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Akbaytalpass – Murghab (8.- 10. Juli 2018)

Heute fahren wir früh los. Uns steht der Anstieg auf den höchsten Pass unserer Reise, den Akbaytalpass auf 4655 MüM bevor. Für uns ist dies eine der grössten Herausforderungen. Werden wir es schaffen, mit unseren beladenen Rädern diese Höhe zu erreichen, ohne Kopfschmerzen, ohne Atemnot? Werden wir genug Kraft in Armen und Beinen haben?

 

Über einen lange Strecke fahren wir in das Tal hinein, welches zum Pass führt. Der Anstieg ist vorerst noch sanft. Entlang der Strasse blühen einige Blumen in herrlichen Farben, ansonsten ist es sehr karg. Jeder von uns tritt vor sich hin, versunken in seine eigenen Gedanken. Auf der ganzen Strecke hat es nur eine Yurte, etwas weiter entfernt ein Homestay, ansonsten nichts. Anfänglich hatten wir uns überlegt, ob wir in der Yurte übernachten sollten. Wir sind aber bereits vor dem Mittag dort, was sollen wir den Rest des Tages auch machen? So entscheiden wir uns weiterzufahren. In der Zwischenzeit ist die Strasse nicht mehr asphaltiert, die Schotterstrasse ist holprig, es hat viel Wellblechpiste. Konzentration ist gefragt. Die letzten 7km wird es steil. Wenn immer möglich fahren wir, ab und zu ist die Steigung aber zu heftig, so dass wir die Räder schieben müssen. Bei einer dieser Steigungen hält ein Bus mit 3 Reisenden an. Einer davon steigt aus dem Auto aus und kommt auf uns zu. “Ihr braucht sicher Stärkung” meint er und überreicht uns je ein Reiheli Schoggi. Die letzten Kilometer ist nicht mehr an fahren zu denken. Schieben ist angesagt. Eigentlich mögen wir nicht mehr, die Beine sind schwer, Schritt um Schritt stapfen wir hoch. Das sonst schon schwere Fahrrad fühlt sich noch schwerer an. Wir haben aber keine Wahl. In diesem felsigen Gelände zu campen wäre schwierig und zudem wollen wir auch nicht in dieser Höhe übernachten. Zum ersten Mal auf dieser Reise habe ich wirklich das Gefühl, an meine Grenzen zu stossen. Markus scheint etwas fitter zu sein, ich mache nach kurzen Abständen immer wieder eine kleine Pause. Aber wie sollte es auch anders sein: natürlich schaffen wir mit Ach und Krach die Passhöhe. Wow!

 

Hier oben ist es recht kalt, graue Wolken hangen am Himmel. Wird es etwa noch schneien oder regnen? Wir ziehen uns warm an, Kappe, Buff, warme Handschuhe, Regenjacke und –hose. Nun kann die Abfahrt beginnen. Die Strassenverhältnisse auf der andern Passeite sind etwas besser. An eine rasante Abfahrt ist vorerest noch nicht zu denken. Die ersten 5km sind noch Schotter, dann ist die Strasse wieder Asphaltiert. Trotzdem gilt es sehr konzentriert zu fahren. Immer weider hat es Schlaglöcher, denen wir ausweichen müssen. Nach rund 30km Abfahrt suchen wir uns einen schönen Campingplatz. Idyllischer könnte es kaum sein: ein Bach fliesst im grünen Tal, herrliche Berglandschaft, schöner Sonnenuntergang – wenn nur die Mücken nicht wären! Wir stellen unser Zelt auf, richten uns ein. Im Gegensatz zu China können wir uns ein feines Nudelgericht kochen, einen warmen Tee trinken, denn Benzin können wir hier wieder kaufen. Obwohl wir todmüde sind, schlafen wir schlecht. Umso besser schmeckt am Morgen der von Markus zubereitete heisse Kaffee, der unsere Lebensgeister wecken soll. Wir spüren nach wie vor die Müdigkeit vom Vortag. Gottlob steht uns eine relative kurze Strecke, mehrheitlich abwärts bis Murghab bevor, auf der wir mehrmals anhalten um mit den entgegenkommenden Fahrradfahrern zu tratschen. Am frühen Mittag erreichen wir Murghab. Wir steigen im einzigen Hotel der Stadt, dem Hotel Pamir ab. Hier scheinen sich alle Reisenden zu treffen, Motorradfahrer, Reisegruppen, Velofahrer, Tramper…. 

Kaum eingecheckt, lege ich mich schlafen, so müde bin ich. Tut das gut, nach all den schlaflosen Nächten einige Stunden in Tiefschlaf zu versinken. Beim Nachtessen treffen wir 2 bekannte Gesichter wieder, 2 Amerikaner, welche wir in Karakul kennen gelernt haben. Es ist ein herzliches Wiedersehen! 

 

Schon wieder ist ein Ruhetag angesagt, schliesslich sind wir nicht auf der Flucht. Wir spazieren durch Murghab, besuchen natürlich wie immer den Bazar. Im Unterschied zu andern Orten sind die Marktstände in Containern untergebracht. Das ist gut nachvollziehbar, denn auch im Winter wollen die Einheimischen einkaufen.Bei diesen Wetterbedingungen ist ein geschützer Ort zum Einkaufen unabdingbar. Den Rest des Tages verbringen wir mit Grosswäsche mache, wir kaufen einige Kleinigkeiten und …schlafen….

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