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Turpan - Korla

Die 2 Tage in Turpan vergehen im Flug! 

 

Turpan ist Chinas Death Valley. Mit 154m unter dem Meeresspiegel ist Turpan die zweittiefste Stelle der Welt und auch der heisseste Ort Chinas. Gut, dass wir bereits anfangs Juni hier sind und nicht während der brütenden Hitze der Monate Juli/August! 

 

Vom ersten Abendspaziergang in die Stadt sind wir überhaupt nicht begeistert. Irgendwie gefällt es uns nicht. Wir sind schnell wieder zurück im Hotel und geniessen ein feines Nachtessen und ein Glas Wein auf der Dachterrasse unseres Hotels. Am nächsten Morgen nehmen wir trotzdem nochmals einen Anlauf, um die Stadt zu erkunden. Dieses Mal gehen wir aber nicht zu Fuss, schliesslich haben wir ja 2 Räder dabei. So entdecken wir die Stadt in einem neuen Licht, kommen in andere Quartiere und erhalten so ein komplett anderes Bild. Wir finden Gefallen an der Stadt und finden sogar einen grossen Supermarkt, wo wir unseren Nescafé kaufen können! Ja, ihr lest richtig! Auch wenn der Tee hier sehr gut ist, brauchen wir ab und zu den Geschmack von Kaffee und den erhalten wir hier in China nur mit dem schnelllöslichen Kaffeepulver. Der Vorteil davon ist, dass man den Kaffee auch kalt anrühren kann. So können wir, wenn wir campen, auch am Morgen einen Kaffee trinken, denn Benzin haben wir immer noch nicht. 

 

Das Einkaufen im Supermarkt ist eine Erfahrung für sich. Beim Eingang werden wir gescannt und unsere Tagesrucksäcke in einer Tasche versiegelt. Erst dann werden wir in den Laden eingelassen. Wir schlendern den Regalen entlang und schauen was wir einkaufen könnten. Viel brauchen wir ja nicht, unser Einkaufswagen bleibt fast leer, nur einige Pistazien, frisch abgepackte Dörrfrüchte und Rosinen, ein Mikrofasertuch und Feuchttücher nehmen wir mit. Das Einkaufen fühlt sich speziell an, der Laden ist fast leer, keine Gedränge von Einkaufswagen, keine Warteschlangen… wahrscheinlich sind die Preise für die Mehrheit der Einheimischen zu teuer, die decken sich im Bazar ein. 

 

Der Bazarbesuch gehört natürlich auch zu unserem Programm. Die Fahrräder können wir nicht mitnehmen und stellen sie vor dem Eingang ab. Da sind sie bestens bewacht, denn auch den Bazar kann man nicht ohne Eingangskontrolle betreten. Im Bazar finden wir auch einen Coiffeursalon für Herren. Markus nutzt die Gelegenheit für einen Haarschnitt. Der Salon ist für hiesiege Verhältnisse schön eingerichtet, ein farbiges Landschaftsbild ziert die Wände, ein Wassereimer mit einem kleinen Hahnen hängt an der Wand, hier werden die Haare gewaschen. Auf einer Wäscheleine sind die Frotteetücher zum Trocknen aufgehängt. Wie oft die wohl gewaschen werden? Die beiden jungen Coiffeure haben alle Hände voll zu tun, der Laden ist sehr gut besucht. Da haben wir ja das richtige Geschäft ausgesucht. Die beiden freuen sich über den Besuch einer Langnase, das kommt wahrscheinlich sehr selten vor. Das Ergebnis lässt sich für CHF 1.50 bestens sehen. 

 

Der Museumsbesuch im erst 2009 erbauten Museum gibt einen sehr guten Überblick über die Geschichte der Region und die Seidenstrasse. Ganz speziell sind die ausgestellten und sehr gut erhaltenen Mumien, die anlässlich des Baus der Autobahn im 2007 entdeckt wurden. Mehrere hunderte dieser Mumien stammen aus der Zeit von 2000 v.CH. bis 800 n. Chr. 

