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Kashgar – Ulugqat –Byebye China

Kashgar ist der erste Ort, wo wir mehrere Tage verbringen. Wie nehmen uns bewusst nicht viel vor, schauen uns einige Sehenswürdigkeiten an. Wenn immer wir aus dem Hotel kommen, grüsst uns Mao als übergrosse Statue. Welcher Anblick. 

 

Die Altstadt hat es uns angetan. Gerne flanieren wir durch die Gassen, schauen den Handwerkern zu, die nach alter Machart Werkzeuge und Musikinstrumente, herstellen, traditionelle Kleider nähen, welche auch immer noch von vielen Frauen getragen werden. Gemüse- und Obsthändler bieten ihre schönen Früchte und Gemüse an, der Duft von frischgebackenem Brot und gefüllten Teigtaschen regt unseren Appetit an. Auch einen Besuch im Teehaus lassen wir uns nicht entgehen: hier treffen sich die älteren Männer am Nachmittag zum Tee trinken, wie sie das seit eh und je getan haben. Es wird eifrig diskutiert, Tee getrunken, frisches Brot geteilt und gegessen. Wir geniessen diese Atmosphäre, diese Ruhe und lassen alles auf uns einwirken.

 

Wir treffen seit langem wieder einmal ausländische Touristen und geniessen die gemeinsamen Nachtessen und Diskussionen mit ihnen. Ansonsten ruhen wir uns wirklich aus, schlafen, lesen und bereiten uns auf den nächsten Reiseabschnitt vor. Dazu gehört auch, dass wir Geld welchseln wollen, chinesische Yuan (RMB) in Kirgische Som und Tadschikische Somani. Nichst einfacher als das, haben wir gedacht. Wir gehen zu Bank of China, welche sich gegenüber dem Hotel befindet. Vor der Bank werden wir von einem Mann angesprochen, der uns fragt, ob wir Geld wechseln wollen. Schon das finden wir komisch, denn normalerweise trifft man diese Gelwechsler nicht direkt vor einer Bank. Wir winken ab und erklären mit Handzeichen, dass wir unser Geld in der Bank wechseln wollen. Speziell in Xinjiang wollen wir keine Risiken eingehen und uns falsch verhalten. Als wir dem Bankangestellen erläutern, dass wir Geld wechseln wollen, schüttelt er aber nur den Kopf, weist auf den Mann hin und erklärt uns, dass die Bank kein Geld wechselt, wir sollen das bitte draussen erledigen und zeigt auf den Mann der uns vorhin angesprochen hat! Das soll einer verstehen!

 

Am Samstag ist es endlich soweit! Wir besteigen wieder unsere Velo’s. Wie immer nach einer Pause stellen wir fest, dass uns das Fahrradfahren gefehlt hat. Heutiges Ziel ist der Grenzort Uluaqat. Wohl wissend, dass der Grenzübertritt nach Kirgistan am Wochenende geschlossen ist, haben wir entschieden, die 90km und über 1000 Höhenmeter nach Ulugqat am Samstag zu fahren, in Ulugqat zu übernachten und am Montag dann rechtzeitig an der Grenze zu sein. Denn der Grenzübergang nimmt ziemlich genau einen Tag in Anspruch. 

 

Das Wetter ist herrlich, wir gehen die Fahrt gemütlich an, machen unsere Pausen, geniessen einmal mehr die schöne Landschaft. Die ersten Kontrollposten passieren wir vergleichsweise locker, wir werden schnell durchgelassen. Ein letztes Mal werden wir von einem Polizeiauto eskortiert, wir sind nicht erstaunt, schliesslich geht es der Grenze zu. An einem schattigen Plätzchen halten wir unter Bäumen an, machen eine Pause. Ganz in der Nähe hat es ein Restaurant. Die Polizisten müssen natürlich auch anhalten. Es dauert, bis sie den idealen Platz gefunden haben um uns immer im Auge zu behalten. Sie halten sogar bei uns an und fragen, ob wir nicht im Restaurant etwas essen wollen. Das wäre ja zu einfach für sie, dann könnten sie sich ebenfalls eine Pause gönnen und uns locker im Auge behalten. Wir lehnen jedoch ab. Zu guter letzt parkiert ein grosser Lastwagen zwischen uns und dem Polizaiauto. Dumm gelaufen. Jetzt muss sogar einer der Bamten aussteigen, Funkgerät in der Hand um unsere Weiterfahrt ja nicht zu verpassen. Uns erinnert die ganze Situation an einen zweitklassigen Komikerfilm – wenn es nicht bitterer Ernst wäre!

 

Endlich ist Ulugqat in Reichweite, der letzte Kontrollposten vor dem Ort muss noch passiert werden: Pässe zeigen, Formulare ausfüllen und dann kommt die Nachricht des Tages: sie verweigern uns die Übernachtung in Ulugqat, obwohl der chinesische Grenzposten/das immigrationsgebäude erst ausserhalb des Dorfes liegt! Die Begründing lautet, der Grenzposten sei am Wochenden geschlossen, deshalb dürften wir nicht im Ort übernachten und müssen nach Kashgar zurück! Das darf doch nicht wahr sein! Welche Logik steckt denn da dahinter? Aber da ist nichts zu machen. Für uns ist klar, für die Fahrt mit dem Velo zurück nach Kashgar reicht die Zeit nicht, zelten dürfen wir nicht, wir brauchen einen Transport. Immerhin organisert einer der Beamten ein genug grosses Fahrzeug mit Fahrer zu einem vernünftigen Preis. Am späteren Abend sind wir zurück in gleichen Hotel, im gleichen Hotelzimmer und im gleichen Bett! Das ist ja fast wie Heimkommen.

