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Aksu - Kashgar

In Aksu gönnen wir uns einen Ruhetag vor der nächsten und letzten grösseren Etappe der Taklamakanwüste. Viel gibt es in dieser modernen Stadt nicht zu sehen, sie wird nicht einmal in den Reiseführern erwähnt. Wir aber können uns mit Proviant eindecken, frische Früchte, Gemüse und Brot für die nächsten Tage kaufen. Ein kleiner Spaziergang durch den lokalen Markt lohnt sich aber alleweil. Hier wird vor allem frisches – sprich lebendiges –Geflügel angeboten: Tauben, Hühner, andere Vögel. Frischer Fisch aus dem Aquarium darf natürlich auch nicht fehlen. 

 

Nach dem Nachtessen im Hotel (Markus gönnt sich ganze 4 Steaks) inkl. herrlicher Nusstorte -machen wir noch einen Verdauungsspaziergang. Public viewing ist auch hier aktuell – vor dem Start des Fusballspiels spielen 2 Männer Musik, es gibt Essensstände, der Fisch ist bereits auf dem Grill… Zuschauer hat es definitive nicht so viele wie bei uns! Die Qulität der Übertragung lässt jedoch zu wünschen übrig. Es gäbe die Möglichkiet, sich die Spiele in einem der vielen Lokale anzuschauen, aber die Fussball WM geht dieses Mal definitv an uns beiden vorbei. Wir leben aktuell in einer andern Welt!

 

Der Kellner, der beim Frühstück für uns zuständig ist, wird uns in bester Erinnerung bleiben. Er kommt auf uns zu, ist richtig überwältigt und fragt, ob er ein Foto zusammen mit uns machen kann! Wir sind die ersten Ausländer, die er je zu Gesicht bekommen hat! 

 

Gestärkt starten wir nächsten 460km. Wir verlassen die Stadt mit einem wunderschönen Blick auf die Schneeberge. Wir radeln vor uns hin, rechts von uns erhebt sich die Bergkette des Tianshan-Gebirges, mal ist sie etwas näher, mal etwas weiter entfernet. Ebenso parallel verläuft die Eisenbahn und die Autobahn, mal etwas näher, mal etwas weiter entfernt. Auf der G314 hat es relative wenig Verkehr, das schätzen wir sehr. Der Wind und das Wetter sind uns gut gesinnt. Nur an einem Tag haben wir mit Gegenwind zu kämpfen, die Temperaturen sind noch nicht zu heiss, ab und zu ist der Himmel bedeck, was wir sogar zu schätzen wissen. 

 

Für die Mittagspause haben wir die idealen Plätze im Schatten gefunden: betonierte und trockene Abflüsse, welche das Wasser, das von den Bergen kommt, unter den Strassen durchführt. Wir sehen aus wie Clochards, die sich unter eine Brücke legen! Aber es tut gut sich im Schatten etwas auszuruhen, einen Hauch frischen Wind zu spüren und ein Nickerchen zu machen.

 

Ansonsten gibt es kaum einen schattigen Ort. Wie auch, inmitten der Wüste!

 

Wann immer wir in einer Ortschaft vorbeifahren, was nicht oft der Fall ist, kaufen wir Wasser. Das hat oberste Priorität! An zweiter Stelle der Einkaufsliste steht der Wein und dann das Brot und Melonen. Alles andere haben wir ja bereits eingekauft. Schliesslich soll es uns beim campieren an nichts fehlen.

 

Erst wenn wir unser Tagespensum (mindestens 100km) erreicht haben, schauen wir uns nach einem geeigneten Campingplatz um. Das gelingt uns gut. Nur am 2. Abend sind wir etwas unvorsichtig und schauen uns den Boden nicht genau an mit dem Ergebnis, dass wir beide einen Platten einfangen. Diese kleinen Dornen haben es in sich. Aber Markus ist ja geübt im Pumpen: Dornen entfernen, Rad pumpen und bewegen und schon ist alles wieder geflickt! Gottlob haben wir keine Schläuche, da hätten wir gleich mehrere Male den Schlauch flicken müssen!