 

Die Fahrt nach Toksun ist kurz. Bereits am frühen Nachmittag kommen wir im Hotel an und checken ein. Bevor wir aufs Zimmer gehen können, kommt die lokale Polizei vorbei, um unsere Pässe zu prüfen. Daran haben wir uns allmählich gewöhnt. Am späteren Nachmittag fahren wir zum Markt um uns mit Früchten und Gemüse für die nächsten Tage einzudecken. Wir passieren die Kontrolle problemlos. Doch bevor wir überhaupt etwas einkaufen können, stehen schon wieder einige Beamte vor uns und wollen unsere Pässe sehen. Was sie genau mit uns machen sollen scheint ihnen jedoch nicht ganz klar zu sein. Also rufen sie ihren Chef an und bitten ihn vorbeizukommen. Es dauert nicht lange, da ist er schon zur Stelle. Es ist der gleiche Beamte, der uns im Hotel kontrolliert hat. Er grüsst uns, als wären wir beste Kollegen, kauft mit uns das Gemüse ein und verschwindet wieder. Den restlichen Einkaufsbummel können wir in aller Ruhe selbständig erledigen. An neugierigen Blicken hat dieses Intermezzo nicht gemangelt! Und wir lächeln immer freundlich dazu. Als wir den Markt verlassen hören wir überall Trillerpfeifen. Die Milizorganisation ist am Üben…

 

Gemäss unserer Routenplanung sind wir die nächsten Tage (360km und 3000 Höhenmeter) auf einer kleineren Strasse unterwegs, ideal für uns zum Campen. Wir freuen uns auf diese Etappe in der Einsamkeit. Nach 17km erreichen wir eines der letzten Dörfer vor dem Anstieg und hoffentlich auch die letzte Passkontrolle für einige Zeit. Nachdem alles geprüft, wir zum x-ten Mal fotografiert wurden fragt uns der Verantwortliche nach unserer Route. Da schüttelt er den Kopf und erklärt uns nach telefonischer Abklärung, dass die eine Strasse gesperrt ist. Sollen wir das nun glauben oder nicht? Uns bleibt nichts anderes übrig, als nach Toksun zurück zu fahren und den Express way Richtung Korla zu nehmen. Das Fahrverbotsschild des Express ways ignorieren wir zwischenzeitlich. Alternativrouten gibt es schlichtweg nicht. Die kleineren Strassen links und rechts der Autobhan sind häufig Sackgassen, eine Zufahrt zur Autobahn ist nicht existent und die Autobahn ist mehrheitlich mit Stacheldraht abgegrenzt. 

 

Ganze 250km später finden wir ein Strassenschild, auf welchem die Sperrung signalisiert ist. Werden wir zu unrecht etwas misstrauischer?

 

Die nächsten beiden Tage verbringen wir mit Bergauffahren. Wir müssen das Tian Shan Gebirge überqueren um zur Taklamakan Wüste zu gelangen. 

Als es so richtig ins Gebirge geht, hat es keinen Stacheldraht mehr entlang der Autobahn. Das wird es uns erleichtern, irgendwo unser Zelt aufzuschlagen. Zusammen mit den schwer beladenen Lastwagen kriechen wir den Berg hoch. Die Lastwagen bekunden fast so viel Mühe wie wir. Wir können froh sein, dass die Mehrheit der Lastwagen mit Gas fährt, so sind wir nicht die ganze Zeit den Abgaswolken ausgesetzt. Nach über 1000 Höhenmetern und 65km ist es Zeit unser Nachtlager aufzustellen. Wir finden einen guten Platz, so dass wir von der Strasse nicht gesehen werden können. Dass es dann die ganze Nacht so lärmig sein würde, haben wir nicht bedacht. Die Lastwagen fahren natürlich auch nachts  und da es bergauf geht, wird aufs Gas gedrückt, es wird geschaltet… Wir haben kaum ein Auge zugetan. Das sind ideale Voraussetzungen für die nächste Bergetappe! 

 

