele haben wir noch nie gesehen... und erst diese Landschaft! Ein Hügelzug folgt dem andern so weit das Auge reicht. Welch wunderschönes Panorama! Endlich sind wir aus unserer Sicht oben angekommen, das lässt sich in China nicht immer genau sagen, denn Passhöhen sind nicht markiert wie bei uns.

 

Wir entschliessen uns, gleich hier oben zu campieren. Hinter einem Hügel finden wir den idealen Platz, wunderschön gelegen, weg vom Verkehr, ganz für uns alleine. Als wir das Zelt aufstellen, ahnen wir noch nicht, dass wir hier länger logieren werden als geplant.. Wir essen ein simples kaltes Nachtessen, Tomaten, Gurken, Brot und etwas Süsses. Benzin zum Kochen haben wir fast keines mehr, somit gibt es kein warmes Nudelgericht. An den Tankstellen bekommen wir keines. Dazu benötigt man eine chinesische ID. Wenn man in die Tankstelle hineinfahren will, muss zuerst die ID eingescannt werden, erst dann öffnet sich die Schranke und man wird zum Tanken vorgelassen. Da wir ja keine solche ID haben, müssen wir versuchen, von Privatperson Benzin zu bekommen. Das ist ein etwas schwierigeres Unterfangen werden.

Wir schlafen früh, um für die nächste Tagesetappe gewappnet zu sein. Bereits in der Nacht werden wir aber geweckt, es windet, wir hören das Flattern des Zeltes und fragen uns, was da wohl auf uns zukommt. Der Wind wird stärker und stärker, um 5. 00 hat er Sturmstärke erreicht. Markus verstrebt das Zelt noch mehr, damit uns das Zelt nicht um die Ohren fliegt. Wir liegen im Zelt und hoffen, dass die Zeltstangen halten. Mit dem Sturm ist es auch massiv kälter geworden. An eine Weiterfahrt ist bei diesem Wind nicht zu denken. Zuerst hoffen wir noch, dass sich der Wind wieder legt, aber es sieht nicht danach aus. Auch der Wetterberich verheisst nichts Gutes. Um 6.00 entscheiden wir, den Tag im Zelt zu verbringen. Ich sage zu Markus: jetzt hast du 24h Zeit mir alles zu sagen, was du mir schon einmal sagen wolltest…Im Nachhinein können wir sagen, dass die Entscheidung goldrichtig war. Der Sturm dauert bis spät in die nächste Nacht, und zu guter Letzt gibts noch einen Graupelschauer.  

 

Zu tun gibts wenig, die Internetverbindung ist schlecht bis nicht vorhanden. Wir lesen ein wenig, spielen Sudoku, dösen vor uns hin und warten darauf, dass der Wind endlich aufört zu blasen. Und immer wenn wir das Gefühl haben, der Wind wird schwächer, hört man bereits die nächste Böe in weiter Ferne, wie sie sich nähert. Wie schön wäre es im Zelt ohne Windgeräusche und ohne das Flattern der Zeltwand.. Und immer ist die Frage im Hinterkopf: hält unser Zelt das aus?

Unser Zelt hat es ausgehalten und wir die insgesamt über 36h gemeinsam im Zelt auch!

Am Morgen erleben wir einen traumhaften Sonnenaufgang. Wir kriechen sogar rechtzeitig aus dem Zelt, obwohl es draussen bitterkalt ist. Der Himmel ist stahlblau, keine Wolke ist zu sehen. Das stimmt uns zuversichtlich für den Tag. Auf dem Zelt hat sich Eis gebildet, das Wasser in unseren Bidons ist gefroren und auf den Satteltaschen hat es immer noch Graupel. Warme Kleidung ist angesagt! Um 9.00 sind wir startklar. Wir fahren frohgemut los, zufrieden wieder auf dem Velo zu sitzen. Wir haben einen angenehmen Rückenwind und zudem geht es bergab. Fast 70km fahren wir ununterbrochen abwärts, so was haben wir noch nie erlebt. Ca. 30km davon fahren wir auf einer Schotterstrasse.Das Bergpanorama ist einmal mehr grandios. Einfach unbeschreiblich! Das muss man mit eigenen Augen gesehen haben. Wir haben schon viele Berge, Klippen, Steilhänge und Hügelzüge gesehen, aber was wir heute an unterschiedlichen Bildern erleben durften ist einfach einmalig. Wir halten immer wieder an um zu fotografieren und alles auf uns wirken zu lassen. Nach 85km erreichen wir das nächste Dorf, wo wir uns mit Wasser und Essen eindecken können. Kaum fahren wir ins Dorf ein, sehen wir einen kleinen Dorfladen. Der Besitzer winkt uns zu und fordert uns suf, zu ihm zu kommen. Wir halten an und nutzen die Gelegenheit, auch gleich etwas Warmes zu essen, denn auch heute ist zelten angesagt...endlich bekommt Markus wieder seine frisch zubereiteten Noodeln. Ich natürlich auch, mit viel Gemüse und Fleisch. Kochen ist in diesem “Dorfbeizli”, bestehend aus 1 Tisch und einigen Stühlen, Chefsache. Zuerst zeigen wir auf die Zutaten, welche wir im Gericht haben möchten. Dann macht der Mann sich gleich ans Werk, schnetzelt das Gemüse und stellt sich in der kleinen Küche an den Herd um den Wok zuzubereiten. Im Nu ist das Essen fertig. Es schmeckt richtig lecker. Markus bekommt sogar eine zusätzliche Portin Noodeln serviert! Sehen wir so verhungert aus? Wir kaufen noch etwas Brot und Wasser und verabschieden uns. Wir sind froh, wieder mit allem Notwendigen eingedeckt zu sein, und der Mann freut sich über sein Tagesgeschäft. Wir fahren nur noch wenige Kilometer, bis wir einen geeigneten Zeltplatz gefunden haben. 