 

Wir geniessen drei Abende unter freiem Himmel bei einem Becher Wein, die Ruhe, die schöne Sicht auf die Berge, die schönen Sonnenuntergänge. Herrlich! Die Ruhe hält leider nicht die ganze Nacht an. Sobald es zu dämmer beginnt, was erst nach 22.00 der Fall ist, nimmt auch der Lastwagenverkehr zu. Fertig ist es mit der Ruhe! Bis spät in die Nacht donnern diese Lastwagen und die Züge in einiger Entfernung vorbei, der Schall ist nur zu gut zu hören. Wir versuchen trotzdem etwas zu schlafen. Ich habe leider auch noch ein kleines Loch in meiner Luftmatratze eingefangen. Um herauszufinden, wo dieses ist, bräuchte ich einen See oder eine Badewanne, welche nicht gerade zur Stelle sind. Also bleibt mir nichts anderes übrig, als während der Nacht die Matratze wieder mit etwas Luft zu füllen bis wir wieder in einem Hotel sind, um das Loch zu finden und zu flicken! 

 

Die 400km bis Artux sind etwas eintönig, ab und zu unterborchen durch wunderschöne Felsformationen und –farben. Endlich, nach 4 Tagen ist Artux in Sicht: hier wartet ein Hotel auf uns! Wir sind angenehm früh dran, ich träume schon von der warmen Dusche. Da habe ich die Rechnung aber ohne den Wirt gemacht. Die Ein- und Ausfahrt ist zeitraubend, insgesamt benötigen wir dafür fast 5h. Wir passieren wie üblich die erste Kontrolle. Ganze 1 ½ h lassen sie uns warten, einfach so. Geflissentlich schauen alle Beamten weg wenn wir den Blickkontakt suchen, schliesslich könnten wir ja etwas fragen. Dann verziehen sie sich sogar in einen Büroraum, alle sind weg. Endlich taucht der Chef wieder auf, der unsere Pässe genommen hatte, macht das Zeichen für Timeout und verschwindet mit dem Auto. Wir sitzen da, sprachlos und wissen nicht, was weiter geschieht. Nach einigen Minuten kommt schliesslich einer der Polizisten und überreicht uns die Pässe! Wir können weiterfahren. Wir sind noch keine halbe Stunde unterwegs, da taucht bereits der nächste Kontrollposten auf. Immerhin, hier dauert die Kontrolle nicht ganz so lange, nur etwa 1h. Auch wenn wir darauf hinweisen, dass wir erst gerade kontrolliert wurden, nützt das nichts. Schlussendlich werden wir wieder zu einem Hotel gebracht, brav hinter dem Polizeiauto herradelnd, durch die halbe Stadt. Irgendwann schaffen wir es doch noch unter die warme Dusche.

 

Bis Kashgar sind es noch ca. 50km, ein Pappenstiel für uns. Wir radeln gemütlich los, wollen Artux hinter uns lassen. Nur einen kleinen Fehler machen wir. Beim Hinausfahren fragen wir einen Polizisten nach dem Weg und wusch – schon heisst es wieder unsere Pässe zücken! Soviel zu “die Polizei – dein Freund und Helfer”!

 

Wir lassen uns den Tag nicht verderben. Am Nachmittag nehmen wir den letzten Anstieg vor Kashgar in Angriff – das Bild das sich vor uns öffnet – die 7000er des Pamirgebirges! Atemberaubend. Wir fahren an der kilometerlangen Lastwagenkolonne vorbei, werden bei der Kontrollstelle durchgewunken und erreichen endlich unser Ziel – Kashgar! Nach 15’000km habe ich zusammen mit Markus meinen Traum verwirklicht! Es ist wunderbares unbeschreibliches Gefühl!

 

Kashgar lädt zum Verweilen ein: es ist eine Stadt mit orientalischem Charme, Teehäusern, Nachtmarkt. Einfach herrlich. Hier ruhen wir uns nun einige Tage aus, bevor wir den Pamirhighway unter die Räder nehemen. Unsere Reise geht weiter….

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Kommentare: 2
  • #1

    Andrea Rey (Mittwoch, 27 Juni 2018 18:13)

    Hallo Ihr Zwei,
    viiielen Dank für Euren malerischen Bericht. Wir bewundern Euer unablässige Wille und freuen uns, dass Ihrs so weit geschafft habt!
    Für die kommenden Kilometer auf dem Pamirhighway wünschen wir Euch weiterhin ganz viel Glück.
    Aber vorerst geniesst Ihr die freien Tage in Kashgar.
    Auf eindrückliche Bilder und Texte freuen wir uns schon jetzt.
    Seid herzlich gegrüsst und gedrückt
    Andrea und Dino

  • #2

    Marlies (Freitag, 29 Juni 2018 10:18)

    Freu mich für euch und mit euch. Toi-toi-toi für die nächste Etappe
    Marlies