Aber auch das schaffen wir. Nach fast 3h haben wir die Passhöhe erreicht! Herrlich dieses Gefühl! Und dann diese Aussicht! Traumhaft! Eine Berglandschaft vom Feinsten! Wir werden mit einer wunderschönen Abfahrt entschädigt. In einer kleineren Stadt decken wir uns wieder mit Wasser ein und erkundigen uns auch gleichzeitig nach einer Übernachtungsmöglichkeit. Bingo! Es hat sogar ein Hotel. Damit hatten wir gar nicht gerechnet. Markus checkt ein, bezahlt auch gleich, ich entlade die Velos, lasse den Hotelbesitzer in alle Taschen schauen (das wir über Video schliesslich geprüft, ob er seiner Pflicht nachkommt) und schön sind wir im Zimmer. Die Pässe aber sind noch beim Polizeibamten. Mich beschleicht ein ungutes Gefühl: können wir hier wierklich übernachten? Markus ist optimistisch und nimmt gleich schon eine Dusche. Da klopft es auch schon an unsere Tür. Uns wird mitgeteilt, dass wir in dieser Stadt nicht übernachten dürfen, wir sollen doch bitte ins 100km entferte Heshuo fahren, da habe es Übernachtungsmöglichkeiten. Als ob wir am Abend noch schnell diese Strecke zurück legen könnten! Ich nutzte ebenfalls schnell die Möglichkeit einer Dusche bevor wir unsere Räder wieder bepacken und die Stadt, wohlverstanden mit Eskorte bis an die Stadtgrenze verlassen. Nach 20km finden wir einen Campingplatz. Einziges kleines Hindernis: wir müssen eine Passage im Stacheldrahtzaun finden, um dorthin zu gelangen. Auch das meistern wir mit Bravour! Wir geniessen den schönen Abend in der Wüste in in trauter Zweisamkeit, sitzen vor unserem Zelt, lesen, essen…

 

Wir fahren früh los, nutzen die Morgenfrische für die ersten Kilometer, bevor es wieder so richtig heiss wird. Heshuo ist unser nächstes Ziel, inklusive Bergetappe. Gegen Abend erreichen wir nach gut 100km die Oasenstadt. Unglaublich, was hier gebaut wurde. Ganze Strassenzüge sind aus Granitplatten gemacht, es hat riesige Plätze – und es ist menschenleer. Dabei unterläuft uns ein kleiner Lapsus: ich schicke Markus in die Mitte der Strasse, um ein Foto machen zu können… beide übersehen wir aber das Polizeiauto. Besser könnten wir nicht auf uns aufmerksam machen. Was solls, wir setzen unsere Fahrt fort, finden ein Hotel. Eine ganze Armada (5 Beamte) braucht es, damit wir einchecken können. Zudem erhalten wir Ausgehverbot für den Abend sowie Fotografierverbot von öffentlichen Plätzen! Da haben wir die Reourkutsche. Uns ist es egal, wir sind nach diesen 3 Tagen eh todmüde und wollen nur noch schlafen.

 

Und wenn du am Morgen aufstehst, du bist müde als ob du nicht geschlafen hättest, die Knochen tun dir weh und du hast eine Strecke von 100km vor dir! Genau so habe ich mich gefühlt! Das hält uns nicht davon ab, loszufahren und nach Korla zu fahren. In regelmässigen Abständen machen wir Pause, gewollt, wenn wir etwas trinken oder essen wollen, ungewollt, wenn wir kontrolliert werden. Das Highlight des Tages ist das frisch gebackene Brot direkt aus einem speziellen Brotfen. Es ist ähnlich wie ein Pizzaofen. Die Öffnung ist aber oben, der Brotteig wird vom Bäcker, der sich halb in den Ofen hineinlehnt, an die Innenwand des Ofens geschlagen. Dann wird der Teig  gebacken. Markus und ich haben selten ein so gutes Brot gekostet!

 

Unterwegs fragen wir uns ab und zu, ob wir nun entlang der Seidenstrasse oder entlang der Weinstrasse Chinas fahren. In jeder Oase wachsen Trauben, grosse Weinreklamen machen auf die Weine der Region auferksam. Das ist gut für uns. So können wir uns auf einen guten Tropfen Wein zum Nachtessen freuen.

 

 Bevor wir Korla erreichen, dürfen wir den letzten Anstieg in Angriff nehmen. Ich bin überhaupt nicht begeistert, mag einfach nach diesen 3 anstrengenden Tagen nicht mehr. Wir gönnen uns noch ein Glacé, essen einige Weinbbeeren um so die nötige Energie zu haben. Die Schlussfahrt führt bergab, wir passieren eine eindrückliche “Mondlandschaft” und fahren endlich in Korla ein.  

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Kommentare: 1
  • #1

    Marlies (Mittwoch, 13 Juni 2018 21:05)

    Ihr seid bewundernswert zäh �� und hoffe eure nächste Etappe ist dann doch ein kleines bisschen gemütlicher. Spannend zu lesen jedoch alleweil - danke.