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Korla - Kuqa

Korla ist eine moderne Oasenstadt, welche dank des grossen Ölvorkommens prosperiert. Die Stadt ist auch wegen der guten Birnen bekannt, welche bereits seit über 1300 Jahren kultiviert werden. Viele schöne Parks sowie ein Uferweg entlang des Konque Flusses laden zum Spazieren oder Verweilen ein. Ansonsten gibt es nicht viel zu tun oder zu besichtigen. Es hat zwar ca. 60km von der Stadt entfernt einen grossen See, der gemäss Reiseführer aber nicht unbedingt einen Besuch wert ist. Also lassen wir diesen aussen vor! Wir werden eh noch den einen oder andern See zu Gesicht bekommen. 

 

Dafür finden wir ein tolles Restaurant in der Nähe des Hotels, wo wir wieder einmal einen herrlichen Hot Pot bestellen. Wir putzen alles weg, was wir bestellt haben, so lecker ist das Essen! Nach dem Verlassen des Restaurants machen wir noch einen kleinen Verdauungsspaziergang im Park. Wir sind noch nicht lange unterwegs, da erleben wir einen kurzen Schreckensmoment. Markus hat sein Handy nicht mehr! Das hat er einfach im Restaurant liegen lassen. Im Eilschritt geht’s zurück. Das Personal scheint uns schon zu erwarten. Denn kaum sichten sie uns, machen sie ein Zeichen, dass sie unser Handy haben. Es geht nichts über die Ehrlichkeit der Chinesen. Erleichterung macht sich auf beiden Seiten bemerkbar. 

 

Zurück im Park flanieren wir noch ein wenig und machen es den Chinesen gleich, wir nutzen die öffentlichen Fitnessgeräte. Ein wenig stricken und dehnen, Rückenmuskeln massieren – tut das gut!

 

In Korla muss man sich entscheiden, ob man nördlich oder südlich der Taklamakan Wüste entlang fahren will. Wir haben in unserer Planung die Nordroute gewählt, daran halten wir auch fest. Wir fahren los und sind die nächsten 150km immer wieder erstaunt, wie grün es entlang der Strasse ist, es fühlt sich an wie eine nicht enden wollende Oase. Von Wüste merken wir reichlich wenig. Wir passieren mehrere kleine Ort mit einfachen Häusern, kleinen Läden. Auffallend ist, wie gepflegt hier alles erscheint, die vielen Blumentöfpe vor dem Haus geben eine persönliche Note. Oftmals befindet sich der Kochherd mit Kamin oder der Grill vor dem Haus, eine grosse Sitzgelegenheit, ausgelegt mit Teppichen und Kissen ist teilweise besetzt, wird jedoch vor allem während der Mittagshitze oder am Abend genutzt.

 

Erst in Yuyungoaxing, nach fast 100km findet die erste und einzige Kontrolle des Tages statt. Anfänglich sind wir noch gelassen, aber es dauert und dauert. Dem einen Beamten scheint dies nicht recht zu sein. Zuerst bringt er uns kühles Wasser, dann kommt er mit herrlichen Wassermelonenschnitzen daher. Nach über einer Stunde warten mache ich mich bemerkbar und frage den Beamten, ob er seinen Vorgesetzten erreichen konnte oder ob er sonst noch Fragen habe? Das scheint zu nützen. Plötzlich geht es vorwärts, wir erhalten unsere Pässe zurück und können weiterfahren. 

 

Ausserhalb des Dorfes finden wir einen schönen abgelegenen Campingplatz. Einziger Makel, es hat Mücken und Sandflöhe oder so was ähnliches. Kik bietet Abhilfe. Markus findet es zwar anfänglich nicht nötig, sich einzusprayen, das bereut er im Nachhinein!

 

Wir nutzen die Morgenfrische für die Weiterfahrt und spulen unsere Kilometer ab. Rechts von uns erheben sich die Berge, die Gipfel sind mit Schnee bedeckt. Es sieht traumhaft aus; stahlblauer Himmel, weisse Gipfel, farbige Felsen, gründe Alleen…Unterwegs kaufen wir uns noch frische Mirabellen, es ist Erntezeit!

 

Einziger Vermuthstropfen sind die vielen Kontrollen (insgesamt 4) des Tages. Auch wenn die Beamten freundlich sind, einmal kaufen sie uns sogar je eine Dose kalten Nescafé, mühsam ist es alleweil. In Luntai werden wir wieder einmal mit Begleitfahrzeug zum Hotel eskortiert, im Hotel selbst findet auch nochmals eine Befragung der Polizei mit Dolmetscherin statt und wir müssen uns belehren lassen, wie wir uns zu verhalten haben und was wir fotografieren bzw. nicht fotografieren dürfen. Zudem werden wir ausgefragt wo wir campiert haben, denn campieren ist ja eigentlich verboten und Kontakt mit der lokalen Bevölkerung sollte vermieden werden. Ich erläutere ihnen, dass wir gerne im Hotel übernachten würden, dass ich aber in meinem hohen Alter nicht mehr als 100km am Tag fahren kann. Wenn es dann kein Hotel in der Nähe hat, bleibe uns nichts anderes übrig als zu campieren. Das lassen sie so stehen!

 

Die Fahrt von Luntai nach Kuqa ist unspektakulär. Wir müssen grösstenteils auf der Autobahn fahren, das Wetter ist trüb, Sand liegt in der Luft, und wir sind nun doch noch in der Wüste angelangt. Die Bäume und Büsche werden weniger, Sand dominiert das Bild. Immerhin – wir haben starken Rückenwind und legen die über 100km in etwas mehr als 4h zurück. Fühlt sich so E-Bike fahren an? Bereits am frühen Nachmittag erreichen wir Kuqa. Kuqa war einst eine wichtige buddhistische Hochburg, die Stadt war auch berühmt für seine Musik und seine Tänzer. 

 

Am Abend schauen wir uns noch die Altstadt an. Dieser Teil ist geprägt durch die einfachen Backstein/Lehmhäser, wo vorwiegend die Uiguren leben. Die Hauptstrasse ist sehr belebt, viele kliene Imbissbuden bieten Grillspiesse an, die vielne Bäckereien verbreiten den Duft von frischem Brot. Zurück im Hotel wohnen wir einer Tanzaufführung bei. 

 

Heute Sonntag, 17.6. wollten wir uns den Sonntagsbazar anschauen und dann gleich weiter fahren. Kurzfristig ändern wir unseren Plan. Draussen regnet es in Strömen, die Wettervorhersage hat sich bestätigt. Erst Morgen soll die Sonne wieder scheinen.  

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Kommentare: 1
  • #1

    Jochen (Sonntag, 17 Juni 2018 22:40)

    Hallo Ihr Zwei!
    Die Chinesen haben offenbar eine flächendeckende Kontrollneurose. Sie haben sogar Angst vor Fahrradfahrern! Dabei seht ihr doch wirklich nicht staatsgefährdend aus. Wahrscheinlich gibt es ein "neues" China wie z.B. in Shanghai und ein "altes" China, welches euch auf eurer Tour offenbar meist begleitet.
    Weiterhin viel Glück!
    Jochen und Estefania