 

Der nächste Tag ist nicht besonders spektakulär. Wir visieren die nächste Stadt Qiketai an. Nach 3 Campingnächten möchten wir gerne wieder die Annehmlichkeiten eines Hotels geniessen. Als wir nach über 100km in die Stadt einfahren, sind wir nicht richtig überzeugt, ob wir hier tatsächlich übernachten sollen. Zudem liegen die Hotels einige Kilometer ausserhalb der Stadt, bergauffahren wäre angesagt. Wir entscheiden uns deshalb noch weitere 30km anzuhängen und bis nach Shanshan zu fahren. Das ist eine Grossstadt und Hotels somit zentraler gelegen. Zudem ist die Auswahl auch grösser. Also steigen wir nochmals aufs Rad undbewegen unsere müden Beine. Beim ersten Hotel können wir nicht übernachten. Dafür führt uns einer der Mitarbeiter zu einem richtig schönen Luxushotel. Genuss pur! Das Einchecken verläuft problemlos, unser Gepäck wird nicht einmal gescannt. Wir dürfen mit unseren beladenen Velos an allen Scannern vorbeimarschieren. So einfach kann es auch mal gehen.

 

Wir geniessen das tolle Zimmer und das schöne Bad. Wir essen auch gleich im Hotel. Als wir die Bestellung aufgeben, meint der Kellner, das sei aber viel zu viel, was wir an Essen bestellt haben. Das reiche für 4. Da hat er unseren Appetit verkannt! Wir essen fast alles auf.  

 

Die Fahrt von Shanshan nach Turpan ist sehr abwechslungsreich. Es hat immer wieder kleinere und grössere Oasen. Die Häuser sind mehrheitlich aus Ziegelsteinen gebaut. Vor den Häusern stehen die grossen Grill, welche am Abend eingeheizt werden und riesige Sitzflächen mit Teppichen und Kissen belegt. Während der brütenden Mittagshitze wird hier Siesta gehalten. Diese Bilder erinnern uns stark an Usbekistan und Kirgistan. 

 

In den Oasen prägen Rebberge das Bild. Vor fast jedem Haus und in jedem Garten hat es Reben. Diesen dienen auch als Kühlung, wie bei uns die Pergola. In speziell gebauten luftdurchlässigen Häusern werden die Trauben getrocknet. Diese “Trockenhäuser” inmitten der Wüstenlandschaft sehen sehr speziell aus.

 

Nebst Reben hat es in dieser Region auch Öl. Überall sieht man die Ölpumpen, ob mitten im Rebberg oder irgenwo in der Wüste.

 

Wir fahren an den “flammenden Bergen” vorbei, einer rötlichen Berglandschaft, ein weiteres Highlight dieser Tagesetappe. Im Verlaufe des Nachmittags treffen wir endlich in Turpan ein. Wir quartieren uns im Silk Road Hotel ein. Die Lage des Hotels ist herrlich: von der Dachterrasse sehen wir auf die Rebberge, es ist ruhig, eine Oase in der Oasenstadt. Hier verbringen wir einige Tage und bereiten uns für die nächste grosse Etappe vor, die Taklamakan Wüste.

 

P.S. Wer unsere Berichte etwas verfolgt, hat sicherlich schon festgestellt, dass die diesjährige Tour um einiges härter ist als letztes Jahr. Wir sind froh, können wir auf den Erfahrungen des letzten Jahres aufbauen. Auch wenn Vieles anstrengender ist, ob es die Etappen sind, die Kommunikation, die wahnsinnigen Klimawechsel, wir möchten keinen Moment dieser Reise missen!

 

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Kommentare: 4
  • #1

    Arndt Wagner (Montag, 04 Juni 2018 10:53)

    Es ist immer wieder schön eure Berichte zu lesen. Hut ab vor der Leistung, die ihr bewältigt und natürlich auch vor dem, was noch vor euch liegt. Weiter gute und vor allem pannenfreie Fahrt.

  • #2

    Heinz & Ruth (Mittwoch, 06 Juni 2018 11:49)

    Ich denke, dass ihr die Nordroute gewählt habt welche sehr schön sei!? Bin gespannt auf auf den Bericht dieser Reisestrecke. Ich hoffe, dass ihr dazu gutes Wetter habt und keine Sandstürme, und angenehme Temperaturen!!
    Bon courage Hz

  • #3

    Christine & Urs (Sonntag, 10 Juni 2018 08:31)

    Hallo Ihr Lieben
    Herzlichen Dank für die Vielen spannenden Berichte und die eindrücklichen Bilder. Wir wünschen Euch weiterhin eine gute, unfallfreie Fahrt und viele tolle Abenteuer.

  • #4

    Baumann Walter (Sonntag, 10 Juni 2018)

    Liebe Marie-Claire und Markus
    Ihr schildert wieder erneut spannende Reiseerlebnisse. Auch was ihr jeden Tag wieder neu entdeckt scheint eindrücklich zu sein. Aber wie ihr berichtet kommen auch die Stunden, wo ihr durchbeissen müsst nicht zu kurz. Gesundheitlich scheint alles gut zu gehen, was mich natürlich freut als euer Hausarzt. Ich wünsche euch weiterhin spannende Begegnungen mit Menschen, schöne Landschaften, Gesundheit und kräftige Beine.
    Liebe Grüsse
    Walter