 

Wir verbringen einen weiteren Tag in Kashgar, besuchen den berühmten Sonntagsmarkt und versuchen einen Transport nach Ulugqat zu organisieren. Wir wollen die Strecke nicht ein 2. Mal mit dem Fahrrad fahren. Das ist kein einfaches Unterfangen. Zuerst versuchen wir es im Hotel. Am liebsten hätten wir einen Van der uns dirket beim Hotel abholt und uns zum Grenzposten nach Ulugqat führt. Das Hotelpersonal drückt uns lediglich einen Prospekt mit einer Telefonnummer in die Hand. Na super! Wir können auch nach 10 Wochen kein chinesisch. Es wäre ja nett gewesen, sie hätten für uns angerufen. Nach nochmaligen Nachfragen bemüht sich die Réceptionistin doch noch, machte einige Telefonate um uns dann mitzuteilen, dass sie nichts organiseren kann. Auch das Reisebüro im Hotel selbst kommt dann zwar mit einem Vorschlag aber zu einem horrenden Preis, den wir nicht gewillt sind zu bezahlen. Wir geben dieses Vorhaben auf und entscheiden, am Montag früh zum Busbahnhof zu fahren und wie normale Reisende den ÖV zu benutzen. 

 

Rechtzeitig sind wir am Montag zur Stelle, vor 9.00 läuft eh nichts. Nach einigem Warten sitzen wir schliesslich um 11.30 in einem öffentlichen Van. Wir mussten gleich die ganzen 7 Tickets buchen, denn unsere Fahrräder, unser Gepäck und wir füllen fast den ganzen Van aus. Endlich kann es losgehen. Kurz nach 13.00 treffen wir beim Immigration Office in Ulugqat ein. Die nächsten Stunden heisst es warten, denn die Grenzbeamten haben bis 16.30 Uhr Mittagspause. Diese Zeit nutzen wir, den nächsten Transport für die 130km bis zur effektiven Grenze Chinas zu organisieren. Diesen Teil dürfen nur Taxis mit Spezialbewilligung befahren. An Velofahren ist da nicht zu denken, das ist nicht erlaubt. Pünktlich öffnen sich die Tore des Grenzpostens. Unsere Angaben werden zum ersten Mal eingetragen und das Gepäck gescannt. Gleich geht es zum nächsten Gebäude. Nochmals Gepäck scannen, Pässe abgeben, Foto machen, Departure Karte ausfüllen – das geht ausnahmsweise zügig voran und vor allem – wir haben unseren Exitstempel! Bye bye China! Unsere Pässe haben wir noch nicht, die bleiben beim Taxifahrer, bis wir den letzten Grenzposten passieren. Schliesslich könnten wir uns ja sonst davonschleichen…

 

Endlich können wir unsere Fahrräder im Taxi, das bereits wartet, verstauen. Da nur wenige Leute die Grenze passieren, steigen gleich noch 2 weitere Fahrgäste zu. Das Taxi ist voll. Der Fahrer ist gefordert, muss er doch die Strecke bis spätestens 19.45 gefahren haben, denn der letzte chinesische Grenzposten schliesst um 19.45. Wir schaffen es knapp aber noch rechzeitig. Das ist auch unser Glück! Wir werden zügig abgefertigt. Nichst von Kontrollen wie Fotos anschauen, PC durchsuchen, Gepäck auspacken – das haben wir von etlichen anderen Reisenden gehört. Auch hier wollen die Beamten rechtzeitig Feierabend machen. Wir werden noch das letzte Sück vom Grenzposten bis genau zur kirgischen Landesgrenze gefahren, hier müssen wir alles auspacken unsere Räder bepacken. Der Beamte wartet, bis wir effektiv losgefahren und auf kirgisischen Boden sind. Markus und ich radeln los, wir müssen uns beeilen, denn auch die Kirgisen schliessen ihren 3km entfernten Grenzposten. Die Kirgisen warten bereits auf uns! Markus muss trotz der fortgeschrittenen Zeit noch 2 Fronttaschen öffnen, bevor wir den Einreisestempel von Kirgistan im Pass haben. Welch aufregender Tag! Den ganzen Tag waren wir etwas angespannt ob alles klappen würde! Wir haben es geschafft. Als letzte Tat des Tages gilt es, eine Unterkunft zu finden. Gemäss Reiseführer hätte es in Irkishtam, dem kirgischen Grenzort, etwas haben sollen, wir finden nichts und machen uns auf den Weg ins 4km entfernte Nura. Unterwegs passiert ein Auto, ich winke dem Fahrer zu um fragen zu können, wo e seine Unterkunft gibt. Da habe ich die richtige Person angehalten: er teilt uns mit, dass wir bei ihm zu Hause übernachten können. Wir folgen seinem Auto bis zu seinem Haus, seine Frau heisst uns auf englisch herzlich willkommen. Zum ersten Mal übernachten wir in einem der hier weit verbreiteten Homestays: die Teppiche/Matrazen werden am Boden ausgerollt, es gibt ein einfaches Nachtessen und Frühstück. Das Plumpsklo befindet sich im Häuschen neben dem Haus, zum Waschen gibt es heisses Wasser und ein Becken. Zurück zu alten Zeiten! Wir sind einfach froh, ein Dach über dem Kopf zu haben, denn in der Nacht  stürmt und regnet es. Willkommen in Krigistan!

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